Bundestagswahl 2021 - Grüne und SPD in Südbrandenburg knapp an Wahl-Kandidaten

Junge Wählerin, Foto: Imago, Liesa Johannssen
Junge Wählerin | Bild: imago stock&people,Liesa Johannssen

Rund vier Monate vor der Bundestagswahl haben SPD und Grüne in Südbrandenburg teilweise Probleme bei der Kandidatensuche. So kandidiert in Dahme-Spreewald eine Frau für die SPD, die eigentlich in den Ruhestand gehen wollte. Im Oberspreewald-Lausitz-Kreis wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Kandidat für die Grünen antreten, der neu im Politik-Business ist.

Für Sylvia Lehmann (67) war der letzte Arbeitstag eigentlich schon gesetzt. Ende September hätte für die SPD-Bundestagsabgeordnete aus der Nähe von Lübben (Dahme-Spreewald)und ihr Büro Schluss sein sollen. "Wir hatten schon alle Verträge gekündigt, Mietverträge, Leasingverträge, Telefonverträge und es war klar der 26. September ist der letzte Tag", erzählt Lehmann.

Vier mögliche Nachfolger hatten ihren Hut bereits in den Ring geworfen. "Eine hat möglicherweise erkannt, dass sie keine Chance hat innerhalb der Partei nominiert zu werden, und zwei andere sind dann für einen anderen Kandidaten zurückgetreten", so Lehmann. Dieser Kandidat habe sich aber spontan aus persönlichen Gründen entschieden, nicht mehr kandidieren zu wollen.

Grünenkandidat ohne Erfahrung

Für die SPD im Wahlkreis 62 ist das eine ungünstige Situation. Das Ziel war es, der aktuellen Direktkandidatin für den Wahlkreis, Jana Schimke von der CDU, das Mandat streitig zu machen. So wurde Sylvia Lehmann doch noch einmal gefragt. "Dann guckt man natürlich auf jene Person, die es gerade macht und nach langem Überlegen, innerhalb der Familie aber auch mit meinem Team, kandidiere ich nochmal", erklärt Lehmann. Sollte die 67-Jährige gewählt werden, verspricht sie die vollen vier Jahre im Bundestag zu bleiben.

Auch die Grünen im Oberspreewald-Lausitz-Kreis haben Probleme bei der Kandidatenfindung. Die bereits gewählte Direktkandidatin ist dort wieder abgesprungen. So musste die Suche von vorn beginnen, erzählt der Kreisvorsitzende Stefan Schön. Die Zurückgetretene kandidiert nun auf einem Listenplatz. Für die Direktkandidatur meldeten sich aber anschließend nur Kandidaten ohne politische Erfahrung. "Das kann manchmal sogar ein Vorteil sein. Das bringt frischen Wind, neue Ideen", so Schön.

Am Samstag wollen die Grünen über ihren Direktkandidaten abstimmen - in der Hoffnung, dass dieser dann auch bleibt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.05.2021, 16:10 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Da haben Sie wohl recht. Aber leider zeichnet dieses Verhalten alle Parteien aus. Und es wird sich hinterher über Politikverdrossenheit gewundert. Dazu kommt dann noch, dass die Parteien in den Gemeinde und Stadtparlamenten sich gegenseitig das Leben schwer machen und erforderliche Beschlüsse nicht getroffen werden können.

  2. 4.

    Diese trockene Meldung verdeutlicht das Dilemma und die Strategie der arrivierten Parteien. Für OSL und andere große Landkreise haben sie kein großes Interesse. Hier wohnen zu wenige potentielle Wähler. Für sie lohnt nur der Wahlkampf in Ballungszentren, wo sie auf engstem Raum möglichst viele Sympathisanten finden. Deswegen sprechen auch so viele von "abgehängten Regionen".

  3. 3.

    Ich fände es begrüßenswert, wenn Kandidaten eine Mindestzeit außerhalb der steuerfinanzierten Politblase erstemal eine gewisse Zeit einer wertschöpfenden Erwrbstätigkeit nachgehen müssen.

  4. 2.

    Coole Idee die Hälfte der Plätze mit Direktkandidaten zu besetzen.

  5. 1.

    Kein Wunder, die Menschen wünschen sich längst, dass das politische System in Deutschland umgebaut wird. Etwa dadurch, dass die Rolle von Parteien stärker hinterfragt wird und sich die Menschen vor Ort mehr direkt beteiligen können. Also sollte man eine Quote einführen, dass alle politischen Gremien/Ausschüsse etc. nur noch zu 50% von Parteien besetzt werden dürfen und die andere Hälfte per qualifiziertem Losverfahren durch Bürgerinnen und Bürger zu besetzen ist. Dann würde bestimmt auch die Akzeptanz zunehmen, weil jeder Einzelne sich dann direkt mehr einbringen kann ohne das aktuell erforderliche Parteigeklüngel.

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