Rettungsstation in Königs Wusterhausen - "Teils ist das halbe Gesicht der Igel weg"

Mo 25.03.24 | 15:53 Uhr
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Symbolbild: Igel-Auffangstation. (Quelle: dpa/Johannes Simon)
Audio: rbb24 Inforadio | 25.03.2024 | O-Ton: Briita Herter | Bild: dpa/Johannes Simon

Die Igel-Rettungsstation in Königs Wusterhausen hat Bilanz gezogen - rund 100 Igel wurden über den Winter aufgepäppelt. Einige von ihnen waren schwer verletzt. Sie sollen nach Ostern wieder freigelassen werden. Aber auch danach gibt es genug Arbeit.

Einige Igel wogen gerade mal 100 Gramm, als sie in die Rettungsstation in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) gebracht wurden, andere waren schwer verletzt: Insgesamt 100 Tiere haben die drei Mitarbeitenden diesen Winter aufgepäppelt, die meisten wurden im Herbst gebracht. Die Fundtiere waren zu klein oder zu verletzt, um alleine klarzukommen.

Schon Anfang Dezember hatte die Igelrettung einen Aufnahmestopp verkünden müssen, weil alle Aufbewahrungsboxen voll belegt waren. Innerhalb von sechs Wochen war die Zahl der Igel von 47 auf 100 gestiegen.

Die meisten Tiere werden unterernährt und verletzt nach Königs Wusterhausen gebracht: "Wir haben ganz schlimme Verletzungen – am Bauch, am Rücken, am Kopf. Das ist ein unheimlicher Aufwand. Die dann zu pflegen, dauert sehr lange. Auch die Tierarztkosten sind sehr hoch", berichtet Mitarbeiterin Nina Hermann.

Igel werden nach Ostern ausgewildert

Die meisten Igel bleiben drei bis sechs Monate in der Rettungsstation, ehe sie wieder ausgewildert werden. Einer von ihnen ist Friedrich. Er hat keine Hinterpfoten mehr. Er bekam im Winter sehr viel Zuneigung und noch mehr Hühner- und Rindfleisch. "Bei uns ist er so dick geworden, dass er jetzt genügend Kraft hat, in der Natur klarzukommen", berichtet Leiterin Britta Herter.

Alle Igel, die fit und wieder gesund sind, werden nach Ostern wieder ausgewildert – nach dem letzten Bodenfrost und rechtzeitig vor Beginn der Paarungszeit von Mai bis August. Die Tiere werden in geschützten Gärten ausgesetzt. Sie gehen dann wieder selbstständig auf Nahrungssuche, bekommen aber auch weiter Nahrung in sogenannten Igelhäusern. Nur vier Problemfälle können Stand jetzt noch nicht in die Freiheit entlassen werden, sagt Hermann.

Dennoch gibt es in der Igel-Rettungsstation weiter viel Arbeit: Im Frühjahr werden viele verletzte Tiere abgegeben. Vor allem Mähroboter seien ein großes Problem, sagt Herter. Die rotierenden Klingen verursachen tiefe Schnitte: "Teils werden die Stacheln abrasiert, aber das ist gar nicht so schlimm", berichtet die Leiterin: "Teils ist das halbe Gesicht der Igel weg - die kriegen wir meist nicht durch."

Aber auch Igel, die nach dem Winterschlaf zu früh erwacht sind, werden nach Königs Wusterhausen gebracht. In freier Wildbahn halten weibliche Igel bis Anfang April Winterschlaf, die Männchen sind bereits Mitte März wieder unterwegs. Milde Temperaturen sorgen mitunter aber dafür, dass sie zu früh erwachen und dann keine Nahrung finden.

Seit 29 Jahren nimmt die Rettungsstation bereits untergewichtige und verletzte Tiere aus der ganzen Region in Obhut – vorrangig Igel, aber auch Vögel, Eulen, Eichhörnchen und Waschbären. Die Station finanziert sich vor allem über Spenden.

Sendung: rbb24 Inforadio, 25.03.2024, 12:30 Uhr

Mit Material von Susanne Hakenjos/Antenne Brandenburg

15 Kommentare

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  1. 15.

    Da stimme ich Ihnen zu. Die Idee ist genau so sinnfrei, wie der Vergleich mit Autos im Bezugspost.
    Waschmaschinen sollte man aus versicherungsrechtlichen Gründen aber auch nicht längere Zeit unbeaufsichtigt lassen.

  2. 14.

    Was für eine sinnfreie Idee ... Mähroboter kauft man ja gerade, um NICHT beim Rasen mähen daneben stehen zu müssen.
    Genauso clever wäre es, wenn man seine Waschmaschine nur unter Aufsicht waschen lassen dürfte - es könnte ja ein Leck auf- und Wasser austreten...

    Ein besserer Schutz von Kleintieren (und -menschen) sollte als nächster, wichtigster Punkt bei der Weiterentwicklung von Mährobotern Berücksichtigung finden!
    Für die grundlegende Funktionalität und den verbesserten Diebstahlschutz von Mährobotern hat man ja auch Lösungen entwickeln können.

  3. 13.

    Als ich vor paar Monaten die Fotos einer Wildtierrettungsstelle sah von "skalpierten" Igelchen bin ich in Tränen über dieses Leid ausgebrochen. Können einige ruhig lächeln, aber ich war geschockt über die massiven Verletzungen.

  4. 12.

    Vielen Dank an die Igelretter. Ich schließe mich der Forderung nach einem Verbot der Produktion, des Verkaufs und des Betriebes der Igelmordmaschinen an und fordere die Höchststrafe für deren Erfinder, Produzenten, Verkäufer und Verwender.

  5. 11.

    Vorschlag zur Güte: Mährobotorbetrieb nur unter persönlicher Aufsicht. Das wäre dann auch analog zum Auto und dessen Fahrer.

  6. 10.

    Und inwiefern spricht nun ihr Argument gegen ein Verbot? Der Unterschied zum Auto ist der technisch beschränkte triviale Einsatz eines Mähroboters.
    Im Gegensatz zum Auto kann beim Mähroboter mit entsprechender Hardware und Software die Kleintierschredderei nahezu eliminiert werden, während beim Auto nach wie vor der Geisteszustand des Fahrers über das Ergebnis entscheidet.

  7. 9.

    Das gleiche zu nutzen, könnte man auch Ihnen empfehlen: "... Mährobotern ohne Kleintierschutz ..." sollten sehr wohl verboten werden. Und unsachlich - "... Verkauf von Autos auch ..." - werden genau immer die, die die Skalpierroboter ohne Rücksicht auf Wildtiere laufen lassen.

  8. 8.

    Antwort auf "Leni" vom Montag, 25.03.2024 | 20:16 Uhr
    "Der Verkauf und Betrieb von Mährobotern ohne Kleintierschutz muss verboten werden" aha! Und der Verkauf von Autos auch, ja? Weil manche Menschen nicht damit umgehen können und belehrungsresistent sind? Alternativ könnte man das bisschen Verstand nutzen und die Nähmaschinen zu "igelsicheren" Zeiten laufen lassen.

  9. 7.

    „Widerlicher Invasor“ ist wohl kaum die richtige Bezeichnung für ein Neozoon.
    Genau; das immer und überall lebende Problem Homosapiens sapiens. Denn wir haben den Kollegen aufgrund seines begehrten Pelzes importiert, eingehegt, schließlich passiv und aktiv ausgewildert und parallel alle großen Beutegreifer mehr oder weniger ausgerottet.

  10. 6.

    Na klar, rettet mal die niedlichen Waschbären, die dann später erschossen werden, weil sie unserer einheimischen Fauna Schaden zufügen.Wer denkt sich eigentlich solchen Unfug aus ?

  11. 5.

    Der Verkauf und Betrieb von Mährobotern ohne Kleintierschutz muss verboten werden.

  12. 4.

    … Waschbären retten? Was … genau … habt Ihr nicht verstanden? Diese widerlichen Invasoren fressen kleine Igel und die einheimische Singvogelbrut. Großer Gott … kommt zu Euch …

  13. 3.

    Ja, diese guten Leute haben mehr als ein Danke verdient! Leute tut was! Mir bricht es immer das Herz, wenn ich tote + verletzte Igel sehe!
    Und schmeißt diese Igelkiller (Mähroboter) endlich weg und verbietet sie!

  14. 2.

    Vielen Dank für die Hilfe und Menschlichkeit, welche Sie den kleinen Tierchen entgegen bringen. Ich ( und mit Sicherheit auch viele andere ) würde (n) mich (uns) freuen, wenn so etwas mit mehr Steuergeldern unterstützt wird. Frohe Ostern.

  15. 1.

    Vielen Dank an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Igel-Rettungsstation für die fleißige Arbeit.
    Man kann übrigens im Frühjahr und im Herbst auch Igeln helfen, damit sie nicht in die Station müssen, indem man Katzenfutterdöschen für Jungkatzen in Gärten und Grünanlagen an geeigneten Stellen deponiert, z. B. unter Büschen und wo noch viel altes Laub liegt. Das wird von jungen Igeln sehr gern angenommen und sie haben dadurch eine Chance, ihr für den Winterschlaf notwendiges Mindestgewicht von 500 g zu erreichen.

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