Tierpark in Cottbus - Eine Paartherapie für Elefanten

Fr 29.12.23 | 16:57 Uhr
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Die asiatische Elefantenkuh Don Chung steht im Freigehege und wirft mit ihrem Rüssel Erde in die Luft (Quelle: dpa/Pleul)
Symbolbild | Bild: dpa/Pleul

Seit acht Monaten leben die Elefantendamen Sundali und Don Chung gemeinsam im Cottbuser Tierpark. Doch noch immer verstehen sie sich nicht so gut, wie es die Pfleger gern hätten. Wie schafft man es, dass sich zwei Dickhäuter mögen? Von Florian Ludwig

Für viele Cottbuser war die Nachricht ein kleiner Schock: Karla, eine asiatische Elefantendame, die mehr als 50 Jahre im Cottbuser Tierpark gelebt hatte, musste im November 2022 eingeschläfert werden. Die Elefanten gelten als Aushängeschild des Parks. Karla und die zwei jahre jüngere Elefantenkuh Sundali waren Publikumslieblinge.

Umso größer war die Freude, als bekannt wurde, dass Sundali nicht länger allein bleiben muss. Im April bekam sie eine neue Gefährtin. Don Chung kam aus dem Leipziger Zoo. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Cottbuser Tierpark schon neu aufgestellt: ein neues Elefantenhaus war gebaut, die Außenanlage deutlich vergrößert worden. Für eine Zusammenführung der beiden schien eigentlich alles perfekt. Eigentlich.

Kein Miteinander, aber auch nicht gegeneinander

Sundali hatte zunächst "höchtens mittelmäßiges Interesse" an ihrer neuen Mitbewohnerin, sagte Tierparkdirektor Jens Kämmerling dem rbb drei Monate nach Don Chungs Ankunft. Sundali hatte zu dem Zeitpunkt höchstens mal zu ihrer Gefährtin geschaut, interagiert hatten beide noch nicht miteinander.

Auch im Oktober, ein halbes Jahr nach Don Chungs Einzug, war die Stimmung zwischen beiden noch nicht besser. Obwohl zumindest Sundali etwas offener schien - immerhin startete sie einzelne Annährungsversuche - zeigte ihr Don Chung weiterhin die kalte Schulter, sagte Tierpflegerin Heike Jandke. Kaum kam Sundali näher, ging Don Chung auf Abstand. Streit oder Auseinandersetzungen gebe es nicht, so die Pflegerin, allerdings eben auch keine Zuneigung.

Einzelbeschäftigung für die Dickhäuter

Mittlerweile lebt Don Chung seit acht Monaten in Cottbus. Und es ist noch immer nicht "die große Liebe", sagt Jandke. Wenn Sundali gerufen wird und sich langsam auf den Weg zum Zaun macht, sucht sich Don Chung bereits einen neuen Standplatz. Erst wenn Don Chung das Elefantenhaus verlässt, macht sich Sundali auf den Weg hinein.

Wenn Sundali mit ihrem Rüssel Blätter aufsammelt, schaut Don Chung höchstens zu, mit Sicherheitsabstand. Beide Dickhäuter müssen von den Tierpflegern einzeln beschäftigt werden. "Don Chung ist sehr vorsichtig und hat Angst, dass von Sundali Stress und Stänkereien ausgehen", erläutert Jandke.

Mehr Entspannung auf der Außenanlage

Doch es habe sich durchaus etwas getan, im Verhältnis der beiden Elefantendamen, sagt die Tierpflegerin. Auf der Außenanlage seien beide mittlerweile relativ entspannt. "Die Dicken sind tagesformabhängig. Es gibt Tage, da stehen sie dichter zusammen, es gibt Tage, an denen stehen sie mit mehr Abstand", so Jandke. Im Elefantenhaus werde es "Stück für Stück besser".

Beide sollen weiter vorsichtig und langsam zueinander gebracht werden. Die eigentliche Kommunikation zwischen den Elefanten bekommen die Tierpfleger ohnehin nicht mit, sie läuft über Infraschall, so die Tierpflegerin.

Heike Jandke wünscht sich, dass die vorsichtigen Bemühungen doch noch Früchte tragen, auch im neuen Jahr werden die Mitarbeiter hier an der Beziehung der beiden Publikumslieblinge arbeiten. "Wenn sie dann irgendwann mal zusammenstehen und sich berüsseln, das wäre das, was sich ein Tierpfleger wünscht", sagt Jandke.

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.12.2023, 16:10 Uhr

15 Kommentare

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  1. 15.

    „Streit oder Auseinandersetzungen gebe es nicht, so die Pflegerin, allerdings eben auch keine Zuneigung.“

    Genau dieses Verhalten konnte ich erst heute sehr gut beobachten. Die Mädels standen beide in Elefantenhaus und ignorierten sich auf vortreffliche Art und Weise. Immerhin habe ich sie das erste Mal zusammen gesehen, sonst waren sie immer räumlich weit getrennt.

    Vielleicht war es keine so gute Idee zwei alte, gereifte Damen quasi zu einer Freundschaft zu zwingen. Das klappt nicht mal beim Menschen. Trotzdem wünsche ich natürlich viel Erfolg bei den weiteren Verkupplungsversuchen, nicht zur Freude der Pfleger oder Besucher, sondern zum Wohle der Tiere.

  2. 14.

    Danke für den Hinweis, Frau Franziska. Ich habe selbstverständlich mit dem Hund immer auf großen Abstand geachtet, da ich weiß, dass viele Tierarten Fluchttiere sind und Hunde für viele immer noch Wölfe - ich bin nicht umsonst in einem TSV.
    In unserem Tierpark, angeblich dem größten in Europa, sind Hunde mit kurzer Leine erlaubt, im Berliner Zoo jedoch nicht. Und bei den Elefantenfütterungen haben die Tierpfleger den Besuchern alles Wissenswerte über Afrikaner und Asiaten erzählt und man konnte Fragen stellen.
    Wünsche auch Ihnen einen schönen Jahreswechsel.

  3. 13.

    Vielleicht braucht mancher Elefant einfach Zeit zu Trauern , bevor er einen neuen akzeptiert.
    Man tauscht Tiere einfach aus, und erwartet daß die sich auf Anhieb verstehen, auch Elefanten haben Gefühle.

  4. 12.

    Missverständnisse sehe ich als Pflicht sie aufzuklären. Ich habe nichts gegen Ihre Meinung. Leider unterliegt mein Kommentar den Sie bemängeln, ein Fehler. Ich hatte über Elefanten eine Ansicht abgegeben, dabei an afrikanische Elefanten gedacht. Genetisch sind afrikanische und asiatische Elefanten unterschiedlich. Asiatische Elefanten wurden von Menschen gezähmt, meistens für Touristen bei Shows, Elefantenreiten missbraucht und zum Arbeiten. Manchmal flippen sie aus und rennen alles nieder. Ich habe es gesehen in Sri Lanka. Elefantenbabys leben dort im Waisenhaus, jedoch sie können sich anders bewegen als ein asiatischer Elefant im deutschen Zoo. Ein asiatischer Elefant der in Deutschland groß gezogen, geboren wurde -verliert seinen Ur- Bio- Instinkt nie. Der lebt weiter im Verborgenen. Fühlt sich zwar schon zu den Tierpfleger hingezogen, aber wer kann seine Gefühle verstehen? Asiatische Elefanten im Zoo? Sie sind gezähmt leichter zu halten! Den Elefanten in Cottbus alles Gute!

  5. 11.

    Ich danke Ihnen Frau Frieda, für das Interesse an Elefanten und die gute Ansicht darüber. Ja, Elefanten sind intelligente Tiere, aber hochbedeutend sozialer als mancher Mensch. Sie trompeten auch, wenn sie mehr Distanz zu ihm einfordern, egal ob bei Hunden oder Menschen. Hohe Quietschlaute sind Lautsignale die kommen von ihren Lippen (Mund). Das ist ihre Art an Kommunikation, da sie ursprünglich in der Wildnis das angeborene soziale System leben. Schön zu wissen, dass der Tierpfleger Sie über das Verhalten von Elefanten erzählt. Sorry, nur eins gefällt mir nicht gut. Lassen Sie lieber ihren Hund vom Zoo weg. Speziell wenn es ein großer Hund ist. In freier Wildbahn würde ein Elefant angreifen. Wünsche Ihnen ein gutes, neues Jahr!




  6. 10.

    Meine Güte, Franziska, was soll das? Die Elefanten in den Zoos sind alle in Gefangenschaft geboren und höhere Säugetiere sind sehr anpassungsfähig. Sollen die jetzt ausgewildert werden oder wie stellen Sie sich das vor?
    Außerdem sind das asiatische Elefanten, die seit über 3.500 Jahren gezähmt werden - wenn auch die herkömmliche Methode strikt abzulehnen ist - sind sie an Menschen gewöhnt und können deshalb nicht ausgewildert werden.
    Ich bin auch gegen die Haltung exotischer Tiere in Zoos, aber Sundali und Don Chung leben nun mal und die TierpflegerInnen werden bestimmt alles tun, um denen so artgerecht wie mögliche Bedingungen zu bieten.

  7. 9.

    Danke, Conni, ich wünsche Ihnen auch einen guten Rutsch, ein gesundes neues Jahr und viel Spaß im Zoo.
    Elefanten sind ja so intelligente Tiere - Edgar hat mal Sand nach uns geworfen und Louise hat uns mit ihrem Rüssel angetrötet, weil sie meinen großen Hund weghaben wollten. Den Grund für dieses Verhalten haben mir die Tierpfleger hinterher bestätigt.

  8. 8.

    Es läuft was schief im Zoo. Es fehlt die nähere Betrachtung bei Unkenntnis über Elefanten in deren Heimat? Die Bedürfnisse der Elefanten sind sozial nicht gut bedacht. Elefanten sind äußerst soziale sensible Tiere. Gefangenschaft oder besser freie Wildbahn? Elefanten sind Herdentiere. Teils nur junge Elefanten langen nicht in Gefangenschaft. Junge Elefantenkühe lernen hauptsächlich von ihren älteren Artgenossinnen, ihre Verwandte betreuen Elefantenbabys in der Herde. Warum sterben Elefanten im Zoo ohne Geburten? Sie vermissen ihre eigene uralte Herdensolidarität. Um auf die gewünschte Population bei Elefanten zu gelangen, muss es berücksichtigt werden- aber wie in Europa? Die Größe vom Elefantenhaus, das Gehege muss stimmen für mehrere Elefanten. Unser überwiegend kühles Klima stimuliert kaum die Tiere für Nachwuchs. Woher ich das weiß? Durch langjährige Erfahrung in ihrer Heimat. Beweise habe ich genug gesammelt. Ich bin gegen Elefanten-Gefangenschaft.

  9. 7.

    Hallo Frieda! Ich richte gern die Grüße aus, gehe am Sonntag wieder in den Zoo ! Alles Gute fürs Neue Jahr und viele Grüße!

  10. 6.

    Hallo Conni, wenn Sie den Leipziger Zoo besuchen, grüßen Sie mal bitte Kewa, Astra, Thuza, Pantha und Edgar von mir.
    Ich war immer mehrmals die Woche zur Elefantenfütterung im Tierpark und vermisse sie sehr, seit sie umgezogen sind. Danke und alles Gute.

  11. 5.

    Don Chung und Sundali brauchen einfach noch mehr Zeit, sich anzunähern. Seit der Vergesellschaftung hier in Leipzig hat Don Chung einfach Angst vor anderen Elefanten und muß merken, daß Sundali keine Gefahr für Sie darstellt. Das braucht einfach nur Zeit und Geduld, die Beiden schaffen das schon!!! Also ganz fest Daumen drücken und viel Erfolg den Tierpflegern!!!

  12. 4.

    Wünsche das der Wunsch der Pfleger sich erfüllt.

    Gut Ding braucht Weil!

    Die schaffen das schon.

    Von Herzen das beste für das gesamte Elefantenhausteam

  13. 3.

    Da muss ich an die beiden alten Damen Frosja und Louise sowie an die Gruppe mit Kewa, Astra und den Jungtieren Thuza, Pantha und Edgar im Tierpark denken. Frosja und Louise haben sich gut verstand, Kewa und Astra auch.
    Es gibt doch so viele Institute o. ä., wo man sich mit der Verhaltenserforschung von Tieren beschäftigt. Vielleicht können die TierpflegerInnen in Zusammenarbeit mit Verhaltensforschern mal was bauen, wo die beiden Elfis nur ans Futter kommen, wenn sie kooperieren?
    Vielleicht brauchen die Damen aber auch nur mehr Zeit oder es geht nur mit friedlicher Koexistenz.
    Ich drücke jedenfalls allen die Daumen.

  14. 2.

    Da muss ich an die beiden alten Damen Frosja und Louise sowie an die Gruppe mit Kewa, Astra und den Jungtieren Thuza, Pantha und Edgar im Tierpark denken. Frosja und Louise haben sich gut verstand, Kewa und Astra auch.
    Es gibt doch so viele Institute o. ä., wo man sich mit der Verhaltenserforschung von Tieren beschäftigt. Vielleicht können die TierpflegerInnen in Zusammenarbeit mit Verhaltensforschern mal was bauen, wo die beiden Elfis nur ans Futter kommen, wenn sie kooperieren?
    Vielleicht brauchen die Damen aber auch nur mehr Zeit oder es geht nur mit friedlicher Koexistenz. Ich drücke jedenfalls allen die Daumen.

  15. 1.

    Liest sich so als wären zwei völlig unterschiedliche Damen auf einmal in einer Wohnung zusammen und können nicht ihrer eigenen Wege gehen. Also ich denke das wird sich bei diesen beiden Elefanten Damen bald legen, denn was bleibt ihnen auch schon anderes übrig. Und Dank der Tierpflegerin wird es schon klappen. Da bin ich mir ganz sicher.

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