Putenmastanlage (Quelle: imago images)
Audio: Antenne Brandenburg | 24.11.2020 | John-Alexander Döring | Bild: imago images

Reitwein im Oderbruch - Bauamt verhängt Baustopp gegen geplante Putenmastanlage

Für die geplante Putenmastanlage in Reitwein im Oderbruch gibt es einen Baustopp. Demnach hat die Baubehörde den Vollzug der Baugenehmigung bis zu einer endgültigen Entscheidung ausgesetzt. Ausschlaggebend ist die Mist-Entsorgung des Geflügels.

Kommen die Puten oder kommen sie nicht? Diese Frage stellen sich die Bewohner des idyllischen Örtchens Reitwein im Oderbruch (Landkreis Märkisch-Oderland). Ein Landwirtschaftsbetrieb aus Golzow plant dort eine Putenmastanlage für knapp 15.000 Tiere zu errichten. Aus dem Dorf gibt es erheblichen Widerstand gegen das Vorhaben - mit Erfolg. Das Bauordnungsamt Märkisch-Oderland hat jetzt erst einmal einen Baustopp verhängt.

Pläne stoßen auf Widerstand

Seit 2017 gehen Einwohner von Reitwein gegen den geplanten Putenmastbetrieb in ihrem Dorf vor. Die Bürgerinitiative "Unser Reitwein" hatte diesen Sommer eine Demo veranstaltet. Knapp 150 Menschen sind dem Aufruf gefolgt. Unterschriftenlisten wurden ausgehangen und acht Familien sind in Widerspruch gegangen.

Auch Bürgermeister Detlef Schieberle (Freunde des Sports) sprach sich gegen den Mastbetrieb aus. Er sagte dem rbb am Dienstag: "Was uns stört, ist, dass eine Putenmastanlage mit den Emissionswerten in Abstand von circa 250 bis 300 Meter zu den ersten Wohngebäuden gebaut werden sollte. Und dass gerade die Putenmast eine unwahrscheinliche Emissionsschleuder ist."

Wohin mit dem Mist?

Konkret geht es um möglichen Gestank und die Angst der eventuell übertragenen Viren und Bakterien. Der Widerstand vieler Bürger Reitweins ist vorläufig erfolgreich. Damit in Zusammenhang steht eine geplante Hähnchenmastanlage in Golzow. Bauanträger ist, genauso wie in Reitwein, die Landwirtschaft Golzow GmbH.

Carla Bork vom Bauordnungsamt in Strausberg erklärt den jetzigen Baustopp so, dass Hähnchenmist aus Golzow in Reitwein zwischengelagert werden solle. "Es verhält sich so, dass der anfallende Hähnchenmist aus der Hähnchenmastanlage am Standort Golzow nach Reitwein verbracht werden soll. Und diese Mengen sind in der Emissionsschutzrechtlichen Beurteilung der Anlage in Reitwein nicht berücksichtigt worden." Im Antrag für die Hähnchenmastanlage in Golzow ist eine solche Zwischenlagerung jedoch vermerkt, so Bork weiter.

"Wir würden niemals gegen so eine Genehmigung verstoßen"

Geschäftsführer Detlef Brauer von der Landwirtschaft Golzow GmbH zeigt sich vom Stopp des Bauamtes überrascht. "Sie hatten unter Maßgabe, dass kein Mist gelagert werden darf eine Genehmigung erteilt. Und genau das wird auch später stattfinden." Brauer zufolge sollte der Mist der Hähnchen aus Golzow in Reitwein nicht zwischengelagert werden. "Selbst wenn wir das vorhätten, dürften wir das nicht, weil die Genehmigung das nicht vorsieht. Und wir würden niemals gegen so eine Genehmigung verstoßen."

Pläne für weitere Anlagen

Detlef Brauer erklärt, dass der Hähnchenmist aus Golzow in die Biogasanlage in Neuhardenberg gebracht werden soll. Vorausgesetzt, der Hähnchenmastbetrieb wird irgendwann fertiggestellt. Denn auch für das Vorhaben in Golzow gab es schon im Sommer einen Baustopp durch das Oberverwaltungsgericht.

Die Landwirtschaft Golzow GmbH will nun gegen den Stopp des Bauamtes für Reitwein vorgehen. Außerdem ist auch schon ein neues Projekt geplant: eine Mastanlage für fast 60.000 Hähnchen in der Kreisstadt Seelow.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.11.2020, 16:10 Uhr

Die Landwirtschaft Golzow GmbH will nun gegen den Stopp des Bauamtes für Reitwein vorgehen. Außerdem ist auch schon ein neues Projekt geplant: eine Mastanlage für fast 60.000 Broiler in der Kreisstadt Seelow.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.11.2020, 16:10 Uhr

13 Kommentare

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  1. 13.

    Das Problem liegt in der Gesetzgebung: Wenn ein Sachbearbeiter für Planungsrecht im Bauamt einen Fehler macht und genehmigt, dann wird dieser Fehler nicht mehr rückgängig gemacht. Das Verwaltungsrecht will einen Bürgerwiderstand nicht zulassen, es sei denn, es gibt genügend einzelne, rein private (!) Gründe ohne andere Gründe zu addieren. Diese Gründe sind aber in der Menge und Qualität vom Richter subjektiv zu beurteilen. Damit ist jeder Widerstand im Keim erstickt. Der Fehler "läuft" durch. Auch wenn in weiteren Jahren Bauanträger sich auf diese, bereits stehende, Anlage berufen, muss genehmigt werden: man nennt das auch Nachverdichtung. D.h. eine Entscheidung des Bauamtes (egal in welche Richtung) ist sehr sehr schwer angreifbar und solange sich hier nichts ändert wird das arrogant anscheinende willkürliche Gehabe an dieser Stelle nicht aufhören.

  2. 12.

    "Ausschlaggebend ist die Mist-Entsorgung des Geflügels" ja sacht mal...das kann doch nicht wahr sein...es geht hier doch um das Wohl der Tiere und nicht wohin mit dem Mist....!!! wenn schon Tiere halten dann überhaupt nur artgerecht....das es echt Menschen gibt die solch gehaltene Tiere essen können.....so viel Leid auf einen Haufen in sich reinzuschaufeln....mir unverständlich....

  3. 11.

    Gut so. Zumindest muss solche Massen Tierhaltung verboten werden.

  4. 10.

    Wagt es nicht mal ansatzweise, uns hier in Seelow so eine Anlage hin zu setzen!!Niemals träumt weiter.

  5. 9.

    Herr Brauer und der Landrat und gelernte Agraringeneur(!) Gernot Schmidt sollten langsam einsehen, dass sich die Zeiten ändern! Selbst alteingesessene Oderländer spielen nicht mehr mit, wenn Tierindustrielle aus dem Westen, die dort nur verbrannte Erde hinterlassen haben, jetzt meinen, es hier im Osten nochmal versuchen zu können. Doch diese Zeiten sind vorbei!

  6. 8.

    Antibiotische Keime gibt es nicht. Es gibt Keime und Antibiotika. Erreger gibt es bei so gehaltenem = gequälten Geflügel zur Genüge, dagegen setzt man Antibiotika ein, sogar Reserve~. Die ißt man dann mit dem Fleisch, und wenn man mal welche braucht, wirken sie oft nicht mehr, weil die Erreger resistent geworden sind. Dafür sind die Reserveantibiotika gedacht, aber wenn man die auch in der Massentierhaltung einsetzt... Den Rest können Sie sich denken. Es wird schon lange gewarnt...

  7. 7.

    Was für eine Parallele? Durch solch eine Anlage werden auch antibiotische Keime verbreitet. Glaube kaum das man sowas mit Tesla vergleichen kann, fall sie sich auf Immissionen beziehen.

  8. 6.

    Danke.

  9. 5.

    Sehr gut - solche Mastanlagen gehören einfach verboten!!

  10. 4.

    Hört endlich auf, Tiere zu essen, und schon ist das Problem gelöst. Wenn keiner das Zeug kauft, ist es auch nicht lukrativ, die Viecher zu züchten..

  11. 3.

    Kann man oder muss man Parallelen ziehen zu Tesla Grünheide?

  12. 2.

    Typischer Großbauer, der denkt für ihn gelten keine Gesetze.
    Nebenbei, er ist ein guter Profiteur von EU-Geldern, d.h. kein Umweltschutz oder nachhaltige Bewirtschaftung, er besitzt nur ordentlich viel Fläche.

  13. 1.

    Einfach nur ekelhaft. Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit einer Menschenmastanlage?

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