"eSprinter"-Produktion in Osteuropa - IG Metall befürchtet Jobverluste am Mercedes-Standort in Ludwigsfelde

Fr 23.09.22 | 20:24 Uhr
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Symbolbild: Ein Mercedes-Stern der Mercedes-Benz-Ludwigsfelde GmbH (Quelle: dpa/Soeren Stache)
dpa/Soeren Stache
Video: rbb24 | 23.09.2022 | Bild: dpa/Soeren Stache

Die Mitarbeiter von Mercedes-Benz in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) müssen laut Gewerkschaft IG Metall um ihre Jobs bangen. Der Autobauer will seinen neuen Kleintransporter "eSprinter" offenbar ab 2028 nicht mehr in Brandenburg bauen, sondern in einem neuen Werk in Osteuropa - diese Befürchtungen wurden zumindest am Freitag vonseiten der Gewerkschaft geäußert.

Der Regionalchef der IG Metall, Thomas Kunzmann, sagte rbb24 Antenne Brandenburg am Freitag, dass mit einem solchen Schritt die Zukunft des Standorts Ludwigsfelde mit 2.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern offen sei.

Mercedes Benz: Reduzierung der Stammbelegschaft nicht geplant

Was weiterhin gebaut werde, sei der sogenannte Sprinter 2.0 mit Verbrennungsmotor, sagte Kunzmann. Dieser solle am Standort noch bis zum Ende des Jahrzehnts gebaut werden - allerdings wohl mit zurückgehenden Stückzahlen, so Kunzmann.

Die Zusage sei außerdem, dass man über sogenannte Individualisierungen sprechen könne. Das würde aber weit weniger als die Hälfte der Belegschaft auslasten, so der IG-Metall-Regionalchef. Daher sei die Frage, was mit dem Standort langfristig passiere.

Mercedes-Benz teilte auf rbb-Anfrage mit, dass das Unternehmen aktuell nicht plane, die Stammbelegschaft am Standort Ludwigsfelde zu reduzieren. Vielmehr gehe das Unternehmen davon aus, dass die Nachfrage nach "Sprintern" sowie ab 2024 nach "eSprintern" bis zum Ende des Jahrzehnts eine hohe Auslastung der deutschen Werke sicherstelle. Ob die Produktionsverlagerung tatsächlich geplant ist, blieb offen.

Minister Steinbach: Zusage für andere Muster für Ludwigsfelde

Der Mercedes-Benz-Vorstand für das Ressort Produktion und Beschaffungsmanagement, Jörg Burzer, sagte dem rbb, man sei gerade in der Diskussion, wie man Ludwigsfelde weiterentwickeln könne. Dazu gebe es jetzt Gespräche mit den Gewerkschaften, so Burzer. Auch er gehe davon aus, dass der Standort bis 2030 sehr gut ausgelastet sei. Am kommenden Donnerstag ist bei Mercedes-Benz in Ludwigsfelde eine Belegschaftsversammlung geplant.

Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sagte rbb24 Brandenburg aktuell, die Auslastung des Werks in Ludwigsfelde sei bis 2030 gesichert. Zur weiteren Perspektive des Werks in Brandenburg sagte er: "Aus Stuttgart habe ich ich bisher nur die feste Zusage, dass man sich um entsprechende andere Muster kümmern wird, die dann in Ludwigsfelde gefertigt werden. Der Standort selber soll in jedem Fall so erhalten bleiben."

Umbau des Berliner Mercedes-Werks gestartet

Derweil hat der Konzern mit der Neuausrichtung seines Berliner Werks in Marienfelde begonnen. Der "Mercedes-Benz Digital Factory Campus" wurde am Freitag in der Produktionshalle offiziell eröffnet. Künftig soll das Werk Software für Produktionsstätten des Autobauers weltweit entwickeln, prüfen und implementieren. Zudem wird der Standort Trainings- und Qualifizierungszentrum. Außerdem sollen Elektromotoren gebaut werden. In den nächsten fünf Jahren wird dafür ein dreistelliger Millionenbetrag investiert.

Sendung: rbb24, 23.09.2022, 16:00 Uhr

9 Kommentare

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  1. 9.

    Was konnte die IG Metall vor vielen Jahren im Osten gagen die Börsianer und Politik ausrichten.
    Der Einfluß der Gewerkschaften schwindet mit schwindenden Zahlen der Mitglieder, dies kann man insbesondere in den letzten 25 Jahren. im Vergleich zu vorher, sehr gut beobachten.

  2. 8.

    Mercedes ist beim eSprinter konsequent. Der Gegenwind bei Energiewende und alternativen Antrieben ist hier sehr laut. Warum soll so etwas mit Investitionen in die Zukunft belohnt werden?

  3. 7.

    Immerhin sind es acht Jahre. Wer nicht gerade eine Beamtenlaufbahn einschlägt und seine Arbeitskraft lediglich einem Arbeitgeber zur Verfügung stellt, kann leider keinen Anspruch auf eine Beschäftigung auf Lebenszeit erheben. Umso weniger, je stärker die Branche, in der man beschäftigt ist, wirtschaftlichen Schwankungen unterworfen ist. Auch Selbstständige oder Unternehmer sind nicht in der Lage, zehn Jahre oder sogar noch weiter in die Zukunft sehen. Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen. Das ist fast überall so und eigentlich auch überhaupt nichts Ungewöhnliches.

  4. 5.

    Wenn lesen und verstehen ganz offenbar nicht Ihr Ding zu sein scheint, sollten Sie das Kommentieren hier vielleicht doch lieber sein lassen. Im Gegensatz zur Befürchtung der IG Metall hat Mercedes nach eigenen Angaben eben nicht vor, Arbeitsplätze abzubauen, sondern sagt deren Erhalt sogar ganz eindeutig zu.

  5. 4.

    Ich bin auch so vor vielen Jahren als Beschäftigter bei Börsianer verkauft worden die IG Metall hat große Klappe aber nichts dahinter

  6. 3.

    "Nun macht Mercedes das Werk zu"

    Hä? Wo wollen Sie das denn gelesen haben? Ich würde Ihnen empfehlen, mal den ganzen Artikel und nicht bloß die Überschrift zu lesen, bevor Sie hier so ein dermaßen dummes Zeug schreiben.

  7. 2.

    Es werden bald noch viel mehr Konzerne Deutschland verlassen. Aber das wollen Gewerkschaften, Politik und Bürger ja so.
    Also nicht wundern....

  8. 1.

    Die Gewerkschaft befürchtet einen Stellenabbau und tut gleichzeitig sehr viel dafür, dass die Produktionskosten immer mehr steigen. Dieser Widerspruch in sich ist schon gravierend.

    Nun macht Mercedes das Werk zu - die Mitarbeiter suchen sich was anderes. Mit etwas Flexibilität geht das schon

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