Todesfahrzeug des Berliner Anschlags - Polnische Polizei ermittelt wegen Mordes an Fahrer

Di 20.12.16 | 21:32 Uhr
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Dem polnischen Spediteur, Ariel Zurawski (r.), gehört der Lkw, der auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gelenkt wurde. (Quelle: rbb/Geulen)
Bild: rbb/Geulen

Der LKW, der in den Berliner Weihnachtsmarkt gerast ist, kam aus Polen. Der ursprüngliche Fahrer starb bei dem Anschlag - offenbar wurde er von dem Täter überwältigt. Nach rbb-Informationen wird in Polen mittlerweile wegen Mordes ermittelt.

Der Fahrer des polnischen Lastwagens, der von einem Unbekannten für den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin benutzt wurde, ist in seiner Kabine attackiert worden. "Er hatte Schnittwunden, auch im Gesicht", berichtete am Dienstag der Spediteur Ariel Zurawski, der den Toten auf einem Foto der Berliner Polizei identifiziert hat.

Der LKW gehört zu Zurawskis Spedition im polnischen Sobiesmysl, etwas südlich von Stettin. Der 37-jährige Fahrer war den Angaben zufolge sein Cousin.

Nach rbb-Informationen laufen in Polen inzwischen Ermittlungen wegen Mordes in besonders brutaler Ausführung.

Polnischer Fahrer wurde erschossen

Der Fahrer war sehr wahrscheinlich das erste Opfer des Anschlags vom Montagabend, bei dem mindestens zwölf Menschen getötet und etwa 50 verletzt wurden. Der Mann hinterlässt eine Frau und einen 17-jährigen Sohn.

Der mutmaßliche Täter hatte ihn offenbar überwältigt und das Steuer übernommen, bevor er in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche raste. Der Fahrer wurde nach der Bluttat tot im Wagen gefunden. Er wurde nach Erkenntnissen der Ermittler erschossen.

LKW hatte in Berlin Pause gemacht

Seit 16 Uhr habe er keinen Kontakt mehr zu seinem Cousin gehabt, berichtete der Spediteur Zurawski am Dienstag. Nach seinen Angaben hatte der LKW Stahlkonstruktionen aus Italien nach Berlin transportiert. Wegen einer Verzögerung habe der Fahrer bis zum Dienstag warten müssen und den Lastwagen in Berlin geparkt.

Laut Generalbundesanwalt Peter Frank ist bislang unklar, ob der Mann, der den Lastwagen in die Menschenmenge auf dem Breitscheidplatz gesteuert hat, alleine handelte oder eine größere Tätergruppe dahinter steckt. Am Dienstagabend bekannte sich der "Islamische Staat" zu dem Anschlag. Ein erster Verdächtiger, der noch am Montagabend festgenommen worden war, kam inzwischen wieder auf freien Fuß.

Mit Informationen von Katja Geulen

3 Kommentare

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  1. 3.

    Wie Sie diesem Interview mit dem Opfer-Beauftragten Kurt Beck entnehmen können, gab es finanzielle Hilfe vom Staat für die Angehörigen: 10.000 Euro Soforthilfe für Hinterbliebene beim Verlust naher Angehöriger.

    https://www.rbb-online.de/abendschau/archiv/20171213_1930/anschlag-opfer-entschdigung.html

  2. 2.

    Es reicht nicht ein Mord, muß auch noch die Existens der Familie gefährdet sein? Ist der deutsche Staat nicht in der Lage in einem solchen Fall unverzüglich die Opfer wenigstens finanziell zu entschädigen? Diese " Amris" und dergleichen tanzen uns doch auf der Nase herum!

  3. 1.

    Für mich ist der polnische (eigentliche) LKW Fahrer ein Held! Er wehrte sich. Er hat vielleicht noch mehr Tote verhindert. Danke lieber Cousin von Herrn Zurawski. Meine Gedanken sind auch bei ihrer Frau und ihrem Kind.

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