Symbolbild Pflege (Bild: dpa/ Marijan Murat)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.08.19 | Holger Kessler | Bild: dpa/ Marijan Mura

Mittelfristig fehlen 1.200 Pflegekräfte - Cottbus soll "Modellregion Pflege" werden

Um mehr Fachkräfte für den Gesundheitsbereich zu gewinnen, hat Cottbus jetzt ein eigenes Konzept entwickelt. Es sieht unter anderem die gezielte Anwerbung ausländischer Fachkräfte vor.

Mit einem Konzept "Modellregion Pflege" will die Stadt Cottbus dem Fachkräftemangel in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Betreuungsdiensten entgegenwirken. Das Konzept wurde von der Cottbuser Stadtverwaltung, dem Wirtschaftsförderer Entwicklungsgesellschaft Cottbus und dem städtischen Carl-Thiem-Klinikum entwickelt. Es sieht unter anderem die gezielte Anwerbung ausländischer Fachkräfte vor.

Umsetzung unabhängig von Fördermitteln

Um mehr Pflegekräfte in die Lausitz zu bekommen müssen vier Teilfelder bearbeitet werden, so die Cottbuser Sozialdezernentin Maren Dieckmann. " Wir haben unsere jungen Menschen, die in die Ausbildung gehen, wir haben aber auch Menschen, die in ihrem früheren Beruf nicht mehr tätig sein können oder wollen. Wir haben Menschen, die zugewandert sind, die wollen wir auch für die Pflege begeistern - und natürlich bedarf es trotz allem auch die Zuführung von ausländischen Fachkräften", beschreibt Dieckmann die vier "Säulen" des Konzeptes.

Es soll unabhängig von Fördermitteln umgesetzt werden. "Auch, wenn wir keine Fördermittel kriegen ist das ein Thema, dem wir uns im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge widmen müssen", so Dieckmann weiter. "Wir können nicht aussitzen und warten, was dann kommt oder was mit dem Fachkräfte-Einwanderungsgesetz der Länder bei den Kommunen ankommt. Wir müssen unten an der Basis die Menschen versorgen, die Betreuung sicherstellen und dem stellen wir uns sehr aktiv", erklärt die Sozialdezernentin.

Die Anwerbung ausländischer Fachkräfte, beispielsweise aus Vietnam laufe derzeit noch nicht so, wie es sich die Stadt vorstellt. Auch die Arbeitgeber seien bemüht, würden aber noch nicht gemeinsam an dem Prozess arbeiten. Mit der Modellregion soll unter anderem die Anerkennung ausländischer Abschlüsse beschleunigt werden.

Bedarf an 1.200 Pflegekräften

Beteiligt an der Erarbeitung des Konzeptes ist auch das Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum. Wenn sich nichts ändert, steuert die Lausitz auf einen Pflegenotstand zu, meint die Pflegedirektorin des CTK, Andrea Stewig-Nitschke. Sie lobt vor allem die Zusammenarbeit der einzelnen Akteure. "Wir sind ja Netzwerker in der Versorgung, alle sind gefragt in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen. Dieser rege Austausch hat das Modell hervorgebracht." Auch Bedarfe seien ermittelt worden.

In dem Netzwerk sollen neben der Stadt Cottbus auch die Landkreise Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz, Dahme-Spreewald und Elbe-Elster mitwirken. Allein in den Südbrandenburger Landkreisen würden in den nächsten zehn Jahren rund 1.200 Pflegekräfte benötigt, so das Konzeptteam.

Die Ausbildung in den Krankenpflegeschulen der Region reiche nicht aus, um diesen Bedarf zu decken. "Wir haben die Ausbildungsgänge schon erhöht im letzten Jahr, aber auch das wird nicht reichen", so Stewig-Nitschke.

Das Konzept "Modellregion Pflege" soll bis September konkretisiert und der Landesregierung vorgestellt werden.

Kommentar

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Antwort auf [Horst Drescher ] vom 08.08.2019 um 02:05
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2 Kommentare

  1. 2.

    Welcher Ausländer (besonders der/die nicht weiß ist) will denn nach Cottbus?

  2. 1.

    Was sagt denn die AfD dazu, immerhin haben die Cottbuser sie bei der Kommunalwahl zur stärksten Kraft gemacht und bei der Landtagswahl könnte sie in Südbrandenburg auch stärkste Kraft werden. Zugewanderte für die Pflege zu begeistern, bedeutet sie in die deutsche Gesellschaft zu integrieren und das widerspricht der AfD-Position von der "Remigration". Und ist die Anwerbung "nichtweißer kulturfremder" Vietnamesen (von vielen Cottbusern gerne auch verächtlich "Fidschis" genannt)dann nicht auch Teil des von der AfD so sehr gefürchteten "Bevölkerungsaustauschs"? Fremdenfeindliche Kundgebungen, ein Neonazisumpf und Angriffe auf Ausländer werden bei einer Google-Suche nach dem potentiellen Arbeitsort nicht gerade als Standortvorteil wahrgenommen werden.
    Das sind Punkte, die RBB-Journalisten gerne mal abklopfen können, damit der Wähler sich ein Bild machen kann.

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