Der Maserati "Quattroporte" der Treberhilfe Berlin (Bild: dpa)
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Chronologie - Von der Maserati-Affäre zum Treberhilfe-Skandal

Vor vier Jahren ist der Berliner Obdachlosenverein Treberhilfe in die Schlagzeilen geraten. Eine Chronologie der Maserati-Affäre, die zum Treberhilfe-Skandal wurde.

Im Februar 2010 lässt der umstrittene Gründer und Miteigentümer des Sozialunternehmens Treberhilfe, Harald Ehlert, sein Amt als Geschäftsführer ruhen. Die Sozialverwaltung wirft ihm vor, mit den öffentlichen Mitteln für Obdachlose zu viel Geld verdient zu haben und streicht der Treberhilfe Aufträge.

Der Auslöser für den größten Berliner Sozial-Skandal seit Jahren ist ein Strafzettel. Weil der Treberhilfe-Chef Harald Ehlert die Geldbuße nicht zahlen will, kommt der Fall vors Verwaltungsgericht. Viel interessanter als ein Streit ums Fahrtenbuch ist für die Öffentlichkeit allerdings die bis dahin kaum beachtete Tatsache, dass Ehlert einen Maserati als Dienstwagen nutzt. Mit dem extravaganten Sportwagen gerät auch das Geschäftsgebaren der außergewöhnlich erfolgreichen Treberhilfe ins Kreuzfeuer.

Reich durchs Geschäft mit den Armen

Nur gerüchteweise dringt durch: Ehlert soll als Geschäftsführer mehrere Hunderttausend Euro Jahresgehalt beziehen. Da ist eine Villa am Schwielowsee, weitere teure Autos. Dass ein gemeinnütziges Unternehmen die Mittel dafür legal erwirtschaften kann, will der Senat nicht glauben. Werden die Mitarbeiter zu schlecht bezahlt? Oder hat die Treberhilfe etwa zu viele Leistungen abgerechnet? Die Sozialverwaltung schaltet den Staatsanwalt ein. Der Verdacht: Zweckentfremdung öffentlicher Mittel. Aber so einfach es ist, den großspurigen "Sozialunternehmer" mit moralischen Argumenten anzugreifen – juristisch ist die Sache komplizierter.

Der ehemalige Geschäftsführer der Treberhilfe, Harald Ehlert (Bild: DPA)
Nach den Vorwürfen kam der Rücktritt: Ex-Treberhilfe-Chef Harald Ehlert. | Bild: dpa

Juristisches Minenfeld

Eine Reihe von langwierigen Untersuchungen und Prozessen beginnt. Erfüllt das Geschäftsführergehalt den Tatbestand der Untreue? Ist es ein Verstoß gegen die Gemeinnützigkeit? Darf die Diakonie die Treberhilfe einfach ausschließen? Aus welchen Gründen dürfte der Senat der Treberhilfe öffentliche Aufträge entziehen? Auch ohne rechtskräftige Entscheidungen lässt der Senat nach dem Rücktritt Ehlerts bestehende Projekte der Treberhilfe auslaufen und vergibt die Aufträge an andere Träger.

Fristlose Kündigung

Im Mai 2011 platziert der Senat den vielleicht entscheidenden Schlag gegen die Treberhilfe: Wegen grober Pflichtverstöße kündigt das Land eine ganze Reihe von Verträgen für die Obdachlosen-Betreuung. Nach Angaben der Treberhilfe geht es um Aufträge von über fünf Millionen Euro, etwa die Hälfte des Jahresumsatzes. Eine ernste Bedrohung für das Unternehmen, das in besten Zeiten 280 Mitarbeiter beschäftigt hat. Im November 2011 meldet die Treberhilfe Insolvenz an.

Im Dezember 2011 gründet der Evangelische Diaknoieverein Berlin-Zehlendorf die "Neue Treberhilfe gGmbH" und übernimmt die Mitarbeiter und Hilfsangebote der insolventen Treberhilfe. Auch Ehlert versucht, sich als Mitarbeiter einzuklagen. Doch das Berliner Landesarbeitsgericht weist die Klage des 51-Jährigen im März 2013 zurück.

Seit August 2013 musste sich der 52-Jährige in Berlin wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Am 23. Juli erfolgte das Urteil: Ehlert wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Das Landgericht Berlin setzte die Strafe für drei Jahre zur Bewährung aus.

Die Neue Treberhilfe kann ab 2014 kein betreutes Einzelwohnen mehr anbieten, es läuft ein Insolvenzverfahren.

Beitrag von Christoph Reinhardt