Ein Absetzer der Förderbrücke F60 im Braunkohletagebau Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG)
Video: rbb24 | 25.02.2020 | 13 Uhr | Bild: dpa/Patrick Pleul

Tagebau geht wieder in Regelbetrieb - In Jänschwalde darf wieder Kohle gefördert werden

Nach fast sechs Monaten darf wieder gebaggert werden: Der Tagebau Jänschwalde kehrt zum Regelbetrieb zurück. Zuvor hatte ein Gericht die Arbeiten gestoppt, weil der Betreiber keine Prüfung zur Umweltverträglichkeit durchgeführt hatte.

Im Tagebau Jänschwalde darf nach Angaben des Betreibers Leag wieder Braunkohle gefördert werden. Damit arbeite die Grube nun wieder im normalen Betrieb, wie das Energieunternehmen am Montag mitteilte.

Das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) habe die Zulassung des Hauptbetriebsplanes 2020 bis 2023 erteilt. Vorausgegangen war eine umfangreiche Prüfung, ob sich der Tagebau mit Pflanzen- und Tierwelt sowie den örtlichen Biotopen verträgt, die so genannte FFH-Umweltverträglichkeitsprüfung.

Stillstand seit September

Im Tagebau wurde seit dem 1. September 2019 keine Kohle gefördert, weil eine Prüfung gemäß Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der EU fehlte. Das Verwaltungsgericht Cottbus hatte deshalb entschieden, dass der Tagebaubetrieb vorläufig eingestellt werden muss. Eine Fristverlängerung für die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung als Voraussetzung für den Weiterbetrieb hatten die Richter abgelehnt. Von der Schließung betroffen waren rund 700 Leag-Mitarbeiter.

Vorausgegangen war eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gemeinsam mit der Grünen Liga. Die Umweltschützer befürchten, dass Filterbrunnen im Bereich des Tagebaus besonders geschützte Gebiete wie etwa Moore gefährden.

Arbeitgeber und Gewerkschaft zufrieden

"Wir sind erleichtert, dass sowohl unsere Mitarbeiter als auch die zahlreichen Mitarbeiter von Service- und Partnerunternehmen ihre verantwortungsvolle Tätigkeit im Tagebau Jänschwalde jetzt wieder in gewohnt zuverlässiger Weise aufnehmen können", sagte Leag-Bergbauvorstand Uwe Grosser.

Auch die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie begrüßte den Weiterbetrieb des Tagebaus. "Jetzt können wir uns den anderen Herausforderungen in der Lausitz stellen", sagte der Landesbezirksleiter Nordost, Oliver Heinrich, der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf den Kohleausstieg und den Strukturwandel.

Grüne Liga will Bescheid prüfen

Der Grüne Liga aus Cottbus teilte am Montagabend mit, dass ihnen der Bescheid über die Zulassung für einen Weiterbetrieb noch nicht vorliege. "Wir werden ihn intensiv prüfen. Die mehrfache Verzögerung des Genehmigungsverfahrens zeigt aber, dass die Behörden offenbar Schwierigkeiten hatten, eine Vereinbarkeit mit dem europäischen Recht festzustellen", sagte Sprecher Rene Schuster.

Jänschwalde soll 2028 vom Netz gehen

Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde soll auf dem Weg zum Kohleausstieg von 2025 bis 2028 vom Netz gehen. Das hatte die Bundesregierung am 16. Januar mitgeteilt.

Zuvor hatten sich der Bund und die vier Länder mit Braunkohle-Regionen auf den Zeitplan für den Ausstieg aus der Kohle bis zum Jahr 2038 geeinigt. Das Konzept ist mit den Kraftwerksbetreibern abgestimmt.

Der Block A soll nun Ende 2025 stillgelegt werden, Block B Ende 2027; beide sollen in Sicherheitsbereitschaft gehalten werden. Für Block C und D soll Ende 2028 Schluss sein. Im Kraftwerk sind bereits in den vergangenen zwei Jahren zwei von sechs Blöcken mit je 500 Megawatt vom Stromnetz genommen worden. Sie befinden sich seitdem in einer vierjährigen Sicherheitsbereitschaft. Dann soll Schluss sein.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.02.2020, 21:00 Uhr

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19 Kommentare

  1. 17.

    Die Kohle wird dringend in der Stahlindustrie benötigt. Wir können natürlich alles einstellen und auch die Stahlproduzenten kaputt machen, Indien übernimmt gerne. Ob das dann so für die Welt besser ist?

  2. 16.

    Das Werk sollte schon viel früher stillgelegt werden,wenn man den Umweltschutz ernst nimmt.
    Immer nur wollen, werden und am Ende bleit alles wie es ist.

  3. 14.

    >> "Bei denen entstehen teils nur 1/3 der CO2-Menge je kWh."

    Wenn der Transport für das Erdgas nach Deutschland mitgerechnet wird, sind es nur noch 1/10 die gespart werden.

    Und wenn Dt. nicht die AKWs abschalten würde, wäre es in den Gruben schon lange dunkel.

  4. 13.

    Wenn die Kohle geht werden viel mehr Menschen die Lausitz verlassen, als gewohnt haben in den Orten welche umgesiedelt wurden. Zudem gibt es viele die gerne umgesiedelt worden wären.

  5. 11.

    Dass die Kraftwerke überhaupt noch so lange laufen, ist die Folge einer verfehlten Politik zur Energiewende. Die Bundesregierung hätte viel eher nachsteuern müssen und wie z.B. in Großbritannien Gaskraftwerke bevorzugen sollen. Bei denen entstehen teils nur 1/3 der CO2-Menge je kWh. Die werden eh für die Energiewende benötigt. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass der Kohleausstieg in UK andere Gründe hat als den Klimawandel und auch die Kernenergie dort die zweitgrößte Primärenergiequelle in der Stromerzeugung ist und noch lange genutzt werden soll.

    Der Strukturwandel in den Revieren hätte früher konsequenter vorangetriebenen werden müssen. Man hätte aus dem Stopp der Steinkohleförderung lernen können. Das wolle aber niemand von Mitte-Rechts bis Linksaußen. Es rächen sich die wechselnden Rahmenbedingen für die Kernenergie und auch für die EE. Bei denen hat das viele Arbeitsplätze in der PV gekostet, bei den WKA-Herstellern ist der nächste Kahlschlag im Gange.

  6. 10.

    Da ist wohl eher der Wunsch der Vater des Gedanken. Bisher hat die Leag die meisten Kosten selbst geschultert. Was soll das Gefasel von Steuergeldern? Aber Sie motzten ja gern, auch wenn es falsch ist.

  7. 9.

    Na dann liebe Kollegen haut wieder rein, und Glück auf!

  8. 8.

    „Bald ist Schluss mit diesem Wahnsinn „ ??? Naja wie hat sich da der ein oder andere hier so seinen Wohlstand verdient ? einiges an dem wodrauf wir unseren Wohlstand in Deutschland begründen haben wir auch unseren Energieträgern zu verdanken! Auch der Kohle !

  9. 7.

    700 Mann über 6 Monate, höflich geschätzte 4000€ Lohnkosten
    ...das sind schon alleine 16 Millionen Euro.

    "Kohleknappheit" gab es nicht, sind ja noch drei andere Tagebaue da, die ggf. schneller laufen. Daher sind die Ausfälle durch entgangene Einspeisung mE kaum entstanden... es gibt natürlich zusätzliche Kosten für Logistik und erforderliche Umplanung.

    Als Betrieb hätte ich allerdings Kurzarbeit angemeldet, was die LEAG nicht für nötig gehalten hat.

  10. 6.

    Verlust?
    1,7 Mrd. von Vattenfall
    1,75 Mrd. vorraussichtlich vom Steuerzahler
    Zig Millionen für "Reserve" vom Stromkunden.
    Frage beantwortet?

  11. 4.

    Offenbar hat niemand diese Kohle gebraucht.

  12. 3.

    Großraumhalde / Abbaggern ganzer Ortschaften, Wildtierhabitaten und Natur und dann der Begriff Umweltverträglichkeit - geisteskranker kann es nicht sein.
    Aber bald ist ja Schluss mit diesem Wahnsinn.

  13. 2.

    6 Monate keine Kohle abgebaut - gibt es Infos wie hoch der finanzielle Verlust für das Unternehmen ist?

  14. 1.

    Das ist eine sehr gute Nachricht, insbesondere für die Bergleute.

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