Der "Gabenzaun" am Richardplatz in Neukölln im März 2020. (Quelle: rbb/Hendrik Schröder)
Bild: rbb/Hendrik Schröder

Spenden in Neukölln entfernt - "Missverständnis" führte laut BSR zur Räumung des Gabenzauns

In Zeiten von Corona mag sich sicher so mancher Bedürftige über Angebote freuen wie "Gabenzäune", mit angehängten Spenden. Doch in Neukölln wurde ein Zaun von der BSR abgeräumt. Die Stadtreinigung spricht inzwischen von einem Missverständnis.

Was Sie jetzt wissen müssen

Wegen der Corona-Krise ist in Berlin große Solidarität zu spüren und zu sehen. In vielen Kiezen hängen Zettel mit Hilfsangeboten aus, Nachbarn bieten sich gegenseitig Unterstützung an und an einigen Stellen in der Hauptstadt gibt es "Gabenzäune". Hier können Anwohner Kleidung, Schuhe und Lebensmittel für Bedürftige hinterlassen. 

BSR will Mitarbeiter sensibilisieren

Ein solcher Gabenzaun ist am Montag von der Berliner Stadtreinigung (BSR) weggeräumt worden. Die Berliner Stadtreinigung bestätigte das am Dienstag auf Twitter und schrieb von einem "Missverständnis", das zur Entsorgung des Gabenzauns durch Einsatzkräfte geführt habe. "Das tut uns leid und wir entschuldigen uns dafür. Um so etwas künftig zu vermeiden, sensibilisieren wir derzeit unsere Beschäftigten fürs Thema Gabenzäune", heißt es in dem Tweet.

Bezirk weist Mitschuld zurück

Der Journalist Benjamin Rietdorf hatte auf Twitter auf diesen Vorfall hingewiesen und Fotos des besagten Zaunes vor und nach der Räumung gezeigt. Vom Bezirksamt Neukölln hieß es daraufhin, man unterstütze "selbstverständlich Gabenzäune". Auf Twitter betonte der Bezirk, die Räumung sei nicht auf Wunsch des Bezirksamts vollzogen worden. "Wir haben keinen Gabenzaun abräumen lassen und werden das auch nicht tun. Stattdessen sind wir über die Welle der Solidarität in Neukölln beeindruckt und unterstützen, wo wir nur können."

Erst am Montag hatte das Bezirksamt Neukölln gemeldet, es stelle "ab sofort 10.000 Euro für Sachmittel bereit, die für ehrenamtliche Arbeit im Zusammenhang mit der Corona-Krise gebraucht" würden. Pro Vorhaben stünden bis zu 800 Euro zur Verfügung, die für ehrenamtliche Tätigkeiten übernommen werden können.

Sendung: Abendschau, 24.03.2020, 19:30 Uhr

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11 Kommentare

  1. 11.

    was heißt hier normal? Der Mann hat recht. Normal heißt noch lange nicht grammatikalisch richtig. Im Magdeburger Raum und In der Börde ist es normal mir und mich zu "verwechseln" - richtig ist es dennoch nicht.

  2. 9.

    "Das tut uns leid und wir entschuldigen uns dafür."
    Gut dass sie sich selbst entschuldigen. Dann brauchen weder Spender noch Bedürftige darüber nachdenken ob s i e es entschuldigen.
    Wenn es denen wirklich leid täte, würden sie "um Entschuldigung bitten".
    Sonst könnte jeder der Mist baut sich selbst entschuldigen und alles ist gut.

  3. 8.

    Ja, oft schwer zu unterscheiden, was eine brauchbare Gabe und was nur Müll ist. Leider nutzen einige jede Gelegenheit, um ihren Müll auf diese Art zu entsorgen. Beliebt ist, etwas Schrottiges auf die Straße zu stellen und eine „zu verschenken“ Schild dranzuhängen. Altes durchgesessenes Sofa? Ach, kann bestimmt jemand gebrauchen und schwuppdiwupp auf die Straße damit. Gaben kann man auch bei ehrenamtlichen Einrichtungen abgeben. Nur weil jemand obdachlos ist, nimmt er nicht jeden Schrott.

  4. 7.

    Ob Gabe oder illegale Müllentsorgung mag auch gern mal im Auge des Betrachters liegen. Die Ordnungsamts- und BSR-Mitarbeiter, die jetzt "sensibilisiert" werden, werden sicher die nächsten illegalen Müllhaufen im öffentlichen Straßenland "ganz sensibel" übersehen.
    Dit is Berlin

  5. 6.

    ... wenn es denn ein Mißverständnis der BSR war und die ihre Schuld ja eingestanden hat, warum nimmt man dann nicht (Firmen)-Geld in die Hand um an dem Zaun wieder was zu platzieren? Nennt sich Schadenersatz und wäre eigentlich das mindeste. Auch für den öffentlichen Dienst. So arm ist das Land Berlin auch wieder nicht.

  6. 4.

    Das ist doch wohl eine Riesensauerei. Was für einen iQ haben Ordnungsamtsmitarbeiter wohl ?
    Sieht zwar nicht sonderlich schön aus, hilft aber doch den Bedürftigen. Es wird sehr Zeit, daß dort mal richtig aufgeräumt wird. Sollten lieber mal Straßen und Parks aufräumen und die Bedürftigen in Frieden lassen.
    Liebe Grüße aus Steglitz

  7. 3.

    Die Müllhalde kann ich mir gut vorstellen. Ich habe lange Jahre in der Richardstraße gewohnt. Das dauert keine 15 Minuten. Wer etwas geben will, kann den Bedürftigen oder Obdachlosen ja ansprechen. Anonym Dinge auf die Straße stellen oder an Zäune hängen geht einfach nicht.

  8. 2.

    Ist doch ein Witz! Ich bin gestern an dem "Gabenzaun" vorbei gegangen. Die BSR hat diese Müllhalde zu Recht geräumt. Dort hingen nur Lumpen und ein alter BH.

  9. 1.

    Da freuen sich doch die echten Ratten über den neuen Gabentisch und müssen nicht erst im Müll suchen. Den Bedürftigen ist damit nicht geholfen.

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