Bei Konflikten mit Tierhaltern - Geänderte Wolfsordnung bietet mehr Möglichkeiten zum Abschuss

Mo 12.09.22 | 14:03 Uhr
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Zwei Wolfswelpen streifen durch die Heide.(Quelle:dpa/I.König-Jablonski)
Audio: Statement H. Wendorff, Bauernverband Brandenburg | Bild: dpa/I.König-Jablonski

Eine geänderte Wolfsverordnung in Brandenburg erleichtert künftig den Abschuss. Wenn die Tiere vermehrt Schutzvorkehrungen überwinden und Nutztiere reißen, gelten neue Regeln. Brandenburg ist eines der wolfsreichsten Bundesländer.

In Brandenburg sind die Möglichkeiten für einen gezielten Abschuss von Wölfen ausgeweitet worden. Es sei eine geänderte Wolfsverordnung in Kraft getreten, teilte das Agrar- und Umweltministerium am Montag mit. Es geht dabei um Wölfe, die Tierhaltern Probleme machen.

"Neu ist die Möglichkeit, Entnahmen von Wölfen anzuordnen, die über längere Zeiträume in bestimmten Gebieten überdurchschnittlich oft Nutztiere reißen", heißt es in der Ministeriumsmitteilung zur überarbeiteten Wolfsverordnung. Berücksichtigt werde dabei nun stärker, dass in einigen Gebieten die Umsetzung der empfohlenen Schutzmaßnahmen für Weidetiere nicht flächendeckend realisierbar sei und Wölfe mitunter lernten, die Schutzvorkehrungen zu überwinden.

Wolfsmanagement: Prävention weiter im Fokus

Auch bei mehrfachen Übergriffen auf Rinder und Pferde dürfen Wölfe künftig getötet werden. Das Ministerium betonte aber auch, dass der Schwerpunkt des Wolfsmanagements weiter bei der Prävention liege. Zäune und Herdenschutzhunde würden bis zu 100 Prozent gefördert. Das umfasse neben der Anschaffung beispielsweise auch die Ausbildung und das Futter für die Hunde. Schäden durch Wolfsrisse gleiche das Land aus.

Trotz erhöhter Haushaltsmittel gingen die Anträge und Zahlungen für Schutzmaßnahmen gegen Wolfsübergriffe auf Nutztiere im vergangenen Jahr in Brandenburg deutlich zurück. 2021 waren insgesamt 186 Anträge auf Förderung einer Vorsorgemaßnahme gestellt worden. Das waren 83 Anträge weniger als im Jahr zuvor. Der Schafzuchtverband beklagte ein erschwertes Bewilligungsverfahren.

Der Wolf ist geschützt, seit Langem wird der Umgang mit den Tieren kontrovers diskutiert. Im Wolfsjahr 2020/2021 gab es in Brandenburg nach Angaben des Ministeriums 49 Rudel und acht Paare, bei neun Fällen war der Status unklar. Brandenburg ist eines der wolfsreichsten Bundesländer.

Anzahl der Tiere innerhalb der Rudel schwankt

Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt lässt sich die Wolfspopulationen in Brandenburg aber nur schwer einschätzen, da die Anzahl der Tiere innerhalb der Rudel schwankt [www.lfu.brandenburg.de]. Besonders verbreitet ist der Wolf laut Umweltamt in Süd- und Westbrandenburg. Auf der Internetseite heißt es dazu: "Wie zu erwarten war, schließen sich die Lücken in Süd-Brandenburg und die Ausbreitung in Nord-Brandenburg schreitet voran."

Das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN) hatte sich zu Beginn des Jahres dafür ausgesprochen, in Brandenburg dieses Jahr 80 Wölfe zum Abschuss freizugeben. Die wachsende Population mache es "unabdingbar", die Gesetze um ein Begrenzungsverfahren zu ergänzen und eine Abschussquote zu erlassen, sagte Dirk-Henner Wellershoff, der Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg. Im AFN sind neben Jägern unter anderem auch der Deutsche Bauernverband (DBV) und Waldbesitzer organisiert.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 12.09.2022, 19:30 Uhr

38 Kommentare

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  1. 38.

    Leider ist die Landschaft der Gegenwart weit von einem natürlichen Zustand weit entfernt. Zudem gibt es diverse seltene Arten, die bei ungestörtem Zugriff durch den Wolf rasch verschwinden werden, z.B. die Großtrappen.
    Bei vorurteilsfreier Betrachtung ergibt sich zwingend der Schluss, die überhand nehmenden Wolfsbestände nachhaltig zu regulieren.

  2. 37.

    Das Mufflon ist ja ursprünglich in den Gebirgslandschaften Sardiniens und Korsikas beheimatet und ist daher an den Wolf nicht angepasst. Es war wieder der Mensch der in die Natur eingriff und das Mufflon Ende des 19. Jahrhunderts hier ansiedelte. Weil das Mufflon eine beliebte Jagdtrophäe und die Schorfheide in alter Tradition auch ein beliebtes Jagdgebiet ist. Das Mufflon hat in Brandenburgischen Wäldern aufgrund fehlender steiniger Böden sowieso Probleme mit den Hufen.
    Der Wolf gehört stattdessen in unsere Breiten.

  3. 36.

    In der MOZ ein Artikel der Bestand an Muffelwild zB in der Schorfheide ist massiv zurück gegangen, Schuld ist nicht der Mensch sondern der Wolf,denn das Muffelwild sind leichte Beute. Laut Statistik ist der Bestand an Muffelwild in den letzten Jahren um 70 % dezimiert. Wir sehen zu wie das Muffelwild ausstirbt, dabei ist auch diese Art global gefährdet. Ist dieses Wild weniger erhaltenswert als der Wolf? Der Bestand an Wölfen ist 2020 um 20%gestiegen und ja er hat viele Freunde in den Städten wie man hier sieht, aber er sollte nicht über allen stehen. 2021 nahm die Zahl der Wolfsrisse in Bayern stark zu auch in Niedersachsen hat sich die Lage zugespitzt, das gleiche trifft auch für Österreich und der Schweiz zu. In diesen Ländern arbeiten die Regierungen an einem Gesetzentwurf um Problemwölfe zu entnehmen. Und wenn sie im Wald mit dem Hund spazieren gehen und 150 Meter von ihnen steht ein Wolf der nicht mal den Anschein von Flucht hegt merken Sie das er wenig Angst hat .

  4. 34.

    Verstehe Ihre Antwort auf meinen Beitrag nicht eventuell haben Sie nicht richtig gelesen und meinen Jemand anderen ?

  5. 33.

    Vorab: Der Wolf sollte bleiben. Reine Polemik gegen die Betroffenen sind nicht nur ökonomischer Natur, so wie Sie schreiben, sondern auch einem Gleichgewicht geschuldet, dass sich immer wieder neu einstellen muss, von Region zu Region. Was Gleichgewicht ist bestimmen weder militante Tierschützer noch die Jäger allein. Das zu diskutieren macht mehr Sinn, wenn man ein Miteinander will, ohne anderen vorzuschreiben wofür sie ihr Geld auszugeben haben. Gute Beispiele sind in Afrikas Reservate zu finden oder aber auch der Umgang mit dem Bären in der Schweiz kann Vorbild sein.
    Was nicht geht: Ideologisches Nichtstun. Dann verschwinden vor lauter invasiever und einheimischer Raubtiere die Singvögel... achten Sie mal drauf und denken darüber etwas länger nach.

  6. 32.

    Diese Verordnung ist ungesetzlich, da sie den strengen Artenschutz des Wolfes ignoriert, der auch dann nötig ist, wenn sich das Tier revierübergreifend ausgebreitet hat. Die bloße Vermeidung des Begriffes "Problemwolf" meint nicht das Abstellen von Willkür. Denn es müsste ja genau examiniert werden, welcher konkrete Wolf welches Tier gerissen habe. Das geben Zahlen grds. überhaupt nicht her. Die meisten verzeichneten Risse sind laut LFU seit Jahren ausdrücklich Fälle, bei denen der Wolf als Urssache nicht auszuschließen ist. Die Verordnung ist eine lobby-verseuchte Agenda zum Schutz der wirtschaftlichen Privilegien von Wenigen auf Kosten von Natur und Umwelt. Wie viele Wölfe gibt, wie viele "Nutztiere"? Der Wolf wird schlicht nicht bemessen. "Der Markt regelt das" - eben nicht. Es ist absolut unverhältnismäßig, Wolfsabschüsse statt einfachere Anträge auf Prävention o. Entschädigung einzufordern. Wer tote Wölfe sehen will, muss nur mal den Brandenburger Straßenverkehr fokussieren.

  7. 31.

    In Einem irren Sie, Anschaffung und Unterhalt von Herdenschutzhunden und alle anderen Massnahmen zur Verhütung von Wolfsrissen werden inzwischen durch den Staat vergütet. Das dürfte also keine Ausrede sein

  8. 30.

    Alle Raubtiere verfahren so und es stellt sich schließlich ein gesundes Gleichgewicht zwischen allen Populationen ein. Und alle diese Tiergattungen haben sich im Zuge der Evolution, nicht umsonst, durchgesetzt.
    Das ist in den Wäldern nicht anders wie in der Steppe, in den Bergen, in den Flüssen, Seen und Meeren.
    Worin besteht denn das eigentliche Problem? Klar einerseits sind es die vom Menschen domestizierten Tiere als vermeintlich leichte Beute, aber die könnte man ohne den Wolf, Luchs etc. abzuknallen schützen.
    Und andereseits ist die Geldmaschinerie Jagd in Verbindung der wildfleischverarbeitenden Industrie. Hierfür gibts keine nachhaltige Lösung, jedenfalls nicht, wenn man mit der Jagd Geld verdienen will. Beides kann man nicht haben. Entweder reguliert der Wolf den Wildbestand oder der Mensch. Aber das gilt für alle natürlichen Belange.

  9. 29.

    Ein weit verbreiteter Irrtum. Der Wolf jagt alles, was er erwischen kann. Gehen die Bestände der Beutetiere dann zu stark zurück, nehmen auch die Wolfsbestände ab, weil die Wölfe schlichtweg verhungern.

  10. 28.

    Das ist nicht ganz richtig. In Schweden wird der Bestand an Wölfen durch Abschuss auf konstantem Niveau gehalten und, so weit ich gelesen habe, trifft das auch für Rumänien zu. Brandenburg hat inzwischen eine weit höhere Wolfsdichte als diese Länder. Allerdings könnten wir Brandenburger ja alle mit unseren Tieren nach Berlin ziehen, dann haben die Wölfe ausreichend Platz.

  11. 27.

    "...,wenn er Hunger hat denn er ist ein Raubtier und frißt das was er kriegen kann."
    Ja, ich bin so verdammt menschlich.

  12. 26.

    Genau der Wolf frisst bis das ganze Biotop zusammenbricht.
    Das ist der größte Schwachsinn den ich je gehört habe. Gerade der Wolf jagt auch die kranken Tiere.
    Es gibt kein Raubtier, außer der Mensch, der über seine Verhältnisse leben kann.
    Und die Schafe und andere von Menschen domestizierte Tiere können beispielsweise erfolgreich mit Hütehunden geschützt werden.

    Aber darum gehts ja in dem Artikel nicht, hier gehts um das Wild, was nicht mehr vor der Flinte landet und kein Geld mehr bringt.

  13. 25.

    Es ist schon lustig wenn die Berliner hier in der Runde den Menschen,Jägern auf dem Land erzählen wie sie mit dem Wolf umgehen sollen. Alle die hier von schießwütigen Jägern schreiben haben wirklich von nichts eine Ahnung. Ein Jäger ist für die Hege und Pflege in seinem Revier, so wie für die Entnahme kranker Tiere zuständig. Ja und sie schießen auch Tiere damit auch der eine oder andere von euch sein Wildbrett auf dem Tisch hat, oder hat von euch Berlinern noch nie einer Wild gegessen. Und noch eins reden Sie mal mit den Schafzüchtern was die Anschaffung und der Unterhalt von Herdenschutzhunden im Jahr kostet dann könnt ihr euch bald kein Lamm mehr leisten ach ihr esst ja kein Lamm. Auch vor Rinderherden macht er nicht halt (stand schon oft in der Presse ),wenn er Hunger hat denn er ist ein Raubtier und frißt das was er kriegen kann. Wir in DE können uns nicht mit Ländern wie Polen oder Schweden vergleichen denkt mal drüber nach.

  14. 23.

    Kein Lebewesen kann sich ungehindert ausbreiten, solange die Ökologie nicht erheblich gestört ist. Das passiert z.Bsp. in Kiefernmonokulturen mit dem Borkenkäfer. Trotzdem bestehen selbst dort noch natürliche Hindernisse. Sie sollten sich mit Ökologie und den natürlichen Kreisläufen beschäftigen, bevor Sie kommentieren.

  15. 22.

    Genau so ist es. Hier geht es einzig und allein um einen Interessenkonflikt. Die Hobbyjäger sehen den Wolf als Konkurrenten, der ihnen den Spaß verdirbt und das Wild vorsichtiger, also schwerer jagdbar, macht. Und die Politik fällt trotzdem oder vielleicht sogar bewusst auf jeden Schwindel rein. Mehrfach überführte und nachgewiesene Weidetiere erlegende Wölfe zu töten oder besser zu verbringen-okay. Hier geht es aber um mehr. Die Jägerschaft mit guten Netzwerken in die Politik will den Wolf soweit wie möglich zurückdrängen. Dem muss man sich entgegen stellen, denn sonst werden die erfreulicherweise zurückgekehrten Wölfe bald wieder weg sein durch Entnahme = Töten durch Jäger.

  16. 21.

    Selbst Abschuss ist nur eine Umschreibung für das Töten einer geschützten Art, die erst seit ein paar Jahrzehnten wieder in Teilen Deutschlands heimisch geworden ist.

  17. 20.

    Welches Problem gibt es mit Wölfen und anderen Raubtieren?
    Die vermehren sich nur in dem Maße wie Nahrung da ist. In der Natur stellt sich immer ein Gleichgewicht ein, es sei denn der Mensch pfuscht in den Natur rum. Und genau so ist es, die Wildfleisch- und Jagdlobby sieht ihre Felle wegschwimmen.

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