Wahl am 16. Juni - Beschäftigten-Vertreter kritisieren Suche für rbb-Intendanz

Di 06.06.23 | 15:54 Uhr
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Das Gebäude der RBB in Berlin am 30. April 2023.(Quelle:imago images/E.Contini)
Bild: imago images/E.Contini

In Reaktion auf die Verkündung der Kandidaten für die rbb-Intendantinnenwahl hat die Personalvertretung des Senders Kritik am Verfahren geübt. Dabei richtet sich der Einspruch der Beschäftigtenvertreter gegen den Ausschluss eines Kandidaten.

Die Beschäftigtenvertretung des rbb hat den Auswahlprozess der Kandidaten für die anstehende neue Intendanz des Senders kritisiert.

Die Vertreter von Personalrat und Freienvertretung in der rbb-Findungskommission richten sich dabei gegen das Vorgehen der Findungskommission für die Kandidaten. Dem Rundfunkrat seien nicht alle geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten vorgestellt worden, so der Vorwurf. Anders als in der Pressemitteilung vom Montag dargestellt, sei die Auswahl von drei Kandidatinnen keineswegs einvernehmlich gewesen.

Der Rundfunkrat hatte die Findungskommission eingesetzt. Auf diesem Weg sollte die am besten geeignete Person für die höchste Leitungsfunktion im rbb gefunden werden. Der Rundfunkrat habe dabei den Wunsch geäußert, diese Führungskraft aus mehreren geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern aussuchen zu dürfen.

Personalrat: Geeigneter Kandidat als zu teuer aussortiert

Nach Einschätzung des Personalrats endete die angekündigte Transparenz allerdings dann vor einigen Tagen, als der Vorsitzende des Verwaltungsrats eine absolute Gehaltsobergrenze als Ausschlusskriterium für die Kandidaten vorgegeben habe. Dies, so der Personalrat, sei ein Thema, das bis dahin im Ausschreibungs- und Auswahlverfahren keine Rolle gespielt habe.

Auch habe es dazu im Verwaltungsrat keinen Beschluss gegeben. Konsequenz dieser eigenmächtigen Vorgabe sei nun, dass der nach Meinung des Personalrats qualifizierteste Bewerber von der Kandidatenliste verschwunden sei, da er die Bedingungen nicht akzeptiert habe. Er erscheine Teilen des Gremiums als "zu teuer".

Seine Qualifikation als profilierter Programm-Macher und Manager spiele dabei leider keine Rolle, so der Personalrat. Damit würden dem Rundfunkrat entgegen des ausdrücklichen Votums der Personalvertreterinnen in der Findungskommission nun nicht alle geeigneten Bewerberinnen und Bewerber vorgestellt.

In der Findungskommission sind je eine Vertreterin des rbb-Personalrats und der Freienvertretung.

Forderungen nach Chance für eine Vorstellung für den abgelehnten Kandidaten

Die Bezahlung von Spitzenpositionen im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk gehöre auf den Prüfstand, so der Personalrat. Dieser Prozess sei im rbb auch angestoßen worden und müsse in den nächsten Jahren konsequent weitergeführt werden. Es sei jedoch weder Aufgabe noch Auftrag der Findungskommission, über die Höhe der Vergütung der obersten Führungskraft im rbb zu entscheiden.

Der Rundfunkrat wählt die Intendantin oder den Intendanten. Aufgabe des Verwaltungsrats ist es, anschließend den entsprechenden Vertrag zu verhandeln. Die jetzt von Teilen der Findungskommission gefällte Entscheidung entspreche nicht den Regularien, kritisierten die Personalvertetungen. Dem Rundfunkrat werde das Heft des Handelns aus der Hand genommen.

Die Aufgabe der Findungskommission ist es, Kandidatinnen und Kandidaten zu benennen, die in der Lage sind, den rbb aus der - nicht nur finanziellen - Krise herauszuführen, dabei die Belegschaft mitzunehmen und neue, zukunftsträchtige Programmvisionen zu entwickeln. Der Personalrat missbilligte das gewählte Vorgehen und forderte weiterhin, dass der ausgeschiedene Kandidat sich dem Rundfunkrat vorstellen könne.

Intendatin Vernau: "Bereitschaft, Sender weiterhin zu führen, ist bekannt"

Inzwischen gibt es auch eine Stellungnahme der amtierenden rbb-Intendantin Katrin Vernau zum Stand des Wahlverfahrens: "Es kann niemanden verwundern, dass mein Name auf der nun veröffentlichten Liste fehlt, ich habe mich an dem Bewerbungsverfahren nicht beteiligt. Das war kein Votum gegen den rbb. Meine Bereitschaft, den Sender weiterhin zu führen, ist seit Februar bekannt, sie besteht weiterhin. Es liegt nun an den Gremien, zu entscheiden. Ich werde dazu keine weiteren Kommentare abgeben, das gebietet schon der Respekt vor den neuen Kandidatinnen. Selbstverständlich werde ich in jedem Fall meinen Aufgaben, meiner Verantwortung und meinen Pflichten dem rbb gegenüber bis zu meinem letzten Arbeitstag gerecht werden - mit dem gewohnten Engagement und mit Freude."

Sendung: rbb24 Inforadio, 06.06.2023, 15:20 Uhr

13 Kommentare

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  1. 13.

    Seh ich auch so, da ist die Quote eher Ausgrenzung von den Herren. Aber es ist wieder so dass zum großen Teil wieder der tiefe Westen bestimmt was im Osten passieren soll, so auch die Herkunft der Kandidatinnen (2:1). Warum wird der GEZ-Zahler nicht zur Wahl zugelassen, schließlich ist es unser Sendegebiet und die Historie im Osten wird bereits vom RBB eingedampft medial. Der MDR ist da näher am Thema

  2. 12.

    Dieser Aussage kann man durchaus zustimmen.
    Und das hat nix damit zutun, daß es sich um eine Frau handelt.

  3. 11.

    Sie sollten hier keine Verschwörungstheorien verbreiten, die Sie nicht belegen können. Blick ins Grundgesetz könnte helfen.

  4. 10.

    "Alles nur Frauen" - ist schon traurig, dass das kommentiert wird. Wären die drei Kandidat:innen drei Männer gewesen, wäre das mit keiner Silbe kommentiert worden...

  5. 9.

    Florian, jetzt mal unter uns Gebetsschwestern: Das was der rbb hier seit über einem Jahr betreibt ist beispiellos und zeigt deutlich den Willen des Senders und der Mitarbeiter*innen sich erneuern zu wollen. Alleine die Tatsache, dass du im rbb seit über einem Jahr offen und transparent von den Problemen des rbb liest, zeigt doch eindeutig, dass die Aufarbeitung sehr ernst genommen wird. Wenn du die Kritik nicht verstehen kannst, okay, aber alleine das darüber berichtet wird!

  6. 8.

    Das fie Interims Intendantin nicht berücksichtigt wurde hat Sie sich selbst zuzuschreiben. Jedes Kind weiß das ich für einen Job eine Bewerbung sbgeben muss. Nicht nur Interesse bekunden.

    Das die Findungskommission aufs Geld axhtet dinde ich gut. Das Frauen unter Wert bezahlt werden nicht.

  7. 7.

    Das Ganze entwickelt sich zu einem weiteren Sargnagel des rbb. Denn es wirkt mehr als intransparent wie die Kandidaten zu Stande gekommen sind, dann alles nur Frauen, da bleibt die Frage nach der Gleichbehandlung, dann ist auf einmal eine Gehaltsobergrenze, was im Grunde nicht schlecht ist, da, wirkt wie das eine Lage möchte das andere Lager ausbremsen.
    Unterm Strich betreibt der rbb seit fast einem Jahr schlechte Aufarbeitung und Kommunikation in eigene Sache.

  8. 6.

    Es wäre interessant, zu wissen, wer der ausgeschlossene Kandidat ist. Und ich vermute, dass die "Regierungssprecherin" den Posten bekommt, die vermutlich die meiste Übung darin besitzt, den Sender auf Regierungslinie zu bringen/zu halten. Nur das zählt....

  9. 5.

    Ich stimme Ihnen zu. Wobei ich keinerlei Erwartungen mehr an diesen Selbstbedienungsladen habe, augenscheinlich im Gegensatz zu Frau Vernau, die für die Umdekorierung eines Nischensenders, der höhere Anwaltskosten angesammelt als tägliche Zuschauer hat, auch noch unaufgefordert Schulterklopfer möchte. Das exorbitante Gehalt reicht ja noch nicht.

  10. 4.

    Braucht so ein Sender überhaupt noch eine Intendanz? Eine basisdemokratischere Umstrukturierung wäre nach den finanziellen Eskapaden durchaus angesagt. Redaktionell inhaltlich muss man auch weniger obrigkeitshörig werden.

  11. 3.

    ... bevor man über die Auswahl von Kandidatinnen und Kandidaten nachdenkt und spricht, sollte man (als hoffentlich aufgeklärte Bürgerin und aufgeklärter Bürger in einer Demokratie)zunächst eine andere Frage stellen: Die Frage nach den Kompetenzen und Erfahrungen von Mitgliedern jedweder Gremien in Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft, ÖRR etc. (z.B. mit Zahlen hinterlegte bisherige Budget- und Personalverantwortung, nachweisbare Erfolge als Führungskraft bei notwendigen Veränderungsprozessen in großen Organisationen, Wertschätzung durch die betroffenen Beschäftigten, institutionelle und politische Unabhängigkeit, etc.) - wobei man notwendige und hinreichende Fakten und Details zu Gremienmitgliedern auf den WWW-Seiten einer Organisation erwarten kann, um sich selbst ein Bild der Qualität von Gremienentscheidungen machen zu können.

  12. 2.

    Also mich verwundert es schon, dass Frau Vernaus Name nicht auf der Liste steht.
    Wenn man eine Stelle haben möchte, dann muss man sich doch dafür bewerben.
    Zu sagen, es sei ja bekannt, dass man die Stelle möchte, finde ich da etwas dünn.

    Hofft sie, dass jemand anderes sie quasi vorschlägt und als Bewerberin dann mit auf die Liste setzt?
    Oder denkt sie, als Interims-Intendantin müsse sie sich gar nicht offiziell bewerben im Gegensatz zu allen Nicht-Interims-Intendantinnen?
    Oder hält sie es für ungerecht, dass die Stelle überhaupt ausgeschrieben wird und nicht automatisch an sie geht?
    Oder will man sie gar nicht auf dieser Liste stehen haben?
    Oder ist sie auch zu teuer?

    Schade, dass sie keinen weiteren Kommentar dazu abgeben möchte.
    Als Außenstehender ist mir ihr Vorgehen zu intransparent, immerhin geht es hier um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, da ist ein etwas höheres Bürgerinteresse legitim.

  13. 1.

    Mir scheint keine der drei Kandidatinnen geeignet zu sein.
    Eine arbeitet immerhin bei der ARD. Okay. Gut so.
    Eine kommt von Vodafone.
    Eine war bis vorletztes Jahr stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung.
    Und Einer?
    Fehlanzeige.
    Mir kann zwar jeder erzählen, dass die drei am besten Qualifizierten weiblich sind, ich glaube es aber nicht, da weder die Tätigkeit beim Telefonanbieter noch das Wirken als Regierungssprecherin etwas mit Radio- oder Fernsehmachen zu tun hat.
    Männer - zu ungeschickt, um einen Sender zu leiten?
    Für mich ist das schlicht männerfeindlich.

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