Ein Mann sitzt alleine in der Kirche (Quelle: dpa/Strauch)
Bild: dpa/Strauch

Bundesverfassungsgericht - Verein kündigt Beschwerde gegen Gottesdienstverbot an

Was Sie jetzt wissen müssen

Gegen das Verbot von öffentlichen Gottesdiensten in der Corona-Krise will der katholische Freundeskreis St. Philipp Neri Verfassungsbeschwerde einlegen. Das teilte er am Donnerstag mit.

Zuvor hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) am Mittwochabend eine Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts vom Dienstag bestätigt, mit der ein entsprechender Eilantrag des Vereins abgelehnt worden war.

Jetzt bleibe nur noch das Instrument der Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, hieß es in der Mitteilung des religiösen Vereins. Nach Angaben des OVG beabsichtigte der Verein, Gottesdienste unter Einhaltung von Mindestabständen (1,50 Meter mit bis zu 50 Teilnehmenden) zu feiern und die Kontaktdaten der Besucher in Listen aufzunehmen.

Auch über Ostern sind Gottesdienste verboten

Nach der Berliner Sars-CoV-2-Eindämmungsverordnung vom 22. März ist der Besuch von Kirchen, Moscheen, Synagogen und Häusern anderer Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften zurzeit nur zur individuellen stillen Einkehr erlaubt. Auch über die Osterfeiertage sind öffentliche Gottesdienste verboten.

Nach Auffassung des 11. Senats am OVG führt die aktuelle Regelung nicht zu einer unverhältnismäßigen Einschränkung der im Grundgesetz verbrieften Religionsfreiheit. Das Berliner Verwaltungsgericht habe beanstandungsfrei dargelegt, dass die Gottesdienste, die die Antragsteller in der Karwoche sowie Ostern feiern wollten, eine erhebliche Gefahr weiterer Infektionen bergen würden.

Das Verwaltungsgericht hatte am Dienstag entschieden, dass Ausnahmen von der Berliner Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus keine Gottesdienste beträfen.

Sendung: Inforadio, 09.04.2020, 15:00 Uhr

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10 Kommentare

  1. 10.

    Auch wenn es "nur" ein Verein ist, wird dadurch nichts besser. Es sind oft Randereignisse, welche die Aufmerksamkeit auf's Große und Ganze lenken.
    P.S.: In Australien war es auch nur ein Geistlicher der angeklagt wurde und nicht die Kirche ...

  2. 9.

    Es geht hier ausnahmsweise mal nicht um "die" Kirche. Es geht um einen Verein, dem die Richtung der Katholischen Kirche bei Weitem viel zu modern ist.

  3. 8.

    Bedenken Sie, dass in Messen, die dieser Freundeskreis organisiert, die sog. Mundkommunion praktiziert wird, die in der Katholischen Kirche seit etwa 50 Jahren abgeschafft ist. Dabei legt der Priester die geweihte Hostie direkt auf die Zunge der Gläubigen, die vor ihm knien. Eine nach der anderen, bis alle durch sind. Natürlich ohne Gummihandschuhe und Händedesinfektion.

  4. 7.

    Papst Franz predigt auch im leeren Dom und auf leeren Plätzen.

    Aber nach dem, was ich so über diesen Freundeskreis gelesen habe, halten die ihn wohl eher für einen Ketzer.

  5. 6.

    Was läuft bei denen eigentlich falsch? In der Abendschau hieß es,Zitat: kein weltliches Gericht kann darüber entscheiden.
    Und jetzt ziehen die von einer Gerichtsinstanz zur nächsten, weltliche wohlgemerkt! Also schön die Kollekte der Gläubigen dafür opfern. Ich hoffe doch dass dem Anliegen des katholischen Freundeskreises ein Riegel davor geschoben wird,egal von welcher gerichtlichen Instanz auch!

  6. 5.

    Es ist richtig, daß Verfassungsbeschwerde eingelegt wird. Verständlich ist, das der Staat in"Epidemi-Zeiten" Vorschriften mit Einschränkungen machen kann. Frage ist die der Verhältnismäßigkeit.
    Wenn in "Corona-Zeiten" verschiedene Geschäfte geöffnet haben, in denen es noch schwieriger als in Kirchen ist, Hygienevorschriften zu beachten, warum soll dann in einer Kirche keine Hl. Messe oder Gottesdienst stattfinden können. Begrenzte Teilnehmerzahl und Einhaltung der Abstandsregelung sind sicher in der Kirche eher einzuhalten als in anderen geöffneten Geschäften. Außerdem ist in diesen Krisenzeiten für viele Menschen die Kirche selbst ein begehrter Zufluchtsort, um Trost und Kraft zu erlangen. Ich könnte mir vorstellen, das BVerfG wird in es in diesem Sinne Zugunsten Öffung der Kirchen votieren ... sicher für dieses Ostern 2020 zu spät!

  7. 4.

    Wie mich diese widerliche Scheinheiligkeit und diese abstoßende Doppelmoral der Kirche ankotzt kann ich gar nicht beschreiben.
    Das geht schon so seit Jahrhunderten!

  8. 3.

    Das unter Christen eine solche Rücksichtslosigkeit herrscht wundert mich schon. Die Leute haben rein gar nichts verstanden.

  9. 2.

    Gottesdienst ist nicht verboten, er kann nur nicht in der Kirche unter Menschenmassen durchgeführt werden. Sondern zB per Videoübertragung. Und Gott ist doch wohl überall. Jetzt Gerichte damit zu belästigen ist keine Nächstenliebe.

  10. 1.

    Unfassbar! Man kann auch zu Hause beten. Gottesdienst und Mindestabstand - das soll funktionieren? Hauptsache Gottesdienst, die Gefahr wird wissentlich ignoriert.

    Da frage ich mich was schlimmer ist: Nicht arbeiten zu dürfen weil mein Arbeitgeber wegen Corona schließen musste, oder nicht in die Kirche zum Gottesdienst zu dürfen?

    Einstein hatte recht als er sagte - Das Universum und die Dummheit der Menschen sind grenzenlos, wobei ich mir bei ersterem nicht sicher bin...

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