Heizung, Lüften, Technik - Wie das eigene Verhalten die Energiekosten beeinflusst

Sa 27.11.21 | 12:21 Uhr
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Eine Frau legt in ihrer Wohnung in Berlin Holzscheite in ihren Kachelofen. (Quelle: dpa/Monique Wüstenhagen)
dpa/Monique Wüstenhagen
Video: Super.Markt | 22.11.2021 | Felix Krüger | Bild: dpa/Monique Wüstenhagen

Rauf, rauf, rauf - die Energiekosten kennen gerade nur eine Richtung. Was also tun, um Geld zu sparen? Der Anbieterwechsel ist eine Möglichkeit - größere Wirkung aber zeigt ein Blick auf das eigene Verhalten. Ein Beispiel. Von Felix Krüger

Post vom Stromanbieter für Heike Brauer: Statt bisher 31,7 Cent pro Kilowattstunde soll die Berlinerin zukünftig 51,1 Cent zahlen. Das ist eine satte Preissteigerung, rund 60 Prozent mehr als bisher. Auf ein ganzes Jahr gerechnet erwarten Brauer über 400 Euro Mehrkosten für ihren Zwei-Personen-Haushalt. Zu viel für Angestellte einer Speditionsfirma - sie will daher von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen und den Anbieter wechseln.

Doch in Zeiten explodierender Energiepreise auch auf dem Weltmarkt stellt sich inzwischen nicht mehr allein die Frage nach einem Anbieterwechsel. Den Energieverbrauch möglichst nach unten zu drücken, das wäre jetzt wohl die wichtigste Maßnahme. Auch für Heike Brauer: "Auf jeden Fall ist das ein Thema bei uns – schon immer", sagt sie. Trotzdem sucht sie nach Möglichkeiten, ihren Verbrauch weiter zu reduzieren.

Berater: Verhalten wichtiger als Technik

Günter Merkel ist Energieberater im Auftrag der Verbraucherzentrale. Seine Expertise ist zurzeit sehr gefragt. Am Balkon seiner eigenen Mietwohnung hat er ein kleines Solarkraftwerk installiert: Wenn die Sonne scheint, kann er damit Strom im Wert von etwa einem Euro am Tag erwirtschaften. Doch auf Technik kommt es gar nicht in erster Linie an, sagt er - viel wichtiger sei das Verhalten. Beim eigenen Warmwasser-, Strom- und Heizverbrauch hätten die Verbraucher:innen die entscheidenden Hebel schon in der Hand.

Merkel weiß, wovon er spricht, denn was er empfiehlt, hat er in seiner Wohnung schon ausprobiert. "Mir ist es gelungen, nur durch eine Verhaltensänderung meines Heiz- und Lüftungsverhaltens, den Heizenergieverbrauch pro Quadratmeter in der Wohnung von 100 kWh pro Jahr und Quadratmeter auf 38 kWh pro Jahr und Quadratmeter zu reduzieren." Die 21 Grad in der Wohnung sind für ihn dabei eine "Wohlfühltemperatur".

Merkel berät täglich Kunden, die über die Verbraucherzentrale ihre persönliche Energiebilanz überprüfen wollen, so auch Heike Brauer. Hier überprüft er zunächst anhand von Rechnungen, ob der Gesamtverbrauch auffällig ist und wo es Einsparmöglichkeiten gibt. Seine erste Einschätzung ist positiv: "Frau Brauer ist sehr sparsam."

Produzieren Lampen Wärme, verschwenden sie auch Energie

Trotzdem erkennt er gleich ein erstaunlich großes Sparpotenzial bei der Wohnzimmer-Deckenleuchte. "Die macht zwar auch Licht, aber vor allem Wärme", stellt er fest. Das sei bei einer LED-Leuchte anders, "die macht nur Licht und keine Wärme - oder nur ganz wenig Wärme." Und weniger Wärme bedeutet: weniger Energie, weniger Kosten.

Hier würde sogar nur eine kleine Investition einen erheblichen Spareffekt bedeuten. Bei drei Stunden Leuchtdauer täglich verbrauchen die Halogenstrahler 172 kWh im Jahr. Leuchtdioden würden mit deutlich weniger auskommen. Heike Brauer könnte allein bei dieser Lampe 50 Euro Kosten im Jahr sparen, wenn sie auf LEDs umstellt.

Gleichmäßiges Heizen ist wichtig

Der zentrale Energie-Posten ist allerdings das Heizen. Wie sieht es hier bei Heike Brauer aus? Nach den Zahlen zu urteilen, ist der Zwei-Personen-Haushalt vorbildlich, alles im grünen Bereich. Und das, obwohl sie im kalten Erdgeschoss wohnt. Trotzdem misst der Energieberater 20,4 Grad Raumtemperatur. Dass die Heizung gar nicht zu arbeiten scheint, sei völlig normal, sagt Energieberater Merkel: "Wenn wir hier jetzt die Raumtemperatur schon erreicht haben, dann muss die auch nicht heizen."

Grundsätzlich ist es sinnvoll, auf eine gleichmäßige Wärmezufuhr zu achten – die Heizung komplett aus, dann wieder an, das verbraucht viel Energie. Nachts oder wenn man die Wohnung tagsüber verlässt, kann man die Heizung ein wenig herunter drehen, aber rund 16 Grad sollten in keinem Zimmer unterschritten werden - allein schon, um die Wände nicht feucht werden zu lassen.

Stoßlüften schlägt Kippstellung

Und wie lüftet Heike Brauer? Auf Kippstellung hat sie ihr Wohnzimmerfenster eigentlich nie, schon gar nicht im Winter. Sie öffnet ihre Fenster morgens und abends für drei Minuten. Damit tauscht sie die Luft aus, die Wände bleiben trotzdem auf Temperatur. Einsparpotenzial beim Lüften: bis zu 120 Euro im Jahr.

Nächste Station auf der Wohnungsbesichtigung mit dem Energieberater ist die Küche. Hier geht es wieder um den Stromverbrauch. Die Geräte von Heike Brauer sind schon über zehn Jahre alt. Was erstmal kein Drama sei, so der Energieberater. Trotzdem interessiert ihn der Kühlschrank am meisten. Immerhin läuft der durchgehend. Auf den ersten Blick ist er zufrieden: "Ein Zweitgerät gibt’s nicht, super." Und der Kühlschrank steht auch nicht neben einer Heizung oder dem Herd. Als optimale Temperatur empfiehlt Berater Merkel sieben Grad. "Also gar nicht so kalt machen. Nicht auf zwei Grad stellen, das kostet einfach viel zu viel Energie."

Aber dann fällt ihm doch noch etwas auf. Der Kühlschrank ist wohl ein wenig undicht, die Dichtung sei ein "bisschen kaputt". Günter Merkel hat durchgerechnet, was eine neue Kühl-Gefrierkombination bei Heike Brauer sparen würde: Stromkosten von derzeit 62 Euro im Jahr. Allerdings hätte sie hier auch erstmal höhere Investitionskosten.

Dusche: Kleine Investition kann große Wirkung bringen

Viel billiger könnte sie die Dusche umrüsten. Ein kleines Bauteil im Schlauch, kurz unterhalb des Duschkopfes sorgt dafür, dass weniger Wasser durchfließt – nur ungefähr die Hälfte. Mit einer Investition von 4,95 Euro für so einen Durchlaufbegrenzer würde Heike Brauer ihre Warmwasserkosten halbieren, rät Merkel. Minimaler Eingriff, maximale Ersparnis.

Insgesamt liegen die Energiesparmöglichkeiten für Heike Brauer bei mehr als 150 Euro im Jahr. Und das, obwohl sie mit ihrem Verbrauch jetzt schon sehr sparsam ist. Wechselt sie nun auch noch den Stromanbieter, kann sie den anstehenden Energiepreis-Erhöhungen wohl gelassen entgegensehen.

20 Kommentare

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  1. 20.

    Sie meinen sicher KUCHEN ? Den hat in der DDR meine Frau sebst gebacken; besser als vom VEB-Bäcker. So richtig warm bekamen wir es im Wohnzimmer erst mit einem transportablen Automatikofen Typ OHRA 501. Aber nur nach 2 oder 3 Briketts mit einer Tüte BHT-Koks. Tüten wurden aus Illu selbst gemacht mit Tackerkrampen. So 3 kg Koks. Mit Vit. B bekam man den. Ich beherrschte alle Tricks bis zum Rande der Legalität. Man hatte seine Neider, die allerdings zu dumm waren sich etwas Luxus zu erkämpfen. Vieles war damals wirklich Kampf. Heute braucht man nur viel Geld und Beziehungen werden immer wichtiger. Lauf der Zeit.

  2. 19.

    Ist mir jetzt erst in Erinnerung gekommen. Ein Bekannter meiner Eltern arbeitete im Sägewerk. Da fiehlen jede Art von Späne an. Die hatten sich dann einen Späneofen bauen lassen. Der glühte nur so und es war wirklich warm. Draußen 20° minus. Die saßen um den Ofen rum und waren glücklich. Fernsehen gab es nicht und das alte Radio war fast Schrott. Licht brauchten die auch nicht. Der Blechofen glühte hell. Die Not machte erfinderisch. Kommt bestimmt alles wieder.

  3. 18.

    Gott sei Dank, haben die Energiekosten nichts mit der steigenden EEG-Umlage zu tun.
    Und, Gott sei Dank, gibt es Felix der Heike Brauer kennt, an er uns die Welt erklärt.
    Irgendwie aber klingt es "Das Volk hungert? Esst mehr Küchen". Bin gespannt, was alles noch passieren muss, bis das Volk kotzt.

  4. 17.

    In der Wohnung meiner Eltern hing über den unteren Teil der Fenster im Winter stets dafür pröparierte Decken ( doppelt gelegt ) und Aufhänger dran. Sehr wirksam. In unserer ETW investierten wir 3000 € für ein tolles Fenster. Da zieht nix und niemals Kondenswasser innen an den großen Scheiben. Gleiche Optik, gleiche RAL-Farbe aber große Schiebetür. So hochwertig war kein Fenster aller ETW. Einige haben Außenjalousie an den Veluxfenstern. Auch sehr wirksam. Wir werden alle schön Heizkosten nachzahlen müssen. Wurde ja unter anderen Bedingungen im Sommer festgesetzt.

  5. 16.

    Hier muss die Politik schnell handeln. EEG-Umlage und MwSt. für alle runter, Grundsteuer aussetzen. Wir zahlen jetzt schon knapp 400 Euro Nebenkosten für unsere Wohnung, da muss man ran um Wohnraum bezahlbar zu halten!

  6. 15.

    Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit diesen Folien die man ans Fenster klebt für zusätzliche Isolierung. Als Mieter kann ich ja das Haus nicht besser dämmen, aber die Folien helfen etwas. Zugluftritzen habe ich natürlich auch abgedichtet. Ich heize auch nur Räume in denen ich mich tatsächlich aufhalte. So bekomme ich von meinen Abschlagszahlungen einen guten Teil wieder zurück.

  7. 14.

    Wir sind doch nur noch am zahlen. EEG Umlagen u.s.w. Der Staat brüstet sich mit Milliarden Überschuss in den nächsten Jahren. Wie wäre es denn wennndie einfach mal mit den Steuern runtergehen? Mineralölsteuer. Mehrwertsteuer und und .

  8. 13.

    Da geh ich dich lieber in den Wald und klau Holz. Wie nennt man das dann, Selbstverteilung von Staats oder Senatsreserven.
    Ist auch nachhaltig zumindest für mein Leben und das meiner waemeliebenden Familie.

  9. 12.

    Auch ich bekomme immer Schnappatmung, dafür braucht es keine Kohleöfen, wenn ich die Energiepreise sehe und das was der Staat daran verdient.
    Aber jetzt geht es uns ja bald alle besser, da wir einer rosaroten, grüngelben Zukunft entgegen schreiten.

  10. 11.

    Bei den Kohleöfen in Neukölln und Moabit kriege ich immer Atemprobleme auf der Straße.

  11. 10.

    Also bei dem Preissprung sollte Fr. Brauer unbedingt den Anbieter wechseln.
    Ich werde selbst nach deftiger Erhöhung in 2022 immer noch deutlich unter den 31ct liegen die Fr. Brauer bislang bezahlt hat. Wenn ich Grundgebühr mit einrechne liege ich immer noch unter 35ct.
    Bei der Heizung spart man am meisten, wenn man länger arbeiten geht und sich dort wärmt und nur zum schlafen nach Hause kommt. Das freut dann noch den Arbeitgeber.
    Bissel Gemütlichkeit für zu Hause ist aber schon noch erlaubt oder?

  12. 9.

    Na klar wir sparen uns zwar nicht zu tode, stellen aber demnächst Feuertonnen im Hof zum Händewaermen auf. Auch eine Art des nachhaltigen heizens, nur die Wohnung wird dadurch nicht warm und Fackeln ich weiß ja nicht. Vieleicht sollten wir ja uns alle im Rund des Reichstags zusammenkuscheln. Ach ne geht nicht is Corona.
    Wer bis jetzt schon alle Spartips beherzigt hat oder musste ist der Angeschiessene. Hab früher selbst beraten, nuetzr mir heute aber auch nichts, da das Geld dadurch auch nicht mehr wird, nur weil man vom sparen redet wo nichts zum einsparen ist.

  13. 8.

    Als wir noch eine Wohnung mit Ofenheizung hatten fertigte ich selbst passgenaue Aschekästen an und keine Ofentür sah aus wie die auf dem Foto.

  14. 7.

    Früher proklamierte man eine Wohlfühltemperatur so um die 22 ° C. 16 ° ist einfach zu wenig. LED-Umstellung ist längst erfolgt. Die Deckenleuchte in der Küche verbraucht 10 W. Ist aber hell wie benötigt. Abends im Wohnzimmer sind es nur 4 W und oft eben der TV. 40" aber ein teures Spitzengerät. Die Nachttischlampen habe je 3 W Bedarf. Unser Haus ist Baujahr 1996 und isoliert. Habe selbst ein tolles Schiebetürfenster einbauen lassen. Sieht optisch geschlossen gleich aus. Gelüftet wird aber mehr als nur 2 x am Tag. Uns braucht man nicht zu belehren. Wir haben keine Großvilla wie der Nochminister Spahn. Liest der überhaupt bei rbb24 ?

  15. 6.

    Der Artikel schlägt also 20 Stunden 16 Grad und 4 Stunden 20,4 Grad vor. Ich werde es mal ausprobieren.

    Die Wechselunwilligen in den Kommentaren kann ich wenig verstehen. Das hat unsere Kasse um 4-stellige Beträge in 10 Jahren aufgestockt. Bester Deal war ein Gasanbieterwechsel mit einem Bonus von 100 Euro bei einem Jahresverbrauch von 104 Euro. Hihi.

  16. 5.

    Ich habe jährlich Stromverbrauch von unter 700 kWh, mit schon seit Jahren "Ökostrom"-Tarif. Und da geht kaum noch weniger, weswegen ich es toll finden würde wenn da Politik mehr tun würde. Also, dabei soll Windkraftausbau mehr angetrieben werden, und Strom von Windkraft relativ günstig. Aber als Überbrückung wird da jetzt ggf. sogar 2 Jahrzehnte auf "Strom von Gas" und Atomstrom gesetzt, und insb. bei Atomstrom kommt dazu, dass nutzbares Plutionum begrenzt ist, also der Strom da eher noch teurer insb. wenn wie in FR sogar noch Ausbau.

    Und dazu steigender Stromverbrauch, z.B. je E-Auto für 100 km bis zu 20 kWh - bei 664,8 Milliarden km Fahrleistung in DE bedeutet dies bis zu 133 Mrd. kWh - also man da die Produktionskapazität eigentlich locker um Hälfte zu steigern hat wenn man bis 2035 nur E-Mobilität möchte. Und in dem ganzen wäre eben toll wenn es nicht auf Rücken der Ärmsten, mit z.B. in Berlin nicht Jobs für alle und manche in Rente und z.B. auch Kita hat solche Kosten.

  17. 4.

    Auf Ratschläge von irgendeinem ,, Experten" gebe ich schon lange nichts mehr. Ich habe einen Anbieter für Strom und Gas, mit dem ich seit ca. 20 Jahren sehr zufrieden bin. Preiserhöhungen, wenn sie stattfanden, waren mehr als moderat und ich werde den Teufel tun, den Anbieter zu wechseln.

  18. 3.

    ... und wenn wir zu viel sparen werden eben die Priese erhöht damit der Profit stimmt.
    Kennen wir ja schon von den Wasserpreisen.

  19. 2.

    Man kann diese Ratschläge nicht mehr hören. Jeden Tag wird die selbe selbe Kuh durchs Dorf getrieben.
    Ich habe längst oder hatte längst alles was an Ratschlägen hier beschrieben wird ausgeführt.
    Warum bin ich nicht schon längst ein Millionär?
    Vor allem der Tipp mit dem Stromanbieter wechseln geht mir gehörig auf die Ketten.
    Nicht jeder kann mal so eben den Anbieter wechseln. Es ist nicht jeder in der Lage den Jahresbeitrag mit einmal zu bezahlen und auch nicht jeder Anbieter nimmt einen mal eben so einfach. (alles Erfahrungswerte über die Jahre)


  20. 1.

    ...und aus Gerste lässt sich wunderbarer Kaffeeersatz herstellen....verdammt nochmal, runter mit den Energiepreisen auf mittleres europäisches Niveau. Das was im Artikel steht wiederholt sich jedes Jahr und die meisten Leute machen das. Ach ja, einen Pullover mehr anziehen...hat Sarazin gesagt. Dafür wurde ihm Menscheverachtung unterstellt.

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