Elternvertretung - Rückkehr zum Regelunterricht spaltet Berliner Eltern

Ein Schüler steht mit Schulranzen über den Schulhof einer Grundschule in Prenzlauer Berg, Archivbild (Quelle: DPA/Annette Riedl)
Bild: DPA/Annette Riedl

Durch die Berliner Elternschaft geht beim Thema Schulunterricht in der Corona-Pandemie ein tiefer Riss.

"Wir haben auf der einen Seite die, die gerade laut unterwegs sind und die sich für ihre Kinder die Rückkehr zur 'Normalität' wünschen, vor allem mit mehr Unterricht und mehr sozialen Kontakten", sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, der Nachrichtenagentur DPA am Pfingstmontag. Sie wünschten sich, mit dem Wechselunterricht noch vor den Ferien Schluss zu machen.

"Auf der anderen Seite haben wir die Eltern, die sich die schulbezogenen Altersgruppen anschauen, wo die Inzidenzen noch deutlich höher sind als im Durchschnitt." Bei ihnen dominiere die Sorge, ihre Kinder könnten sich in der Schule mit dem Virus infizieren. "Wir haben deshalb keine Positionierung zu der Frage Wechselunterricht oder Regelbetrieb", so der Elternvertreter.

Initiative fordert sofortige Rückkehr zum Regelbetrieb

Bildungssenatorin Scheeres hat sich dafür ausgesprochen, bis zum neuen Schuljahr weiter zu machen wie bisher und dabei unter anderem Unterstützung von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) bekommen.

Elternvertreter Heise sagte, eine offene Frage sei, woran man eine Rückkehr zum Regelunterricht festmachen solle. "An einer Inzidenz von 50? Also wie bei der Bundes-Notbremse: Fünf Tage unter 50 bedeutet Regelbetrieb? Und was machen wir, wenn die Zahl dann wieder steigt? Bleibt man im Regelbetrieb oder geht man wieder raus?" Beim Wechselunterricht bis zu den Ferien gebe es zumindest eine gewisse Planbarkeit. "Wobei viele Eltern, die sich an uns gewandt haben, auch an ihrer Belastungsgrenze sind, was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Schule betrifft."

Die "Initiative Familien" fordert entsprechend eine sofortige Rückkehr zum Regelbetrieb an Schulen und kündigte für diese Woche gleich drei Demonstrationen vor dem Roten Rathaus an: Am Pfingstmontag, am Dienstag (25. Mai) und am Samstag (29. Mai).

Sendung: Abendschau, 24.05.2021, 19:30 Uhr

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21 Kommentare

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  1. 21.

    Ich habe absolut nichts gegen die Tests und habe nachweislich auch nicht behauptet, sie seien unwichtig. :-)))
    Die Schule teilt nur eben mit, man habe seit dem 26. April ca. 2800 Tests durchgeführt, und von diesen seien drei positiv gewesen.
    Das scheint mir als Laien ein außerordentljch niedriger Wert (3 von 2800, also knapp ein Tausendstel).
    Sollten Virologen oder Epidemiologen darin umgekehrt einen außerordentlich hohen und besorgniserregenden Wert sehen, lasse ich mich jederzeit gern belehren. Das meine ich ernst! :-)

  2. 20.

    Danke, sehe es genauso!
    An einer Grundschule (ca. 380 Schüler) waren es seit der Testpflicht (19.04.) 11 Schüler mit positivem PCR-Test bestätigt und 2 negativ.
    Wäre evtl. ziemlich "schlimm" geworden, wären diese nicht entdeckt worden!

  3. 19.

    Das heißt, dass von den ca. 350 Kindern an ihrer Schule drei Kinder allein im letzten Monat infiziert waren.

    Ich finde das viel. Ohne die Tests wären sie, da möglicherweise symptomlos, nicht identifiziert worden und hätten ggf. in ihrer Umgebung angesteckt, die empfindlicher sind. Das zeigt doch, wie wichtig die Tests sind.

  4. 18.

    Das heißt, dass von den ca. 350 Kindern an ihrer Schule drei Kinder allein im letzten Monat infiziert waren.

    Ich finde das viel. Ohne die Tests wären sie, da möglicherweise symptomlos, nicht identifiziert worden und hätten ggf. in ihrer Umgebung angesteckt, die empfindlicher sind. Das zeigt doch, wie wichtig die Tests sind.

  5. 17.

    Nie eine "Analyse" behauptet noch das bestritten... :-)
    ES gab aber eben in all den Wochen auch keinen Krankheitsausbruch und keine Quarantänefälle.
    Es bleibt bei den Zahlen - 2800 Tests, dreimal positiv.
    Nun kann daraus jeder ableiten, was er will... :-)

  6. 16.

    Bei ihrer "Datenanalyse" haben Sie nicht berücksichtigt, dass auch negative Testergebnisse falsch sein können.

  7. 15.

    Lieber Papa,
    wenn Sie in Ihrem Kommentar den "faulen" LehrerInnen die Schuld für die nicht erfolgende Komplettöffnung der Schulen in die Schuhe schieben, dann muss ich widersprechen. Ich bin selbst Lehrer an einer Grundschule. Der gerade stattfindende Wechselunterricht mit zusätzlicher Betreuung der Kinder, die zuhause beschult werden, ist eine wesentlich größere Arbeitsanstrengung als der normale Unterricht (zumindest, wenn man seine Arbeit ernst nimmt). Wären die LehrerInnen so faul, wie Sie meinen, dann müssten wir längst wieder beim Vollzeitmodell ohne Aussetzung der Präsenzpflicht sein.

  8. 14.

    Bilanz an unserer Schule bisher: 2800 Tests, dreimal positiv. Dreimal!
    (Ob die PCR-Tests dann etwas ergeben haben, weiß man noch nicht mal...)
    Mehr muss man doch zu all diesen Ängsten gar nicht sagen...

  9. 13.

    Die Kinder sollen auch erst wieder in die Schule, wenn die Inzidenzen stabil niedrig sind. Gleichzeitig kann weder Frau Scheeres noch Herr Heise sich anmaßen, das Recht auf Bildung der Kinder in Frage zu stellen. Kein Wunder, dass bei der Einstellung der Eltern und Lehrer:innen Berlin in allen Bildungsvergleichen hinten liegt.

  10. 12.

    Dass das Recht auf Bildung in Zeiten niedriger Inzidenzen so wenig zählt, erschüttert mich. Ebenso der von Scheeres und Giffey so oft beschworene Kinderschutz. Beides scheint egal, wenn die Lehrer*innen keinen Bock haben, zu arbeiten.
    Zudem müssen die Kinder auch mal wieder all ihre Freund*innen sehen und ein Gefühl dafür bekommen, wie das System Schule eigentlich funktioniert. Damit bis zum Schulstart am 9. August zu warten, ist fahrlässig.
    Und: die Präsenzpflicht bleibt ja aufgehoben. Wer sein Kind nicht zur Schule schicken will, muss das nicht.
    Das Verhalten des LEA ist vollkommen unverständlich. Nur dadurch zu verstehen, dass Herr Heise am Geld der Senatsverwaltung hängt und sich nicht trauen darf.

  11. 11.

    Oh Menno. Sobald die erweiterte Notbetreuung eingeführt wird (einfach mal "Hort für alle" genannt) ist ein Wechselunterricht nicht mehr möglich. Es würde dann bedeuten: Erzieher kümmern sich um volle Klassen zwischen 6 und 18 Uhr. Außer am Vormittag, da hat der Lehrer die halbe Klasse im Unterricht. Wie soll das gehen? Wohin (räumlich gesehen) mit der anderen Hälfte? Wer (personell gesehen) soll die Dienste abdecken? Schulisch angeleitetes Lernen zu Hause übernehmen dann auch die Erzieher? Was ist, wenn jemand fehlt ( Urlaub, Krankheit) Die Klasse aufteilen? Und jetzt kommts: Genau das ist bereits beschlossen, ab dem 31.5. Und genau das hat man wieder wie immer über die Presse mitgeteilt. Es ist der Wahnsinn!!!

  12. 10.

    Dass das Recht auf Bildung in Zeiten niedriger Inzidenzen so wenig zählt, erschüttert mich. Ebenso der von Scheeres und Giffey so oft beschworene Kinderschutz. Beides scheint egal, wenn die Lehrer*innen keinen Bock haben, zu arbeiten.
    Zudem müssen die Kinder auch mal wieder all ihre Freund*innen sehen und ein Gefühl dafür bekommen, wie das System Schule eigentlich funktioniert. Damit bis zum Schulstart am 9. August zu warten, ist fahrlässig.
    Und: die Präsenzpflicht bleibt ja aufgehoben. Wer sein Kind nicht zur Schule schicken will, muss das nicht.
    Das Verhalten des LEA ist vollkommen unverständlich. Nur dadurch zu verstehen, dass Herr Heise am Geld der Senatsverwaltung hängt und sich nicht trauen darf.

  13. 9.

    Das sehe ich auch so! Die Inzidenzen unter den Kindern sind noch nicht so niedrig, dass man das wagen könnte und in der Schule wird außerhalb der Klassenräume kein Abstand gehalten - aber die Masken abgesetzt....

  14. 8.

    Sie sind sehr wohl einfach nur laut. Und zwar aus Bequemlichkeit und schieben die Kinder mal wieder als Totschlagargument vor. Ich habe da eine radikale wie auch total natürliche Einstellung. Wer Kinder in die Welt setzt ist zu allererst als auch in letzter Konsequenz selbst dafür verantwortlich. Seine Kinder bei der Gesellschaft abzuparken um sich selbst verwirklichen (meinetwegen auch die Kinderkosten verdienen) zu können widerlegt ja geradezu ihre angeblich elterliche Fürsorge.
    Wir finden Corona alle nicht toll aber dennoch ist es eine höchst ansteckende, folgenschwere Krankheit, die durch Kontakte verbreitet wird. Wenn Sie diesen Fakt ausblenden, dann haben Sie leider nichts kapiert und handeln insbesondere als Eltern äußerst verantwortungslos.

  15. 7.

    Die Inzidenz unter Berliner Schülern lag in der vergangenen Woche bei 180/100.000. Auf der Seite der Senatsverwaltung nachzulesen.

    Ich bin für mein Kind erleichtert, dass es bis zu den Ferien weiter Wechselunterricht und regelmäßige Tests gibt.

  16. 6.

    Wenn garantiert wäre, dass wir so ins neue Schuljahr starten, würden wir das auch mittragen.
    Aktuell gibt es aber einfach keinen Plan, weder für jetzt noch für nach den Ferien. Das kritisieren wir an der Entscheidung von Frau Scheeres.
    Wir werden nach den Sommerferien genauso planlos weitermachen wie bis jetzt!!

  17. 5.

    Nun, die Sommerferien starten ja zu unterschiedlichen Zeiten. Mit Berlin gehen, soweit ich weiß, noch 4 weitere Bundesländer schon Ende Juni in die Ferien, mit dort teilweise nun schon länger anhaltenden niedrigen Inzidenzen.

  18. 4.

    @Bürge, da glaube ich nicht dran. Das wird munter so weitergehen wie bisher. Eine Schande!

  19. 3.

    Wir sind nicht einfach 'laut', lieber Herr Heise. Wir haben einen Punkt. Berlin lässt Deutschlandweit am längsten am Wechselmodell fest. Deutschland schränkt europaweit die Kinder am meisten/längsten ein. Aber wahrscheinlich wissen Berlin /Deutschland es mal wieder einfach am besten???

  20. 2.

    Ich kann den Wunsch nach Rückkehr zum "normalen" Regelbetrieb völlig nachvollziehen. Allerdings muss ich auch sagen, dass Frau Scheeres hier ausnahmsweise mal eine richtige Entscheidung getroffen hat.
    Für 4 / 5 Wochen jetzt das ganze Theater und Planungschaos von vorn zu beginnen, ist einfach unsinnig.
    So wichtig die Rückkehr auch ist - in 4 Wochen reißen wir jetzt nichts mehr rum.
    Da halte ich es wirklich für klüger, abzuwarten, ob die Zahlen sich wirklich stabilisieren, um dann gut vorbereitet ins neue Schuljahr zu starten.

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