Arcelor Konzern im brandenburgischen Eisenhüttenstadt (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
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Audio: Antenne Brandenburg | 03.05.2021 | Sabine Tzitschke | Bild: dpa/Patrick Pleul

Stahlgifel in Berlin - Bis 2030 soll Stahl in Eisenhüttenstadt möglichst grün werden

Bei Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt läuft es momentan. Viele Aufträge, gute Preise und sollte Tesla seine Stahlkarossen mal mit Material "Made in Eisenhüttenstadt" bauen, dann gebe es so gar regionale Wertschöpfung. Doch die Stahlbranche steckt aktuell im Umbruch.

Der Stahl-Produzent Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) muss seine Produktion auf Wasserstoff umrüsten. Die Kohlendioxid-Abgabe wäre sonst in zehn Jahren nicht mehr bezahlbar. Aktuell entsteht bei der Erzeugung von einer Tonne Stahl mehr als eine Tonne CO2. In Deutschland kommt ein Drittel der gesamten Industrie-Emissionen aus Hochöfen. Am Montag geht es bei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Berlin um die Förderung des klimafreundlichen Umbaus. Altmaier trifft sich mit Vertretern der Stahl-Industrie unter anderem auch von Arcelor Mittal.

In 20 Jahren alles anders

2.700 Menschen sind im Stahlwerk von Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt aktuell beschäftigt. Der Laden brummt. Gerade die Autobrache fragt hochwertigen Stahl nach. Eisenhüttenstadt steht für das Osteuropa-Geschäft innerhalb des Konzerns. Doch die Stahlbranche müsse grüner werden - emissionsneutral. Das bedeute auch, dass auch in Eisenhüttenstadt anders produziert werden müsse, weiß auch Instandhalter Steffen Hafki aus dem Kaltwalzwerk: "Die Produktionslinien oder wie wir es kennen, so wird Stahl wahrscheinlich in 20 Jahren nicht mehr hergestellt." Die Anforderungen an die Stahlkocher würden wachsen, sagt Hafki.

Neuer Hochofen bis mindestens 2030

Aktuell wird das Eisen im großen Hochofen 5a aus dem Erz geschmolzen. Doch der stählerne Riese, das Wahrzeichen von Eisenhüttenstadt, ist eine Kohlendioxid-Schleuder. 3,5 Millionen Tonnen CO2 werden hier jährlich ausgestoßen. Das ist alles andere als klimafreundlich, sagt Arbeitsdirektor Michael Bach. "Unser Hochofen wird dann denkmalreif sein und der Zeitpunkt wird spätestens 2030 sein." Dann müsse dieser Hochofen von der Technologie her erneuert werden. Aber das werde niemand mehr tun, weil das zu teuer sei, so Bach.

Hilfe der Politik verlangt

Eisenhüttenstadt braucht einen neuen Hochofen, der dann mithilfe von Erdgas und später ausschließlich mit Wasserstoff angefeuert werden soll. Nur so werde Stahl grün. Doch die Milliarden-Investitionen, den Umbau eines ganzen Werkes will und kann Arcelor Mittal nicht allein stemmen.

Dafür bräuchte man die Unterstützung der Politik, sagt auch Holger Wachsmann von der IG Metall: "Das ist klar! Das kann die Stahlindustrie allein nicht bewerkstelligen. Wir stehen im Grunde genommen vor Umbrüchen wie zu Wendezeiten, als wir das ohne staatliche Förderung nicht hinbekommen hätten." Das betreffe nicht nur Arcelor Mittal, sondern auch die Wettbewerber. Die Produktion werde auch teurer werden, so Wachsmann. Aber auch die Belegschaft habe viele Fragen. Wo stehen dann die Mitarbeiter, die heute vor dem Hochofen sind, wenn es das Aggregat bald gar nicht mehr gebe, fragt Wachsmann.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.05.2021, 16:40 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Industrie in LOS? Geht gar nicht!

  2. 2.

    Und ich dachte immer, nur KUPFER könnte grün werden ...

  3. 1.

    ThyssenKrupp ist in der Hinsicht weiter und hat hat zusammen mit der STEAG schon relativ konkrete Vorstellungen, wie der Stahl aus Duisburg mit H2 grüner werden soll. In Eisenhüttenstadt müssen dafür wohl noch viele Hausaufgaben gemacht werden.

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