Schwer beschädigter Porsche nach tödlichem Unfall in Berlin
Bild: Morris Pudwell

Nach Unfall mit vier Toten - Verbotsdebatte um SUV-Autos entbrannt

Noch ist nicht sicher, was den schweren Verkehrsunfall mit vier Toten in Berlin-Mitte ausgelöst hat. Doch es wird weiter über Sinn und Unsinn von hochmotorisierten SUV gestritten. CDU und FDP fordern, den Unfall nicht zu instrumentalisieren. 

Nach dem tödlichen Verkehrsunfall am vergangenen Freitag in Berlin ist eine Debatte über schwere, hochmotorisierte SUV entbrannt. Die Grünen und die Deutsche Umwelthilfe fordern, solche Fahrzeuge möglichst aus Innenstädten zu verbannen. Politiker von CDU und FDP sprachen sich am Montag vehement gegen eine "Instrumentalisierung" des Unfalls aus.  

Verbot, Obergrenze, City-Maut?

Antje Kapek, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, sagte am Montag im rbb-Inforadio: "Immer mehr private Pkw werden größer und schwerer, weil Menschen sie individuell für sich sicherer finden; aber die Sicherheit für das Umfeld wird dabei nicht bedacht." Sportgeländewagen, kurz SUV (Sports Utility Vehicle), seien für schwieriges Gelände gedacht, so Kapek weiter, nicht für den innerstädtischen Raum.

Grünen-Verkehrspolitiker Oliver Krischer forderte im "Tagesspiegel" [ext. Link] eine Obergrenze für SUV. Diese Autos seien eine besondere Gefahr für Fußgänger und Radfahrer. "Am besten wäre eine bundesrechtliche Regelung, die es Kommunen erlaubt, bestimmte Größenbegrenzungen zu erlassen."

Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, forderte ebenfalls im "Tagesspiegel" Maßnahmen wie eine City-Maut oder ein Parkverbot beziehungsweise deutlich höhere Parkgebühren für SUV. Auch Kapek sprach sich im rbb für eine gestaffelte City-Maut aus, bei der für "besonders schwere, besonders große Autos" mehr gezahlt werden müsste.

CDU wirft Grünen Pietätlosigkeit vor

Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Mario Luczak warf hingegen den Grünen und der Umwelthilfe vor, den Unfall zu instrumentalisieren. Die Forderungen nach SUV-Verboten seien "beschämend und ohne Anstand den Opfern gegenüber", schrieb Luczak auf Twitter. "Man kann politisch streiten, aber bitte nicht Pietät vergessen."

Auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt wollte anders als Parteikollegen keine Verbotsdebatte führen. Stattdessen plädierte sie dafür, SUVs teurer zu machen.

FDP spricht von Geschmacklosigkeit

Der FDP-Bundestagsfraktionsvize Frank Sitta bezeichnete das "Instrumentalisieren von Verkehrstoten" als schlicht "geschmacklos, zumal die Unfallursache noch gar nicht geklärt ist".

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sprach sich ebenfalls gegen ein Verbot von Sportgeländewagen in Innenstädten aus. Dies sei "keine zielführende Lösung", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Sendung: Inforadio, 09.09.2019, 13.00 Uhr

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48 Kommentare

  1. 48.

    Da sich die Energie E zu E=0,5 m (Masse)*v² (Geschwindigkeit²) berechnet, ist die Energie E eines SUV bei gleicher Geschwindigkeit 1,4 mal höher, als bei einem normalen Pkw. Daher sollte insbesondere die Geschwindigkeitsbegrenzung in Städten auf 30 km/h festgelegt werden. In Innenstädten mit hohem Verkehrsaufkommen sollte man diese „Kfz-Monster“ überhaupt verbieten. Sicherheitstechnisch könnten die Kfz-Konzerne Knautschzonen im Frontalbereich der SUV installieren, so dass die Energie beim Aufprall von Personen wirkungsvoll absorbiert werden kann.
    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

  2. 47.

    Epileptiker muss das Führen eines Kfz verboten werden!
    Unabhängig davon, ob der Fahrer vom besagten SUV in Berlin kurz vor dem Eintritt des tragischen Unfalls, wo auf dramatischer Weise vier Menschen, darunter ein Kleinkind getötet wurden, einen epileptischen Anfall erlitten hatte, sollte Epileptiker (und insulinpflichtigen Diabetiker) das Führen eines Kfz verboten werden, weil von einer auf die andere Sekunde bei diesem betroffenen Personenkreis abrupt das Bewusstsein schwinden bzw. aussetzen kann! Daher dürfen diese Personen, insbesondere Epileptiker in Betrieben auch keine Maschinen bedienen. Anderseits: Die SUV haben in Vergleich zu normalen Pkw im Durchschnitt eine Tonne mehr an Masse. Das Verhältnis beträgt ca. 1,4:1.

  3. 46.

    Sicher, dass es den U-Bahnhof gibt? Der sollte unter das zweite Hauptterminal kommen. Den Bau der U-Bahn hatte damals auch vehement die AL bekämpft. Schließlich hat Kreuzberg nichts davon.

    Derzeit wehrt sich vor allem die die Linke, dass überhaupt über einen Ausbau der U-Bahn nachgedacht wird. Frau Lompscher unterstützt aber Comedians wie Frau Pop, die deshalb Wassertaxis als Lösung für die Verkehrsprobleme Berlins vorgeschlagen hat.

  4. 44.

    Viele sind überrascht, wenn ich erzähle, dass Tegel einen U-Bahnhof besitzt. Die Schienen zur Anbindung nach Jungfernheide, wurden aber nie gelegt. Vielen ist noch nie wirklich aufgefallen, das es in Jungfernheide ein abgesperrtes Gleisbett gibt. Eine Gewinnmaximierung zwischen Taxi-Innung und der BVG. Seit Nichtfertigstellung des Flughafens BER im Jahre 2011, hätte man schon längst die Strapazen der Reisenden erheblich verbessern können. Aber die Lobby des Extra Geldes lässt sich die BVG nicht nehmen.Ich sage nur: Wo Geld regiert.....
    Ich behaupte nichts, ich hatte jahrelang am Flughafen Tegel gearbeitet. Die U-Bahnverbindung dufte nicht nach außen getragen werden.

  5. 42.

    Liebe Evy,
    Sie haben schon Recht, es geht um die Diskussion um ein SUV-Verbot. Aber wennn noch Redebedarf über den Unfall selbst besteht, wollen wir mal ne Fünf gerade sein lassen.
    Viele Grüße
    rbb|24

  6. 41.

    Die FAQ sagt dort aber nur Zahlen ohne genaue Quelle, damit kann man nichts anfangen. Und warum darf man nicht auf SUV's schimpfen? Diese Autos sind nunmal gefährlicher und hinzu auch noch umweltschädlicher. Bei einem tötlichen Unfall mit einem normalen PKW, stirbt der in dem PKW und nicht der im SUV, d.h. die Bezeichnung, man fährt wie in einer geschützten Kapsel herum stimmt nunmal.
    Und jeder der nicht ihre Meinung teilt, ist nicht gleich ideologisch verblendet. Es zeigt eigentlich, dass nur sie in solchen Kategorien denken.

  7. 40.

    Schade nur, dass in Berlin der ÖPNV nicht gut erschlossen ist... 20-Minuten-Takt ab Zone C, überfüllte Züge und ständig Ausfälle, sobald es regnet, schneit, die Sonne scheint oder Wind weht... Erstaunlich eigentlich, dass in Kanada Eisenbahnen funktionieren... aber die haben ja auch die richtig fetten SUVs da... gibt es einen Zusammenhang!!? Dann bitte mehr SUVs in die Innenstadt! Vielleicht fährt dann ja auch der Berliner ÖPNV besser :-)

  8. 39.

    Hallo RBB. Redaktion
    ist das Forum verrutscht? Die Kommentare beziehen sich nicht auf den Artikel, sondern auf den suv-unfall

  9. 37.

    Bei der Tagesschau gibt die FAQ zum SUV.
    Den Fiat 500 gibt es mit knapp 150PS, den 500x mit 170. Das reicht dann doch für den Ampelmast. Einseitig auf SUV zu schimpfen und die Augen vor den Fakten zu verschliessen zeugt jedoch in diesem (Un)Fall von ideologischer Verblendung.

  10. 36.

    Vergleichen Sie den Porsche Macan mit der entsprechenden Variante des Tesla Model 3 (sog. Mittelklassewagen) bzgl. Masse und Beschleunigungsvermögen. Sie werden überrascht sein. Glücklicherweise optimieren andere Elektroauto-Hersteller ihre Produkte nicht unbedingt auf brutale 0-100, denn das würde den Stadtverkehr der Zukunft tüchtig aufmischen.

  11. 35.

    Ja richtig, ein SUV mit nur 100 PS stellt nicht so die Gefahr dar. Im Prinzip stellt sich die Frage, warum braucht man ein Auto mit 200+ PS. Und die Kombination Gewicht und PS macht solche Autos definitiv gefährlich. Weil man sich auch selber Überschätz. Die gleiche Überschätzung gibt es ja teilweise auch mit den E-Rollern.

  12. 34.

    Was denn für eine Ideologie? Das KBA ist eine Bundesbehörde und nun? Auf der Seite des KBA's finde ich ihre Zahlen nicht, wo stehen die denn genau?

  13. 33.

    Den Glauben kann man nur schwer mit Fakten beikommen. Der Panda hätte den Ampelmast wohl nur deshalb nicht geknickt, weil er deutlich schwächer beschleunigt. Das gilt übrigens auch für seinen SUV-Plattformbruder Fiat 500X oder Jeep Renegade. Dafür funktionierte deren Abgasreinung teilweise bloß für 22 Minuten, da der Test nur 20 Minuten dauert.

  14. 32.

    Das Gewichtsargument besteht den Faktencheck nicht. Ein normaler Audi A6 wiegt je nach Austattung etwas weniger oder sogar mehr als der hier von pietätlosen Ideologen ausgeschlachtete Porsche Macan und verkauft sich viel besser. Eine Mercedes E-Klasse wiegt ähnlich viel, ebenso ein 5er BMW.

    Gerade die hochwertigen Fahrzeuge sind zudem schon mit Assistenzsystemen auch zum Fußgängerschutz ausgestattet, die nichtmals auf der Zubehörliste vieler Kleinwagen auftauchen. Aber das steht ja eigentlich schon im Artikel.

  15. 31.

    Richtig aber der ADAC behauptet ebenso, dass die Bauform keine Auswirkung hat, warum hat Volvo dann die Bauform abgeändert um Fußgänger besser zu schützen? Ich denke mit ihrem physikalischen Wissen können das besser beurteilen, als die Top Ingenieure von Volvo.

  16. 30.

    In welchem Teil habe ich denn geschrieben, dass ich dafür bin irgend etwas zu verbieten? Die Aussage des ADAC ist schlicht falsch. Und natürlich gehen von LKWs und Bussen eine größere Gefahr aus, richtig.
    Überinterpretieren Sie bitte nicht.

  17. 29.

    Das Land der Verbote? In anderen Ländern sind die Gesetze viel härter und Strafen um ein Mehrfaches höher, besonders im Verkehr. So eine blöde Floskel. Klar, es müssen Dinge immer klarer reglementiert werden, je mehr Probleme sie verursachen. Völlig legitim.

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