Noch 60 freie Plätze - Berliner Ausbildungshotels suchen Azubis

Archivbild: Elke Breitenbach (r, Die Linke), Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, spricht mit den Auszubildenden Diallo (l-r, 29), Dario (21) und Yagmur (29) in der Küche im Abacus Tierpark Hotel. Das Pilotprojekt "Ausbildungshotel" startete im November 2020 für Azubis, die wegen der Corona-Krise ihre Ausbildung nicht starten oder fortsetzen konnten. (Quelle: dpa/A. Riedl)
Bild: dpa/A. Riedl

Viele junge Menschen in Berlin haben in der Corona-Zeit ihre Lehrstellen im Hotel- und Gastgewerbe verloren oder die Ausbildung unterbrechen müssen. Um Abhilfe zu schaffen, hat der Senat ein Pilotprojekt geschaffen, bei dem Betroffene ihre Lehre in zwei Ausbildungshotels weiterführen oder neu beginnen können - und das seit dem Frühjahr trotz der Corona-Maßnahmen. Ausbildungen zu den Berufen Koch/Köchin, Hotelfachfrau/-fachmann, Restaurantfachfrau/-fachmann, Fachkraft im Gastgewerbe und Hauswirtschafter/-in sind möglich.

Bislang hält sich die Nachfrage aber in Grenzen: Es hätten sich nur 37 Bewerber und Bewerberinnen für die insgesamt 100 Plätze im Programm angemeldet, sagte Projektkoordinator Marcus Striek. Bewerbungen sind per E-Mail möglich [inab-jugend.de]. Die Beteiligten ziehen bisher ein positives Fazit. "Das Modellprojekt des Senats ist ein großer Glücksfall für uns und unsere Azubis", sagte Karen Friedel, Direktorin des Abacus-Hotels am Tierpark in Lichtenberg am Mittwoch.

Der praktische Teil der Ausbildungen findet entweder dort oder in den Albrechtshof Hotels statt. Durch das Modellprojekt sind die Betriebe finanziell vom Senat abgesichert - selbst wenn neue Corona-Maßnahmen das Gastgewerbe einschränken sollten.

In vielen Betrieben konnten Azubis nichts Praktisches mehr lernen

Angelina Klante ist eine von 37 Auszubildenden, die am Modellprojekt teilnehmen. Die 19-Jährige ist eigentlich in einem Hotel am Kurfürstendamm als angehende Restaurantfachfrau angestellt, doch durch die Pandemie musste sie in Kurzarbeit wechseln. Ihre Chefin habe ihr dann von dem Programm erzählt. "Ich war sofort begeistert. Hier lerne ich mehr, zum Beispiel das Flambieren oder Filetieren", sagt Angelina Klante .

Doch trotz zufriedener Auszubildender sind noch nicht einmal die Hälfte der Plätze vergeben. "Wir müssen leider feststellen, dass nicht alle Betriebe im Hotel- und Gaststättenbereich diese Chance hier genutzt haben", sagte Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke). "Ich befürchte, dass es auch Unternehmen gab, die gesagt haben: Okay, wir schicken alle in die Kurzarbeit und die Auszubildenden dazu." Das sei ein Fehler, weil diese Auszubildenden Zeit verloren hätten.

Modellprojekt für knapp drei Jahre geplant

Der Ansicht ist auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. "In den allerwenigsten Betrieben konnte im Hotel- und Gaststättengewerbe in den letzten Monaten tatsächlich auch eine Ausbildung stattfinden", sagte Geschäftsführer Sebastian Riesner. "Wir hätten uns gewünscht, dass wir überrollt worden wären, dass viel mehr junge Menschen in diese Auffanglösung reingekommen wären."

Das Projekt hat eine Laufzeit von zunächst 33 Monaten und wird von der Senatsverwaltung für Arbeit finanziert. Laut Senatorin Breitenbach sind dafür bis zu 2,7 Millionen Euro eingeplant.

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6 Kommentare

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  1. 6.

    Es ist ein wirklich schöner Beruf. Kreativ, fordernd und abwechslungsreich.
    Aber auch nur Mindestlohn, in Saisonregionen höchstens einen Tag in der Woche frei, natürlich nicht am Wochenende. Dazu unverschämte Arbeitszeiten und Überstunden ohne Ende. 10 Stunden stehend oder laufend und in Coronazeiten im Idealfall 60% vom Mindestlohn. Viele wurden einfach entlassen.
    Wer das einige Zeit mitgemacht hat, verlässt häufig die Branche.
    Gerechter Lohn setzt aber auch eine vernünftige Kalkulation voraus und die bedeutet angemessene Preise. Und hier kommt der Gast ins Spiel, wir müssen das auch unbedingt bezahlen und nicht meckern!

  2. 5.

    Falsch gedacht. Ich habe meiner Frau eine Haarschneideschine mit Akku gekauft. Sie schneidet meine Haare schon 20 oder 30 Jahre. Mit Schere..und Kamm natürlich. Das dauerte. Nun ist sie viel schneller fertig. Sie ist ein Universaltalent; kann auch gut nähen. Nur kein Neid. :=))

  3. 4.

    Diese Ausbildungsstellen werden wohl nur von Menschen besetzt, die dazu gezwungen werden. Durch Jobcenter, Ausländerbehörden ect. Niemand tut sich den miesen Job für das bisschen Geld freiwillig an. Die jungen Leute tun mir jetzt schon leid und die Abbrecherquote ist nicht ohne Grund sehr hoch.
    Gebt den jungen Leute doch bitte Ausbildungen, die auch Zukunftschancen haben. Wo sie am Ende einen Job finden, der wirklich eine Familie ernähren kann und bei dem sie nicht ein Leben lang aufstocken müssen. Niemand benötigt so viele billige Fastfoodrestaurants.

  4. 3.

    Und die Frauen schneiden sich dann alle selbst die Haare auf 5mm? Oder was soll die Frau lernen? Nur weil sie keine Haare mehr haben und Friseur als sinnlos betrachten, muss Frau das nicht auch.

  5. 2.

    Es wäre ein großer Glücksfall wenn alle Ausbildungsstellen besetzt würden. Es gibt viel lukrativere Angebote in techn. Berufen. In einem Familienbetrieb -im Gaststättengewerbe-könnte es etwas anders aussehen. Ein anderes Beispiel ist das Frisörgewerbe. Viele Beschäftigte auch mit langer Praxis haben ihren Beruf aufgegeben. Es gibt allerdings im Handel ganz tolle Akkuhaarschneider. Die Männer sollten ihrer Fau ein schönes Geschenk machen. Es ist so einfach damit zu arbeiten. Frauen lernen schnell und alle sparen.

  6. 1.

    Rauer Ton, Ausnutzung und permanent zu viele Überstunden, ca 70 die Woche, laut Umfrage des DGB.

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