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Quelle: dpa/Marcus Brandt

Finanzierungslücke

Leiterin befürchtet Aus für Caritas-Krankenwohnung in Berlin-Mitte

Die Caritas-Krankenwohnung in Berlin-Mitte fürchtet den Worten ihrer Leiterin Bianca Rossa zufolge um ihren Fortbestand, falls das Land in den kommenden Jahren nicht mehr Geld bereitstellt. So äußerte sich Rossa am Montag im Gesundheitsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Die Einrichtung in der Turmstraße in Moabit behandelt wohnungslose Menschen ohne Krankenversicherung.

Das Land hatte die Caritas-Krankenwohnung zuletzt mit 1,1 Millionen Euro jährlich unterstützt. Die tatsächlichen Ausgaben der Krankenwohnungen betrugen jedoch 1,29 Millionen Euro pro Jahr, sagte Rossa. Diese Lücke sei durch Restmittel im Haushalt geschlossen worden. Wegen nun steigender Personal-und Sachkosten ergebe sich im kommenden Jahr allerdings ein deutlich höheres Defizit von 355.000 Euro. Man gehe davon aus, dass diese Kosten nicht mehr durch Restmittel finanziert werden können. "Ich weiß nicht, wie der Fortbestand der Einrichtungen mit diesen Lücken funktionieren soll", so Rossa. Das Personal erwäge bereits, sich anderswo sicherere Jobs zu suchen. Rossa fordert deshalb Zuwendungen von 1,4 Millionen Euro vom Land und eine langfristige Finanzierung.

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"Wir müssen sehr viele Menschen ablehnen"

Die Caritas-Krankenwohnung auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit gibt es seit fünf Jahren. In 20 Betten werden teils schwerstkranke Menschen rund um die Uhr behandelt, die zum Beispiel Dialyse benötigen, Amputationen hinter sich haben oder im Rollstuhl sitzen. Fünf Betten sind für Palliativmedizin und Sterbebegleitung vorgesehen. Ein Team aus Pflegefachkräften, Hilfskräften, einer Sozialarbeiterin sowie ehrenamtlich tätigen Ärztinnen und Ärzten betreut die Wohnungslosen. Das Projekt ist einzigartig in Berlin.

Die Menschen würden zunehmend schwerer erkranken, sagte Rossa. "Unsere Nachfrage ist enorm, wir müssen sehr viele Menschen ablehnen." Der eigentliche Bedarf liege bei etwa 30 Betten. Erschwerend komme hinzu, dass es bei der sozialen Wohnhilfe so lange Wartezeiten gebe, dass in der Krankenwohnung ein Rückstau entstehe. Dort sei zum Beispiel ein Patient seit Juli untergebracht, für den es noch immer kein freies Zimmer gebe, so Rossa.

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Gesundheitssenatorin kritisiert Obdachlosenversorgung

In der Vergangenheit konnte das Projekt der Caritas den Verantwortlichen zufolge mehr als 50 Prozent ihrer Patienten in langfristigen Projekten unterbringen. In der Regel würden die Menschen nach vier bis acht Wochen entlassen, "alle gehen mit einem verbesserten Allgemeinzustand hinaus", erklärte die Leiterin des Projektes.

Die Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) sprach am Montag von extremen Herausforderungen und Dysfunktionalität "an etlichen Stellen" bei der Obdachlosenversorgung in der Stadt. Sie betonte aber, dass der Doppelhaushalt 2024/2025 für das Ressort Gesundheit insgesamt mehr Geld vorsehe als in den letzten Jahren. Außerdem seien in diesem Jahr mehrere Millionen in die Clearingstelle für nicht krankenversicherte Menschen geflossen, die unter anderem versucht, betroffene Menschen zurück in die Regelversorgung zu vermitteln. Konkrete Zusagen an die Caritas-Krankenwohnung machte sie nicht.

Sendung: rbb24 Abendschau, 04.12.2023, 19:30 Uhr

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