Menschen stehen am 08.10.2020 in einer langen Schlange vor einer Arztpraxis im Berliner Bezirk Neukölln für einen Corona-Test an. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Bild: dpa/Kay Nietfeld

Amtsarzt über Corona-Zahlen - "Neukölln ist der Sensor für das ganze Land"

Der Amtsarzt von Berlin-Neukölln befürchtet nach eigenen Angaben, dass sich auch andere Großstädte hinsichtlich der Corona-Zahlen so entwickeln könnten wie sein Bezirk. "Was wir jetzt in Neukölln erleben, sind nur die Vorboten von dem, was wir wahrscheinlich in allen Metropolen des Landes erleben werden. Neukölln ist der Sensor für das ganze Land", sagte Nicolai Savaskan dem "Tagesspiegel" am Donnerstag.

Vergleich der Corona-Situation mit Waldbrand

Savaskan vergleicht die Situation in Neukölln mit einem Waldbrand: "Wir haben nicht mehr einen Brandherd, sondern multiple Glutnester - nicht Dutzende, sondern Hunderte." Bei 70 Prozent der Fälle sei der Infektionsherd nicht mehr zu finden. "Wir müssen davon ausgehen, dass wir seit Wochen ein asymptomatisches Infektionsgeschehen hatten, das im Verborgenen lief", so Savaskan. In seinem Bezirk sei aber durchaus "proaktiv" und mehr getestet worden als in anderen Bezirken, weshalb man vielleicht auch ein klareres Bild der Lage habe.

Der Amtsarzt sprach sich für eine risikobasierte Pandemiebekämpfung aus - "im Sinne des Schutzes aller vulnerablen Gruppen". Das heiße, dass man empfehlen würde, "dass Risikogruppen gesondert den öffentlichen Raum betreten und mit Schutzausrüstung ausgestattet werden".

Neukölln hat 173,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner

Auch eine neue Informationskampagne hält Savaskan für nötig: "Alle neuen Maßnahmen werden nur so erfolgreich sein, wie sie auch verstanden und, wichtiger noch, akzeptiert werden." Im Bezirk fange man teilweise bei Beratungen wieder bei Null an, weil etwa Quarantäne-Regeln nicht bekannt seien.

Nach den neuesten Daten der Berliner Gesundheitsverwaltung vom Mittwoch wurden in Neukölln in den sieben Tagen zuvor 571 Neuinfektionen erfasst. Das sind 173,1 pro 100.000 Einwohner - die als kritisch definierte Schwelle liegt bei 50.

Auch im Vergleich mit Corona-Hotspots im ganzen Bundesgebiet ist Neukölln laut Robert Koch-Institut führend.

Sendung: Abendschau, 15.10.2020, 19:30 Uhr

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9 Kommentare

  1. 9.

    Diesen heuchel Quark kann man echt nicht mehr lesen, die die immer von Egoisten faseln, sind selbst meist die größten Egoisten, oder verzichten sie z.b. auf ihr Auto, eines der größten krankheits Treiber für Menschen, dank Feinstaub, schlimmer als jede Pandemie.

  2. 8.

    Sie haben so recht. Aber wo in diesem Land lehrt man noch, dass man zum Schutz der Gesellschaft auch mal auf einen Teil der persönlichen Freiheiten verzichten muss? Wir leben leider zunehmend in einer Gesellschaft von Egoisten. Ich will, ich habe das Recht, mehr fällt vielen Mitmenschen nicht ein.

  3. 7.

    Das liegt daran das in diesem Bezirk besonders viele Menschen auf die Regeln pfeifen und auch oft kein Deutsch lesen und sprechen können.

  4. 6.

    Gemeint sind wohl Großstädte. Wobei ich Hamburg und München gerne auch als Metropolen gelten lasse.

  5. 5.

    Vom Amtsarzt zum Gesundheitsminister... habe den Namen bis heute weder gelesen noch gehört... war er bis heute im Urlaub und anschließend in Quarantäne? Aber gut... sind bald Wahlen und da muss man sich vorher ins Gespräch bringen...

  6. 4.

    Der Herr Savaska hat Recht aber wieso mußte es erst so weit kommen. Da hätte man in Neukölln ja eher gegen steuern müssen diese Frage wurde aber nicht beantwortet nur das Kind jetzt in den Brunnen gefallen ist.

  7. 3.

    Wenn Neukölln der "Sensor" ist, wo wird für den Sensor gedacht ? In F-wood-K-forest ?

  8. 2.

    Mir scheint der Herr Savaskan ist ein sehr kluger und aufmerksamer Mitberliner! Respekt! Was mich jedoch eigentlich verwundert: Informationskampagne wieder bei Null anfangen??! Hat nicht jeder von uns auch eine Pflicht und Verantwortung für sich selbst und demzufolge auch eine Pflicht sich öffentliche Bekanntmachungen zur "Pandemie", die nun wirklich nicht erst seit gestern und längst weltweit grasiert, einzuholen? und auch dementsprechend angemessen zu handeln? (Eine oder meine ganz persönliche Meinung zur Pandemie steht doch erst einmal nicht zur Debatte.) Es geht schlichtweg um nicht mehr und nicht weniger um die Gesundheit jedes einzelnen. Für den Moment erst einmal täglich ist es eine tägliche Priorität. Es kann jeden treffen! Und alles aber auch wirklich alles, kann dann diskutiert werden, wenn Luft und Raum dazu da ist, wenn wir alle überlebt haben. Hier geht es einfach nur um einen einzigen wirklichen möglichen Verlust: Mensch mit Gesundheit! Begreift bitte.

  9. 1.

    "was wir wahrscheinlich in allen Metropolen des Landes"

    In Deutschland gibt es (noch andere) Metropolen?!

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