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Video: rbb|24 Abendschau | 16.02.2024 | Material: rbb24 Abendschau | Quelle: dpa/Sommer

Tod im Straflager

Tod von Kreml-Kritiker Nawalny bestätigt

Der russische Kreml-Gegner Alexej Nawalny ist am Freitag in Haft gestorben. Vor der russischen Botschaft in Berlin versammelten sich mehr als 1.000 Menschen in Gedenken. Inzwischen hat sein Team Nawalnys Tod bestätigt.

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist in Russland in Haft gestorben. Der 47-Jährige habe sich am Freitag nach einem Hofgang in seiner sibirischen Strafkolonie "unwohl gefühlt" und "fast sofort das Bewusstsein verloren", teilte die Gefängnisverwaltung am Freitag mit. Eine Krankenwagenbesatzung habe vergeblich versucht, ihn wiederzubeleben.

Mittlerweile hat auch das Team des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny dessen Tod bestätigt. Das teilte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch am Samstag bei X unter Berufung auf Nawalnys Mutter mit. Sie war in das Straflager im Norden Russlands gereist und habe dort die Nachricht über den Tod ihres Sohnes erhalten, so Jarmysch.

Nawalny-Anhänger in Berlin planen für Sonntag weitere Proteste vor der russischen Botschaft.

Putin-Gegner

Nawalny nach Entlassung aus Charité weiter in Berlin

Kreml-Gegner Alexej Nawalny ist aus der stationären Behandlung in der Berliner Charité entlassen worden. Sein Zustand hat sich gebessert. Der 44-Jährige hält sich nach ARD-Informationen weiter in Berlin auf.

Nawalny galt als der größte politische Feind von Präsident Wladimir Putin. Er war zu 19 Jahren Lagerhaft verurteilt worden, unter anderem unter dem Vorwurf des Extremismus. Die Vorwürfe gegen ihn nannte Nawalny politisch motiviert - seine politische Bewegung wurde verboten, enge Mitarbeiter wurden inhaftiert oder flohen ins Ausland.

Nawalny selbst saß seit Januar 2021 in Haft, zuletzt war er in ein Straflager hinter dem Polarkreis verlegt worden. Er führte immer wieder Klagen gegen den Strafvollzug wegen Verletzung seiner Rechte. Er nutzte die Gerichtsauftritte nicht zuletzt zur beißenden Kritik an Putins autoritärem System und Moskaus Krieg gegen die Ukraine.

[Hier finden Sie die Meldung der Tagesschau.]

Protest vor der russischen Botschaft (Quelle: rbb) | Quelle: rbb

Proteste vor der russischen Botschaft in Berlin

Nach dem Tod Nawalnys sind weitere Demonstrationen gegen Russlands Präsident Wladimir Putin und seine Regierung angekündigt worden. Die größte soll am Sonntagnachmittag vor der russischen Botschaft in Berlin stattfinden, teilte die Kampagne FreeNavalny in Deutschland am Samstag mit. Man rechne mit 500 oder mehr Teilnehmern, sagte der Koordinator der Kampagne, Eugene Nasyrov, der Deutschen Presse-Agentur.

Nach der Todesnachricht am Freitagnachmittag ist es zu Demonstrationen vor der russischen Botschaft in Berlin-Mitte gekommen. Die Polizei sagte dem rbb, es seien zwei Versammlungen angemeldet worden: eine von 14.00 bis 17.00 Uhr und eine von 17.00 bis 19.00 Uhr.

Gegen 18:30 Uhr hatten sich nach Polizeischätzungen rund 1.100 Menschen versammelt. Die Veranstaltung habe "Mahnwachen-Charakter". Auf Plakaten waren Sätze wie "We all know it's you who killed Navalny and we will not forgive" (Wir alle wissen, dass es ihr wart, die Nawalny getötet habt und wir werden nicht vergeben) zu lesen.

Der nördliche Fahrbahnbereich Unter den Linden sei für den Verkehr gesperrt worden, so die Polizei.

2020 einen Monat lang in Behandlung in Berlin

Vor dreieinhalb Jahren war Nawalny am 20. August 2020 auf einem Flug vom sibirischen Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Zunächst wurde der Oppositionspolitiker nach einer Notlandung in einem Krankenhaus in Omsk behandelt.

Weil eine Vergiftung und eine mögliche Vertuschung vermutet wurden, drängten seine Anhänger und seine Familie auf eine Verlegung Nawalnys von Sibirien nach Berlin. Zwei Tage später wurde Nawalny dann auch zur Behandlung in die Berliner Universitätsklinik Charité gebracht.

Nach seiner Einlieferung wurde er in ein künstliches Koma versetzt. Insgesamt wurde er einen Monat lang in Berlin behandelt - 24 der insgesamt 32 Tage verbrachte er auf der Intensivstation.

Quelle: AP

Untersuchungen eines Speziallabors der Bundeswehr zufolge wurde Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Labore in Frankreich und Schweden bestätigen den deutschen Befund. Moskau wies den Verdacht, den Oppositionspolitiker gezielt vergiftet zu haben, zurück. Nawalnys behandelnde Ärzte im sibirischen Omsk hätten zudem keine Giftspuren finden können.

Nach der Behandlung in der Charité hielt sich Nawalny noch länger in Berlin auf und wurde rund um die Uhr von der Polizei bewacht. Am 17. Januar 2021 kehrte er dann nach Russland zurück - und wurde noch am Flughafen verhaftet.

Mit Medienpreis M100 in Potsdam ausgezeichnet

Im Jahr 2021 ging der Preis der Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium an Nawalny und seine Antikorruptionsstiftung. Damit sollte laut Veranstalter ein deutliches Zeichen gesetzt werden - für die Bedeutung der Verteidigung europäischer Werte durch eine unabhängige Opposition und Zivilgesellschaft, faire Justizverfahren und das Recht auf Ausübung grundlegender Menschenrechte.

Nawalny wurde international als politischer Gefangener anerkannt. Die USA, die EU sowie die Bundesregierung hatten sich in den vergangenen Wochen immer wieder besorgt gezeigt und die russische Führung aufgefordert, über Nawalnys Verbleib zu informieren. Russland wies dies aber als Einmischung in seine inneren Angelegenheiten zurück.

"Der Tod von Alexej Nawalny zeigt einmal mehr, wie ungeheuerlich Putins Regime ist", teilte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auf X (vormals Twitter) mit: "Menschliches Leben ist in diesem Russland nicht viel wert. Mit Alexej Nawalny stirbt ein Teil des offenen, demokratischen, des europäischen Russlands." Der Tod sei auch eine Botschaft: "Wir Europäer müssen dringend wehrfähiger werden", so Wegner. Putins Regime mache vor nichts halt - außer vor einer glaubwürdigen und resoluten Abschreckung.

Sendung: rbb24 Inforadio, 17.02.2024, 11:50 Uhr

 

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