Basketball - Albas Frauen im Anflug auf die 1. Liga

Di 16.08.22 | 18:08 Uhr | Von Lynn Kraemer
Alba-Spielerinnen beim Sprungtraining (Bild: Jan Buchholz/Alba Berlin)
Video: rbb24 | 22.08.2022 | Jonas Schützeberg | Bild: Jan Buchholz/Alba Berlin

Die Basketballerinnen von Alba Berlin stehen vor ihrer ersten Saison in der 1. Liga. Mit dem Aufstieg hat sich die Mannschaft auf mehreren Positionen verstärkt und professionalisiert. Das bietet nicht nur Chancen. Von Lynn Kraemer

In Berlin trainieren zwischen 400 und 500 Mädchen und Frauen mit dem Albatros auf dem Trikot. Mit Beginn der neuen Saison gibt es für sie eine neue Perspektive: Basketballprofi für Alba Berlin in der 1. Liga. Berliner Basketballerinnen, die erstklassig spielen wollen, müssen ihre Heimat nicht mehr verlassen. Der Hauptstadtklub ist ganz oben in der Damen Basketball Bundesliga (DBBL) angekommen.

"Das ist für Berlin eine riesige Chance und auch für den Frauen-Basketball, wenn es jetzt hier in Berlin bei Alba eine 1. Liga gibt", sagt Alba-Kapitänin Lena Gohlisch. Zwei Monate vor Saisonbeginn sind die Spielerinnen wieder ins Mannschaftstraining gestartet.

Mehr Erfahrung und Professionalisierung

Seit dem Aufstieg hat sich das Team auch personell verändert. Alba Berlin verpflichtete im Sommer mehrere Spielerinnen mit internationaler oder deutscher Erstliga-Erfahrung. So spielt die US-Amerikanerin Laina Snyder derzeit noch mit dem neuseeländischen Team Southern Hoiho um die Meisterschaft, bevor sie zur Mannschaft stößt. Dazu kommen Deeshyra Thomas (Gisa Lions SV Halle), Maggie Mulligan (Celta Vigo), Tessa Stammberger (TK Hannover Luchse) und die ehemalige Jugendnationalspielerin Nina Rosemeyer (Eigner Angels Nördlingen).

Damit wächst der Anteil der Spielerinnen in der Mannschaft, die auch schon vormittags zusätzliche Frühtrainingszeiten haben. Die meisten ihrer Mitspielerinnen gehen zu dieser Zeit zur Schule, studieren oder arbeiten und lassen diese Trainingseinheit aus. “Es ist für uns wichtig, dass sie die Belastung gut steuern. Wir wissen, dass sie neben dem Spielfeld auch noch andere Verantwortungen haben, und das haben wir aber auch schon in der Vergangenheit gut gemacht”, erklärt Ireti Amojo, die den Mädchen- und Frauenbereich bei Alba koordiniert.

Doch auch die Spielerinnen, die parallel zum Basketball noch arbeiten gehen, haben nachjustiert. Alba-Kapitänin Lena Gohlisch arbeitete in der letzten Saison noch Vollzeit als Assistenzärztin in einer Berliner Klinik. Oft mit mehr als 40 Stunden pro Woche. "Ich gehe runter auf 80 Prozent und bin Ärztin im teilstationären Bereich, damit ich keine Nachtschichten mehr habe. Da haben wir alle zusammen mit dem Verein ein paar Anpassungen vorgenommen, dass es jetzt möglich ist."

Struktur auf die Frauenmannschaft übertragen

Mit den Albatrossen stößt ein Verein in die 1. Liga, der deutlich mehr finanzielle Mittel hat. Die Spielerinnen bekommen zwar keine Gehälter in der Höhe eines Malte Delow oder Jonas Mattisseck, können aber auf die bestehenden Strukturen zurückgreifen. Einige Elemente wurden schon in der vergangenen Saison etabliert: "Beispielsweise die sportpsychologische Betreuung oder die Ermöglichung, dass man mit dem Zug zu Auswärtsfahrten fährt. Oder wenn es schlecht angebundene Teams sind, dass man mit dem Bus fährt", sagt Amojo, die selbst bis 2020 für Alba spielte.

Aber auch in der Öffentlichkeitsarbeit hat Alba nachgelegt und die Berichterstattung über die Frauenmannschaft intensiviert. So wurden beispielsweise alle Neuverpflichtungen auf den verschiedenen Kanälen mit eigenen Grafiken verkündet. Sportdirektor Himar Ojeda ordnete die Transfers ein.

Alba-Spielerinnen beim Training (Jan Buchholz/Alba Berlin)Alba-Spielerinnen beim Trainingsauftakt (Jan Buchholz/Alba Berlin)

Veränderungen in der Liga

Doch die Reichweite der Berlinerinnen könnte auch problematisch werden. Den Eisvögeln aus Freiburg, die amtierende Meisterinnen sind, folgen auf Instagram etwas mehr als 3.300 Menschen. Alba Berlin kratzt auf seinem Instagram-Account, der auch über die Männermannschaft berichtet, an den 44.000 Followern. Wie auch in der Natur haben die Albatrosse eine deutlich weitere Flügelspannweite. Alba könnte in der 1. Liga die Flügel ausweiten und sich mit viel Geld an die Spitze befördern.

Der Verein steht mit dem Aufstieg auch in der Verantwortung, den Sport nicht kaputtzumachen. "Das Schöne an der Frauenbasketball-Community ist, dass sie sehr klein ist. Man kennt sich untereinander", sagt Amojo: "Man kennt die Jugendspielerinnen und wir haben hier in Berlin einen ziemlich großen Pool an Nachwuchstalenten. Deswegen ist es auch schön für sie zu sehen, dass sie sich hier in Berlin bis in die 1. Liga optimal entwickeln können."

Doch Alba Berlin ist nicht der einzige BBL-Verein, der ab dieser Saison in der DBBL mitmischt. Die Gisa Lions SV Halle heißen seit Juli Gisa Lions MBC. Ihre Bundesligalizenz wurde an die Mitteldeutsche Basketball Marketing GmbH übertragen, die auch die Betreibergesellschaft des Syntainics MBC aus der BBL ist. Beide Bundesligisten arbeiteten bereits im Nachwuchsbereich zusammen und haben diese Kooperation nun auch auf den Profibereich ausgedehnt. Die Gisa Lions, in der letzten Saison noch Zehnte, sollen innerhalb von drei Jahren Finalkandidatinnen werden. Die Fanlager mit Doppelspieltagen zusammengeführt werden.

Die ewige Hallensuche

Ein ähnliches Spieltagsformat ist auch bei Alba geplant. Ihren Aufstieg feierten die Spielerinnen bereits vor 2.200 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof. Ein paar Stunden später spielten die Männer dort in der Bundesliga. Doch Spiele vor so einer Kulisse werden in dieser Saison wohl eher die Ausnahme bleiben. "In Berlin – das wissen alle Berliner Vereine – wird sich viel um Hallen und Hallenzeiten gestritten. Wir sind ein bisschen auf der Suche, wo wir der Frauenmannschaft jedes zweite Wochenende, wenn sie zuhause in Berlin spielen, eine gute Atmosphäre bieten können", sagt Ireti Amojo. Eine Heimhalle steht zwei Monate vor Saisonbeginn noch nicht fest.

Vorsichtige Saisonziele

Alba Berlin startet mit zwei Auswärtsspielen in die Saison 22/23. Am 14. Oktober bestreitet die Mannschaft ihr erstes Erstligaspiel bei den Girolive Panthers Osnabrück. Zwei Tage später sind sie bei den Eigner Angels Nördlingen zu Gast. Das erste Heimspiel von Alba Berlin soll am 23. Oktober gegen die Rutronik Stars Keltern stattfinden. Insgesamt gibt es 22. Hauptrunden-Spieltage.

Das erklärte Ziel ist der Klassenerhalt. Von den elf Mannschaften wird eine absteigen. "Ich glaube, man sollte schon tiefstapeln. Wir müssen uns erstmal ans Niveau gewöhnen und gucken, was geht", sagt Lena Gohlisch. Die Erstliga-Geschichte von Alba Berlin steht für die Frauen schließlich noch ganz am Anfang.

Sendung: rbb24, 16.08.2022, 21:45 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

Nächster Artikel