Barnim - Ersatzteil-Engpässe führen zu häufigen Stillständen am Schiffshebewerk Niederfinow

Sa 17.12.22 | 09:52 Uhr
  22
Neues Schiffshebewerk in Niederfinow im Winter
Audio: Antenne Brandenburg | 16.12.2022 | Michael Lietz | Bild: rbb

Über zwei Monate ist das neue Schiffshebewerk in Betrieb. An fast zwei Wochen davon stand es still. Mal war etwas kaputt, mal musste nachjustiert werden. Ein großes Problem ist auch der Ersatzteil-Mangel. Vor der Winter-Wartung soll das Lager aufgefüllt werden.

Bei Temperaturen unter null Grad und strahlendem Sonnenschein treibt nur Eis den Oder-Havel-Kanal hinunter - ansonsten bewegt sich am Donnerstag am neuen Schiffshebewerk in Niederfinow (Barnim) nichts. Denn der Betrieb wurde eingestellt - mal wieder. Schiffe und Boote müssen auf das benachbarte, alte Hebewerk ausweichen.

Stillstand wegen Lieferengpässen

Die Ursache steckt tief im Inneren der neuen Anlage. Dort muss die Elektronik ausgetauscht werden, heißt es vom zuständigen Wasserstraßen-Neubauamt. Das sollte eigentlich schon vor einem halben Jahr, und damit noch weit vor der Eröffnung, passieren, doch waren die nötigen Ersatzteile nicht zu bekommen, wie Aufsichtsingenieur Klaus Winter erklärt. "Dass, was der Bürger gerade in der Autoindustrie sieht, wenn er ewig auf sein neu bestelltes Auto wartet, ist hier eins zu eins dasselbe, mit den ganzen kleinen Bauteilen, die speziell für unsere Maschinen notwendig sind."

Das sei zwar ärgerlich, aber ansonsten ist Ingenieur Winter mit seinem Hebewerk zufrieden - eigentlich funktioniere das schon recht zuverlässig. "Kinderkrankheiten" gebe es nicht, der Koloss aus Stahlbeton verhalte sich genau so, wie vorausberechnet. Dass Bauteile kaputt gehen, wie kürzlich eine von vielen Bremsen, sei nun einmal so, wenn man vom Probe- und den Regelbetrieb gehe, sagte der Ingenieur. "Da kannst du noch so viel Qualitätssicherung durchführen. Bedingt durch die lange Bauzeit, sind Bauteile teilweise schon sechs bis sieben Jahre alt und so gut wie nie bewegt worden. Dass die jetzt möglicherweise aussteigen, ist nachvollziehbar."

Reparatur in Stunden, Lieferung in Tagen

Seit der Einweihung vor zwei Monaten hat das neue Hebewerk insgesamt an zwölf Tagen stillgestanden. Zurückzuführen war das auf drei Störungen, bei denen Bauteile tatsächlich kaputtgegangen sind. Die Reparatur habe zwar jeweils nur wenige Stunden gedauert - dafür habe man oft tagelang auf Ersatzteile gewartet. "Es gibt aber noch einen zweiten Punkt und das ist die Gewährleistung", sagt Klaus Winter. "Wir können die Teile manchmal nicht selbst reparieren, sondern müssen auf die Fachfirmen warten, die uns diese speziellen Teile geliefert, beziehungsweise eingebaut haben." Allerdings stünden die Unternehmen auch nicht immer auf Abruf bereit.

Mit Vorrat in die Wartungsphase

Als Konsequenz aus den Lieferengpässen soll nun das das Ersatzteillager massiv aufgestockt werden. Vieles sei längst bestellt, mindestens die Hälfte aber noch nicht geliefert, erklärt Winter. Zeiten mit längerem Stillstand sollen so künftig vermieden werden. Vor allem, wenn im kommenden Januar die zweimonatige Winterreparatur am alten Hebewerk beginnt und dieses dann nicht mehr als Ausweichvariante zur Verfügung steht. Kohle-, Getreide- und Stahltransporte müssen dann durch den neuen Schiffsfahrstuhl.

Ersatzteillager für das Schiffshebewerk
Ersatzteil-Lager am Schiffshebewerk | Bild: rbb

Erstmals soll der Kanal zwischen Stettin und Berlin auch im Winter geöffnet bleiben, sagt der Hebewerks-Leiter Jörg Schumacher. "Das neue Hebewerk wird in den zwei Monaten offen sein, es sei denn, wir haben einen größeren Kälteeinbruch, dass der Kanal wegen Eis gesperrt werden muss. Ansonsten gucken wir, wer da alles fahren möchte."

Auf eine längere Auszeit müssen sich hingegen Touristen einstellen. Zwar sind noch bis zum 6. Januar Besichtigungen der Anlage möglich. Danach ist aber erst einmal bis Anfang März die Winterpause.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.12.2022, 14:40 Uhr

Mit Material von Michael Lietz

22 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 22.

    Ein paar Daten noch zum Ausbauplan.
    https://www.bvwp-projekte.de/wasserstrasse/w37/w37.html

  2. 21.

    So in etwa? Zumindest was den Teil Richtung Berlin angeht.
    https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/beitraege/2022/07/havel-oder-wasserstrasse-sanierung-teilbereiche.html

    Scheint aber so ähnlich wie beim BER zu laufen. Das Kernprojekt ist reichlich verspätet fertig und die Zubringer (leistungsfähige Bahnanschlüsse) dauern noch länger.

  3. 20.

    @Björn
    Wenn ich mich an eimige Fahrten zur Ostsee erinnere, sind beide recht gut ausgebaut.Aber die Baufirmen könnten schon einen Grund finden.

  4. 19.

    @Björn
    So begründet der Betreiber den Neubaau Es geht wohl auch um die Höhe der Containerschiffe. Ich kann nur wiedergeben, was woanders steht. Ich habe gelesen, dass andere Hebewerke und Schleusen auch vergrößert wurden.

  5. 18.

    Na weil es "NEU" ist!
    Zulieferer/Ersatzteilproduzenten müssen/sollen doch auch über die Runden kommen!
    Und Dank (möglicher) geplante Obsoleszenz bekommen wir in ein/zwei Jahren auch schon (wieder) ein neues Hebewerk.
    Ist doch echt toll und ne erwägbare Theorie, oder???

  6. 17.

    "Das Neue eignet sich für Schubverbände und grössere Containerschiffe, die in das alte nicht reinpassen. Die Dinger werden eben immer größer. " Müßte dafür die Oder und irgendwann auch der Kanal nicht kontinuierlich ausgebaut werden?

  7. 16.

    @Heike
    Das Neue eignet sich für Schubverbände und grössere Containerschiffe, die in das alte nicht reinpassen. Die Dinger werden eben immer größer.

  8. 15.

    Danke für die Info. Hatten wir nicht schon einmal ein ähnliches Problem Anfang 2020, als viel Schutzkleidung/Masken/Desinfektionsmittel als Nothilfe nach China gingen, um in Wuhan zu helfen und danach fehlten uns genau diese Mittel hier selbst?

  9. 14.

    Das Ding ist doch wohl gerade erst fertig geworden, nach überzogener Bauzeit, wieso braucht man da jetzt schon Ersatzteile?

  10. 13.

    Das Problem des Fehlens von Medikamenten ist hausgemacht! Denn vor Wochen sind viele Medikamente in die Ukraine geliefert worden. Dagegen habe ich grundsätzlich nichts, doch sollte man von diesen auch genug für die eigene Bevölkerung davon haben!!!!

  11. 12.

    Das ist richtig, doch wurde nicht diese eine Verbindung zusätzlich von Politikern höchstens gefeiert? Das wusste doch jeder, das es eng wird.

  12. 11.

    Mal gut, dass 1934 so stabil gebaut wurde, so ist wenigstens für Hilfe gesorgt. Das kann womöglich noch lange so dauern.

  13. 10.

    Ich weiß dass das alte Hebewerk noch funktioniert....meine Frage stellte ich, da ich nicht verstehe warum ein "Neues" gebaut werden musste. So anfällig wie eine neue U-Bahn:-)

  14. 9.

    Irgendwie scheint hier in Deutschland gar nichts mehr zu funktionieren, keine Ersatzteile, keine Medikamente, und dann erzählt man den Leuten es gibt nichts.
    Keine 100km Richtung Osten gibt’s übrigens ausreichend Medikamente und ausreichend Ersatzteile, eigentlich alles ist zu bekommen und das meistens sogar zu alten Preisen……also WER ist hier wirklich schuld an der Misere?!

  15. 8.

    Das „alte“ Hebewerk ist nach wie vor noch in Betrieb. Das war noch Wertarbeit!

  16. 7.

    Berechtigter Einwand. Zumal an der Oder, wenige km vom Schiffshebewerk entfernt, nach dem Willen der grünen Partei, sowieso Schluss sein soll weil dort dann alles verlandet ist. 500 Millionen sozusagen in den Sand gesetzt.

  17. 6.

    Was soll die Frage? Das "alte" ist noch immer da. Es geht wie jedes Jahr in den Regelwartungsmodus.

  18. 5.

    "ODEG stellt "vorübergehend" eine der drei stündlichen Verbindungen beim RE1 ein. " Es dürfte niemandem entgangen sein, das nach dem FplWechsel auf der Stadtbahn Dauerstau ist und die Züge dort sich gegenseitig behindern. Das hat nix, mit Materialmangel zu tun. Eher mit zu viel Material auf der Schiene.

  19. 4.

    In den letzten 30 Jahren ist jedes, aber auch jedes Großprojekt gescheitert. Die Liste ist so lang, dass hier kein Platz dafür ausreicht. Es hat seinen Grund, warum letzte Plätze nie verlassen werden. Selbst bei besten Bedingungen, wie bei Tesla, droht ein Minusgeschäft... Wollen wir rechnen?

    P.S. Das Schiffshebewerk ist da nicht zuzurechnen. Das rechnet sich auch noch. Wenn die Polen die Oder schiffbar machen.

  20. 3.

    Das Schiffshebewerk funktioniert nicht kontinuierlich, weil keine Erstazteile vorrätig sind. Die MOZ schreibt heute, die ODEG stellt "vorübergehend" eine der drei stündlichen Verbindungen beim RE1 ein.

    Welche der von Politik und Medien gefeierten Großprojekte funktioniert eigentlich noch reibungslos in unserem Land?

  21. 2.

    @RBB24: "vom Probe- und den Regelbetrieb" Bitte das _und_ gegen ein _in_ tauschen.
    Ansonsten nix neues, gegenüber dem Artikel von vor ein paar Tagen.
    Aber zumindest steht jetzt auch für den Letzten Unwissenden drin, das die Teile nicht erst mit Beginn des Regelbetriebes im Oktober ihre Betriebszeit begonnen haben ;)

  22. 1.

    Warum hat man das alte nicht einfach gelassen??

Nächster Artikel