Nach schwieriger Saison 2022 - Bauern-Präsident rechnet mit weniger Spargelanbaufläche in Brandenburg

Do 29.12.22 | 08:20 Uhr
  21
Die Planen auf dem Spargelfeld des Spargelhof Kutzleben werden mit einem Traktor vom Feld geholt. (Quelle: dpa/Martin Schutt)
Audio: rbb24 Inforadio | 29.12.2022 | Henrik Wendorff | Bild: dpa/Martin Schutt

Im kommenden Jahr könnte es in Brandenburg deutlich weniger Anbauflächen für Spargel geben als zuletzt. Gestiegene Kosten und eine lahmende Nachfrage haben im vergangenen Jahr die Spargelhöfe belastet.

  • Bauern-Präsident weniger Anbaufläche für Spargel
  • Ertrag und Nachfrage lagen 2022 so niedrig wie seit Jahren nicht
  • Produktionskosten deutlich gestiegen

Der Brandenburger Bauernverbandspräsident Henrik Wendorff rechnet nach einer mauen Spargel-Saison 2022 damit, dass in Brandenburg im kommenden Jahr etwas weniger des Gemüses angebaut wird. "Wir haben schon Signale, dass die Spargel-Anbaufläche zurückgeht", sagte Wendorff der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. "Das hängt sicherlich damit zusammen, dass der Absatz im Jahr 2022 aus unterschiedlichsten Gründen nicht der einfachste war, und mit der Explosion der Produktionskosten."

Spürbare Kaufzurückhaltung

Die Spargelernte 2022 fiel nach Angaben aus dem Sommer mit 18.100 Tonnen so niedrig wie seit dem Jahr 2015 nicht mehr aus. Die Anbaufläche lag bei rund 3.800 Hektar.

Die Brandenburger Spargelbauern klagten auch über eine schlechte Verkaufssaison. Kaufzurückhaltung in Folge des Ukraine-Krieges und der wirtschaftlichen Unsicherheit sei zu spüren gewesen, hieß es. Konkurenz machen den einheimischen Spargelbauern zudem günstigere Produkte aus dem Ausland. Der Vorsitzende des Beelitzer Spargelvereins, Jürgen Jakobs, hatte im Sommer gesagt, eine deutliche Verkleinerung der Anbauflächen sei im Gespräch.

Der Verband der Ostdeutschen Spargel- und Beerenobstanbauer kann derweil nur eine vorsichtige Einschätzung für 2023 geben. Die Anbaufläche könnte um die zehn Prozent abnehmen, hieß es. Eine seriöse Prognose sei derzeit aber nicht möglich. "Gründe für Flächenreduktionen können sehr vielfältig sein, am Ende zählt einzig und allein die Wirtschaftlichkeit des Anbaus", teilte Verbands-Geschäftsführer Frank Saalfeld mit.

Weniger Fläche muss nicht weniger Ertrag bedeuten

Eine geringere Anbaufläche muss jedoch nicht automatisch die Ernte und das Spargel-Angebot schmälern. In Niedersachsen etwa gab es 2022 mehr Ertrag auf weniger Fläche als im Jahr zuvor.

Bauern-Präsident Wendorff erwartet jedoch, dass Kunden möglicherweise weitere Wege haben, um brandenburgischen Spargel zu kaufen. "Vielleicht wird da nicht mehr an jeder Ecke ein Spargel-Verkaufswagen, so wie man es kennt, stehen." Brandenburg gilt als Ostdeutschlands größtes Spargelanbaugebiet.

Sendung: rbb24 Inforadio, 29.12.2022, 09:00 Uhr

21 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 21.

    Wenn du dir kein Brot mehr leisten kannst, iss Spargel.

  2. 20.

    Wo sind eigentlich die immer aktiven Bürgerinitiativen und Klimaschützer, "
    Die haben halt nen Doppelnutzen:
    Wenn sie was tun wird gemeckert was das Zeug hält
    und
    wenn sie einmal nichts tun wird auch gemeckert.
    Da hilft eigentlich nur eins: Selbst aktiv werden.

  3. 19.

    Viel zu schwere Traktoren und Landmaschinen verdichten die Böden und machen die Böden Knochenhart. Spargel/Monokulturen sind einfach schlecht für unsere Brandenburger Landschaft.

  4. 18.

    @ 10 & @ 11, super. Das Thema Spargelanbau lässt sich halt schwer in die gebotene Zeichenzahl pressen.
    Aber Ihre Sicht teile ich selbstredend und Heidekind bekommt noch einen Superpreis. Denn ich bin mal durch solch eine Landschaft mit einem Reisebus gefahren. Schwarze Folien überall in der Landschaft. Nun, ja, da braucht man sich nicht zu wundern, dass kein Insekt mehr herumschwirrt und kein noch so kleiner Piepmatz "trällert". Armselig. Dazu noch die "Bodenbehandlung" - Kein Wunder, dass da jemand aufkreuzt und sagt, ist so wie so nichts "wert", .... Wir werden uns noch wundern, wohin derart Denk- & Handlungsweisen führen. Der Verbraucher kann dieses Mal mit entscheiden: Ich kaufe überhaupt keinen Spargel - Ende!

  5. 17.

    Kann mir nicht vorstellen, das riesige Folienfelder in der Landschaft, gut für unsere Artenvielfalt und unser Klima/Natur/Umwelt sind ?

  6. 16.

    Dann können ja, nicht mehr gebrauchte Anbauflächen in Brandenburg, endlich der Natur wieder zurückgegeben werden und endlich wieder aufgeforstet werden oder wieder vernässt werden.
    Gute Sache : weniger Spargel und trockene Böden und dafür wieder mehr Natur.

  7. 15.

    Bei Tesla wird um ein paar hundert Hektar Fläche, für Zigtausende Mitarbeiter:innen gestritten und demonstriert.
    Hier werden tausende Hektar Fläche verbraucht und Böden ausgelaugt und Unmengen an Wasser verbraucht.
    Aber Flächen an der Vielspurigen A10 sind in Brandenburg wahrscheinlich schützenswerter, als Flächen abseits von Autobahnen und Bundesstraßen ?

  8. 14.

    Und nicht zu vergessen der unsinnige Flächenverbrauch von ca. 4000 Hektar, Überdüngung, Folien, unzureichender Natur-und Tierschutz, hoher Wasserverbrauch, usw.
    Aber egal - Hauptsache die Kohle für ein paar Bauern stimmt.
    Und wenn gar nichts mehr geht - Solarfelder und Windparks laufen immer auf trockenen Aclerböden.

  9. 13.

    Wo sind eigentlich die immer aktiven Bürgerinitiativen und Klimaschützer, beim Kampf gegen Flächenfrass und Austrocknung, durch Landwirtschaftliche Monokulturen in Brandenburg ??
    Verbrauch, Vergiftung und Austrocknung riesiger Flächen und im Gegensatz dazu, kaum Schaffung neuer und moderner Arbeitsplätze.

  10. 12.

    Der Hype um das sog. Edel(!)gemüse scheint dann doch nicht so wirkungsvoll zu sein, wie man glaubt(e). Sicher hat das BL Bbg die geeigneten Böden, um Spargel im großen Stil anzubauen. Aber machen wir uns nichts vor, es ist eben auch aufwändig! Gar keine Frage. Und wenn sich die sog. Wirtschaft mit der Bezahlung auch höher Qualifizierter vornehm zurückhält, dann muss sie damit rechnen, dass eines Tages das Gros der Käufer ausfällt. So sehe ich das. Und, das haben wir 2022 alle gelernt, man muss auch verzichten können. Tut schon richtig weh, aber der Letzte kann keine Kosten durchreichen. Dann eher sich an die Chefetagen wenden, und diese zum Spargelkauf zu bewegen. Scherz! Hinzu kommt, dass, wenn auch Gaststätten mit schlechter Zubereitung (Sp. kalt) bei hoher Rechnung 'glänzen', trägt das auch nicht gerade zum "Möcht-ich-gern-mal-essen" bei. Eigentl. sehr einfach.

  11. 11.

    Spargel zieht meines Wissens nach, Unmengen an Wasser aus dem Boden, dazu benötigt Spargel hohe Mengen an Nährstoffen-also auch sehr viel umwelbelastenden Dünger.
    Die Landwirtschaft sollte endlich kleinteiliger und abwechslungsreicher werden, dazu mehr Windschutzhecken, Bäume und Sträucher- also endlich weg von diesen Katastrophalen Monokulturen, die unsere Böden auslaugen/austrocknen und unsere Landschaften nachhaltig zerstören, Viele Grüße.

  12. 10.

    ""Gründe für Flächenreduktionen können sehr vielfältig sein, am Ende zählt einzig und allein die Wirtschaftlichkeit des Anbaus"" Nett umschrieben für "einfach und schnell Kohle machen" - mein Mitleid hält sich in sehr überschaubaren Grenzen.

  13. 9.

    Ja !!! Die Anbaufläche sollte noch viel deutlicher zurückgehen. Der Spargel trocknet ganze Landschaften aus, genauso wie andere Monokulturen unserer einseitigen Agrarindustrie.
    Hektar um Hektar unter Folien, dazu kaum langfristige und gut bezahlte Arbeitsplätze.
    Die Industrie in Brandenburg wird bekämpft und beschimpft, aber tausende Hektar Monokulturen sind vollkommen in Ordnung, da spielen Wasser und die Vergiftung unserer Böden, Flüsse und Seen, überhaupt keine Rolle.

  14. 8.

    Spargel ist eben auch eine Sache des Geschmacks.
    Ich ziehe die Schwarzwurzel dem Spargel vor.

  15. 7.

    Verringerung der Flächen ist gut für die Region und Umwelt. Es muss weniger Wasser aus Tiefenbrunnen mittels Dieselpumpen für die Bewässerung gepumpt werden. Auch wird weniger Feinstaub und CO2 emittiert. Des Weiteren verringert sich der Pestiziteintrag und die Monokultur im Landschaftschutzgebiet der Region Beelitz.

  16. 6.

    Welcher Spargelbauer will und kann schon den neuen Mindestlohn bezahlen. Und wenn er es dann doch tut, müssen die erhöhten Kosten auf den Spargel umgelegt werden. Ergo der Spargel wird weniger nachgefragt/gekauft. Also warum nicht gleich weniger anbauen. Vielleicht reichen dann die freien Flächen sogar für dass eine oder andere Windrad in der Region, soll doch sowieso alles nachhaltig und erneuerbar werden.

  17. 5.

    Ja stimmt, 2x Klugschwätztet...reicht vollkommen - Hauptsache, Sie haben deutlich gemacht, dass Sie aus Berlin kommen kommen. Die Berliner könne ja alles viel besser als der Rest der Welt.

  18. 4.

    Hanf ist der neue Spargel,es wird doch schon mit den Hufen gescharrt,bis es endlich losgehen kann.

  19. 3.

    Find ich nicht so schlimm. Der Spargelverbrauch ist dank der hohen Preise sowieso rückläufig

  20. 2.

    @rbb24 Bitte berichtigen:Spürbare Kaufzurückhaltung,1.Satz:
    niederig gibt es nicht, nur niedrig
    2×melden sollte genügen!

  21. 1.

    Der Spargelbauer weiß am besten, wie er den Boden am optimalsten nutzt, incl. Ruhephasen. Schwankungen im Ertrag über die Jahre inbegriffen.

Nächster Artikel