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Quelle: picture alliance/dpa/Andreas Gora

Basketball

Alba will mit viel Geduld zu neuer Stärke finden

Die Mannschaft von Alba Berlin hat im Sommer einen größeren Umbruch durchgemacht. Nun gilt es, mit den neuen Spielern ein Team zu formen, das wieder zurück nach oben finden kann - obwohl die Umstände herausfordernd sind. Von Lukas Witte

Beim Media-Day vor dem Saisonstart am Donnerstag in Heidelberg ist es bei Alba in diesem Jahr ein bisschen so, als würde man in eine neue Klasse in der Oberschule kommen. Ein paar Schüler kennen sich bereits aus einer früheren Klasse, doch die meisten müssen völlig neu zueinander finden.

Denn mit dem frühen Ausscheiden aus den Playoffs im Frühjahr endete bei Alba Berlin eine kleine Ära. Sechs Spieler haben den Verein im Sommer verlassen, darunter wichtige Leistungsträger wie Kapitän Luke Sikma, Nationalspieler Maodo Lo oder Top-Scorer Jaleen Smith. "Natürlich können wir die kurzfristig nicht eins zu eins ersetzen", sagt Sportdirektor Himar Ojeda.

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Alba plant langfristig

Der Spanier hatte über den Sommer alle Hände voll zu tun, um den Umbruch in der Mannschaft zu koordinieren und die entstandenen Lücken im Kader mit vielversprechenden Spielern zu füllen. Den Qualitätsverlust hat er dabei nicht ausgleichen können. "Viele Euroleague-Teams haben sich mit ordentlich Qualität verstärkt und viel Geld in die Hand genommen. Aber wir haben eine andere Philosophie. Wir denken langfristig. Natürlich können wir einen Spieler wie Maodo nicht sofort gleichgut ersetzen, aber das ist auch nicht unsere Identität. Wir suchen den Spieler, der in drei oder vier Jahren der nächste Maodo werden kann", erklärt Ojeda.

Fünf neue Spieler hat er nach dieser Philosophie ausgesucht und verpflichtet. Großes Potential sieht er dabei in den beiden noch sehr jungen Aufbauspielern Matteo Spagnolo (20 Jahre alt) und Ziga Samar (22), aber auch dem etwas älteren US-Amerikaner Justin Bean (26). Hinzu sind mit Sterling Brown (28) und Matt Thomas (29) auch zwei erfahrenere Profis nach Berlin gewechselt.

Neuzugang Matt Thomas wird in der kommenden Saison der älteste Berliner Spieler sein, denn der Kader ist extrem jung. "Schon im letzten Jahr waren wir das jüngste Team der Euroleague und in diesem sind wir sogar noch jünger", erklärt Trainer Israel Gonzalez. In der europäischen Königsklasse wird es seine Mannschaft in diesem Jahr deshalb aber wohl noch schwerer haben als schon im letzten.

München auf Jahre unschlagbar?

Und auch in der Bundesliga scheint sich mittlerweile eine riesige Lücke aufgetan zu haben. Denn Dauerrivale Bayern München hat sich in diesem Sommer unglaublich verstärkt. Spektakulär war vor allem die Verpflichtung des langjährigen NBA-Profis Serge Ibaka, der im Jahr 2019 noch Meister mit den Toronto Raptors wurde. Aber auch die weiteren Neuzugänge gelten als absolute Ausnahmetalente und verstärken den eh schon starken Kader rund um die Weltmeister Isaac Bonga, Andreas Obst und Niels Giffey.

Während Albas Budget im Vergleich zum letzten Jahr dem Vernehmen nach gleich geblieben ist, haben die Münchener noch einmal eine Schippe draufgelegt. "Sie sind nun bestens darauf vorbereitet, die Bundesliga auf Jahre zu dominieren", sagt Ojeda. Trotzdem geht aber natürlich auch der elfmalige deutsche Meister aus Berlin mit gewohnt hohen Ambitionen in die Saison. "Wir wollen in ein Finale. Und wenn es geht auch nicht nur in eins", erklärt Geschäftsführer Marco Baldi.

Dabei müsse man aber trotzdem auch realistisch bleiben. "Es wird wieder von unten mit jungen und talentierten Leuten neu aufgebaut. Dafür braucht man vor allem Geduld und Zuversicht. Und wenn die Ergebnisse am Anfang nicht ganz so gut sind, darf man nicht anfangen an sich zu zweifeln, sonst wird es sehr gefährlich."

Zukunft der Heimspielstätte weiter fraglich

So richtig hat Alba in diesem Jahr aber wohl niemand für die Meisterschaft auf dem Zettel. Allerdings hätten die vergangene Saison mit Überraschungs-Champion Ulm und auch die Basketball-WM mit Sensations-Sieger Deutschland gezeigt, dass Basketball ein Teamsport ist und man so auch gegen die ganz großen Namen bestehen könne, sagt Baldi.

Überhaupt scheint der große WM-Erfolg des deutschen Teams eine neue Welle der Euphorie über den deutschen Basketball gebracht zu haben. In den Ticketverkäufen hat sich das allerdings noch nicht besonders bemerkbar gemacht. "Es ist ein gewisses Wohlwollen da, aber es gibt jetzt keine Explosion der Dauerkartenverkäufe", sagt der Geschäftsführer.

Die Auslastung der Arena am Ostbahnhof bleibt auch in dieser Saison Thema, denn die Betreiber der Halle wollen diese gerne voller sehen als das bei den Spielen der Albatrosse der Fall ist. Der Vertrag konnte zwar gerade um drei Jahre verlängert werden, allerdings nur zu harten Konditionen für Alba. Gemeinsam mit dem Senat sucht man weiter nach einer Lösung – auch ein Neubau könnte dabei eine Option sein.

Basketball

Alba Berlin am Anfang eines neuen Kapitels

Nach vielen erfolgreichen Jahren endete für Alba Berlin mit dem Playoff-Aus in der ersten Runde in der letzten Saison eine Ära. Sportdirektor Ojeda steht nun wieder am Anfang - und plant bereits den nächsten Erfolgs-Zyklus.

Verbliebene Spieler übernehmen wichtige Rolle

Vielleicht kann Sensations-Weltmeister Johannes Thiemann in dieser Saison mehr Leute in die Halle locken, um die Mehrausgaben zu deckeln. Der Forward hat beim Erfolg der deutschen Nationalmannschaft eine wichtige Rolle gespielt und wird das auch für Alba in der Bundesliga wieder tun. Ebenso wichtig dürften die weiteren verbliebene Spieler wie Jonas Mattisseck oder Louis Olinde werden. "Sie haben eine absolut wichtige Rolle. Sie müssen ihre Erfahrung nun weitergeben und sind das solide Gerüst des ganzen Teams", erklärt Ojeda.

Und auch der langzeitverletzte Marcus Eriksson soll wieder auf dem Parkett stehen. Der Schwede hatte in den vergangenen anderthalb Jahren kein Spiel absolvieren können und sein Vertrag lief im Sommer aus. Trotzdem gab Ojeda ihm die Option auf ein weiteres Jahr in Berlin. Beim "Media-Day" befand sich der 29-Jährige wieder im Teamtraining und könnte in dieser Saison wohl spielbereit sein.

Wie schnell sich darauf ein Team aufbauen kann, dass wieder an der Spitze mitspielt, wird der Saisonverlauf zeigen. Alba-Fans brauchen aber wohl vor allem Geduld und müssen der Entwicklung ihres Teams Zeit geben. Denn für Trainer Gonzalez gibt es in diesem Jahr vor allem ein großes Ziel: "Ich will die Spieler von Tag zu Tag besser machen."

Sendung: rbb24, 26.09.2023, 18 Uhr

Beitrag von Lukas Witte

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