Migranten aus Afghanistan sitzen am 28.02.2020 auf der griechischen Insel Lesbos am Strand. (Quelle: dpa/Angelos Tzortzinis)
Audio: Antenne Brandenburg | 14.04.2020 | Bild: dpa/Angelos Tzortzinis

Brandenburg - Flüchtlingsrat mahnt zu Aufnahme weiterer Kinder aus Lagern

Der Brandenburger Flüchtlingsrat appelliert an die Landesregierung, Flüchtlinge von den griechischen Inseln direkt aufzunehmen. Dass der Bund nun bereit sei, 50 Kinder nach Deutschland zu holen, sei absolut unzureichend. Daher sollte Brandenburg nun dem Beispiel von Thüringen und Rheinland-Pfalz folgen und Spielräume ausloten, sagt Katharina Müller vom Flüchtlingsrat.  

Berlin will Jugendliche aufnehmen

Am Dienstag hatte sich außerdem Berlins Innenminister Andreas Geisel (SPD) in einem Brief an den Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) für die Aufnahme von mehr Menschen aus dem Flüchtlingslager auf Lesbos ausgesprochen und konkret angeboten, dass Berlin 70 Jugendliche aufnehmen könne. "Wir erwarten nun ein ähnliches Signal auch aus Brandenburg", sagte Müller vom Flüchtlingsrat dem rbb.

Landesaufnahmeprogramm gefordert

"Wir fordern die Landesregierung auf, sich an den Bund zu wenden und ein Landesaufnahmeprogramm aufzusetzen", sagte Müller. Brandenburg solle signalisieren, dass das Land Platz habe, und zwar für weit mehr als die angekündigten 50 Menschen, die nach einer zweiwöchigen Zeit in Quarantäne in Niedersachsen bundesweit verteilt werden sollen. "Den Rückhalt hat die Landesregierung, die Kommunen stehen bereit, Menschen aufzunehmen, das haben sie mehrfach signalisiert."

Flüchtlingsrat: Kommunen aufnahmebereit

Potsdam, Frankfurt (Oder), Bernau, Eberswalde, Fürstenwalde und Teltow und zahlreiche Initiativen hätten sich dafür ausgesprichen und ihre Bereitschaft erklärt, zusätzlich Flüchtlinge aufzunehmen. "Die Situation auf den griechischen Inseln ist katastrophal, es muss jetzt dringend gehandelt werden", sagte Katharina Müller.  

Wenn Bundesländer Flüchtlinge direkt aufnehmen wollen, müsste normalerweise der Bund zustimmen. Allerdings gäbe es mehrere Rechtsgutachten, nach denen die Länder in Abstimmung mit dem Bund selbst tätig werden könnten, vor allem in humanitären Notsituationen und wenn die Ziele der Länder denen des Bundes nicht zuwiderlaufen, zeigte sich Müller überzeugt. Dies sollte auch Brandenburg nun nutzen.

Menschen in Lagern zusammengepfercht

Organisationen und Initiativen haben wiederholt die Zustände in den Lagern auf den griechischen Inseln Lesbos, Samos, Kos, Leros und Chios angeprangert. Dort leben nach Angaben des zuständigen griechischen Ministeriums mehr als 42.500 Menschen in Lagern, die eigentlich nur für 6.000 Menschen ausgerichtet sind. Nach Angaben der EU-Kommission sind rund 5.500 von ihnen unbegleitete Minderjährige.

Im März hatten sich sieben EU-Länder bereiterklärt, 1.600 Menschen aus den Lagern aufzunehmen. Seitdem ist wenig passiert: In Luxemburg sollten am Donnerstag zwölf Kinder ankommen, die Bundesregierung hatte vor Ostern erklärt, dass sie nun 50 Kinder aufnehmen werde.  

Was Sie jetzt wissen müssen

4 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 4.

    Es ist traurig, wie mutlos die Politik agiert. Nein, wir können real nicht alle Menschen aufnehmen, die auf der Welt hungern. Aber Deutschland hat ein Grundrecht auf Asyl, weil es wichtig ist, Menschen in Not zu helfen. Und die Hilfe für Menschen, die nach Deutschland wollen, können wir auch prüfen, ob Asyl möglich ist oder ihnen andere Migrationswege aufzeigen.

  2. 3.

    Sie verkennen hier die prekäre Lage in den Flüchtlingscamps auf Lespos in Griechenland. Die Regierung schlägt schon seit Monaten Alarm. Zudem geht es um Waisenkinder ohne familiäre Bindung. Also Ihre Befürchtung, sprich Besorgnis, das nun Verwandte nachkommen, ist völlig aus der Luft gegriffen.

  3. 2.

    Flüchtlingsrat, Grüne, Rote und Dunkelrote sollten einmal ehrlich sagen, was aus deren Sicht mit den übrigen ca. 500 Mio bis 700 Mio. hungernden, teilweise erkrankten Kindern auf der Welt, geschehen soll? Welche konkreten Pläne verfolgen sie?? Sollen die auch in der EU, also zu 1/2 in Deutschland, aufgenommen werden? Dies wäre doch gerecht und würde Not lindern, oder?

  4. 1.

    Es tut mir leid, aber die Kinder die ich gestern ankommen habe sehen sid alle Jugendliche und sehen erfreulicher Weise gesund aus.
    Dann brauchen wir ja nur noch auf die Verwandten warten.
    Ich habe angenommen das es wirklich kranke Kinder sind.
    Macht endlich was vor Ort in Griechenland.

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren