Olympia-Starter aus der Region - Ein Triathlon-Quartett mit Potsdamer Frontfrau

Die Potsdamer Triathletin Laura Lindemann. / imago images/Eibner Europa
Audio: Inforadio | 20.07.2021 | Friedrich Rößler | Bild: imago images/Eibner Europa

Vor fünf Jahren lief Laura Lindemann in Rio de Janeiro als 28. ins Ziel. Nun will die Potsdamer Triathletin bei ihren zweiten Olympischen Spielen eine Medaille angreifen. Dabei kann die 25-Jährige auf eine gute Form bauen - und zwei Glücksbringer.

Es ist eine spektakuläre Aussicht: Auf die Rainbow Brigde, die knapp 800 Meter lange Hängebrücke über den Hafen von Tokio - ein Wahrzeichen der japanischen Hauptstadt. Und auf die futuristische Skyline der Zehn-Millionen-Metropole mit ihren gewaltigen Hochhäusern. Der grüne Odaiba Marine Park zählt nicht zufällig zu den touristischen Spots Tokios.

 
Der Odaiba Marine Park in Tokio. / imago images/AFLO
Bild: imago images/AFLO

Laura Lindemann wird für diese Schönheit kaum einen Blick haben. Am 27. Juli startet an dem Strand, der sonst Urlauber zum gemütlichen Chillen einlädt, ihre Mission: eine Medaille bei den Olympischen Spielen. 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen stehen für die 25-jährige Potsdamerin dann an - die sogenannte Olympische Distanz im Triathlon. Seit den Sommerspielen 2000 in Sydney ist die Sportart im Programm vertreten.

 
 

Berliner und Brandenburger im DTU-Aufgebot

Mit einem vierköpfigen Team reist die Deutsche Triathlon Union (DTU) nach Japan. Laura Lindemann ist die Frontfrau. Die Brandenburgerin hat als einzige aus dem Quartett Erfahrung bei Olympischen Spielen. 2016 startete sie mit gerade einmal 20 Jahren in Rio de Janeiro. Für die Spitze reichte es damals noch nicht: An der Copacabana landete sie am Ende auf Platz 28.

Das soll nun anders, sprich: besser werden (siehe: Medaillen-Chancen). "Ich bin froh, dass wir starten dürfen. Dass wir Olympische Spiele haben dürfen. Ich freue mich sehr auf das Rennen", sagt Lindemann. Auch wenn die Potsdamerin weiß, dass sie ein besonders harter Wettkampf erwartet: "Es wird heiß werden und die Luftfeuchtigkeit dort ist sehr hoch."

 

Neben Lindemann stellen sich noch Anabell Knoll, Justus Nieschlag und Jonas Schomburg diesen Waschküchen-Bedingungen. Letzterer kommt aus Hannover, startete zuletzt aber für das Team Triathlon Potsdam. Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin holte er im Mannschaftswettbewerb Silber - an der Seite von Laura Lindemann.

Während andere bis auf den letzten Drücker um ihre Tickets für Tokio kämpften und bangten, können Lindemann und Schomburg schon lange für die Olympischen Spiele planen. Sie qualifizierten sich bereits 2019 bei einem Testevent in der japanischen Hauptstadt, ehe durch die coronabedingte Olympia-Verschiebung das lange Warten einsetzte. "Zum einen ist es etwas Gutes, wenn man noch ein Jahr mehr Zeit hat, gerade als junge Athletin, wie ich es bin. Zum anderen war es aber auch schwierig, sich zwei Jahre so fokussiert vorzubereiten", sagt Lindemann.

Medaillen-Chancen

Doch Lindemann hat diese Herausforderung gut gemeistert. Die 25-Jährige ist top in Form - trotz einer Corona-Erkrankung, die sie zu Beginn des Jahres stoppte. Zuletzt jubelte sie Ende Juni bei der Sprint-Europameisterschaft in Kitzbühl über den Titel. Generalprobe geglückt. "Ich habe schon große Erwartungen an mich selbst: Das Hauptziel ist es, eine Medaille zu gewinnen", sagt sie - und: "Das ist mein Traum, seit ich ein kleines Kind bin. Von daher wäre es echt cool, das jetzt schon zu erreichen. Mit 25 Jahren bin ich ja eigentlich noch jung als Triathletin."

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Conrad Scheibner, Annika Schleu, Ronald Rauhe, Laura Ludwig, Patrick Hausding, Emma Hinze und Lilly Stoephasius (Quelle:picture alliance /Axel Heimken; Frank May: Collage: rbb)
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Mehr zu den regionalen Olympiastartern und ihrer Vorbereitung auf die Spiele gibt es auf "Alles außer Fußball" (ALAF), dem Instagram-Kanal vom rbb Sport.

Der Optimismus ist groß im ganzen DTU-Team - auch wenn die Konkurrenz wegen weniger Wettkämpfe in Pandemie-Zeiten nur sehr schwer einzuschätzen ist. Wie bei Laura Lindemann soll es für das gesamte Team besser laufen als noch 2016 in Rio. Da fand sich Anne Haug - mit Medaillenhoffnungen gestartet - noch hinter der Potsdamerin auf Platz 36 wieder. Bei den Männern war Deutschland gar nicht erst vertreten.

Gut zu wissen

In die Karten spielen könnte Deutschland ein Novum. In Tokio werden erstmals drei Medaillensätze im Triathlon vergeben. Neben den Einzel-Entscheidungen bei den Männern und Frauen wird auch das beste Team gesucht. Im Mixed Team Relay treten die zwei Männer und zwei Frauen einer Nation auf einer Super-Sprintdistanz als Staffel an. Diese variiert - je nach Ort - von 200 bis 300 Meter Schwimmen, fünf bis acht Kilometer Radfahren und 1,2 bis zwei Kilometer Laufen. Für den DTU ist dieses Rennen - neben dem Frauen-Einzel mit Lindemann - die größte Chance auf Edelmetall.

Die Potsdamerin setzt dabei auch auf ganz besondere Glücksbringer: "Ich werde ein kleines Spielzeug von meinen Hunden mitnehmen", erzählt die 25-Jährige. Und auch der Freund, der - ebenso wie der eigene Trainer - nicht Teil des wegen Corona stark verkleinerten Reisetrosses ist, ist durch einen Talismann doch mit dabei: "Er hat mir eine Kette geschenkt. Eigentlich schon für 2020. Da ist ein Glücksbringer dran. Die kommt auch in die Tasche."

 
 

Wann sind die Wettkämpfe?

Das Triathlon-Team muss nicht lange warten. Am 23. Juli werden die Sommerspiele in Tokio eröffnet - und schon drei Tage später beginnen ihre Wettbewerbe. Los geht es mit dem Einzel der Männer, am Tag darauf starten die Frauen. Und am 31. Juli fällt im Mixed die letzte Medaillenentscheidung bei den Triathleten. Der Odaiba Marine Park mit seiner spektakulären Aussicht als Kulisse wird dabei ganz sicher zumindest die TV-Zuschauer erfreuen.

 
Montag, 26. Juli 6:30 bis 9:00 Uhr
Männer    
Dienstag, 27. Juli 6:30 bis 9:05 Uhr
Frauen    
Samstag, 31. Juli 7:30 bis 9:25 Uhr
Mixed Team Relay    

Sendung: rbb24, 19.07.2021, 21:45 Uhr

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