Ein Mann mit einem Kind auf dem Arm und einem an der Hand wirft einen Schatten auf eine mit bunten Handabdrücken bemalte Wand, Symbolbild (Quelle: DPA/Peter Kneffel)
Bild: DPA/Peter Kneffel

Berlin - Vermittlung von Pflegekindern in Corona-Zeiten stark eingeschränkt

Nach einer Kampagne für Pflegeeltern haben sich viele Berliner gemeldet, die gern ein Kind aufnehmen möchten. Doch wegen der Corona-Krise kann momentan nur eingeschränkt vermittelt werden. Die zuständigen Stellen müssen sich auf akute Fälle beschränken.

Die berlinweite Plakatkampagne für neue Pflegefamilien war aus Sicht der Organisatoren erfolgreich. "Es haben sich deutlich mehr Interessenten bei uns gemeldet", sagte Peter Heinßen, Geschäftsführer der Familien für Kinder gGmbH, der Nachrichtenagentur DPA. Laut Heinßen dürfe es aber nicht bei dieser einmaligen Aktion bleiben. "Mindestens einmal im Jahr muss intensiv um weitere Pflegefamilien geworben werden", betonte Heinßen. Die aktuelle Corona-Krise sorgt dafür, dass momentan aber nur eingeschränkt vermittelt wird

Im September 2019 - nach dem Start der Kampagne - meldeten sich demnach 82 Bewerber. Im Vorjahresmonat, dem September 2018, waren es nur 24 Anfragen. In der Vorweihnachtszeit 2019 sei die Zahl leicht zurückgegangen. Im Januar 2020 hätten sich dann wieder fast so viele Interessierte wie im September 2019 gemeldet. "Auch bei den Besuchen auf unserer Homepage haben wir einen deutlichen Anstieg registriert", berichtet Geschäftsführer Heinßen. Seine Gesellschaft betreibt unter anderem die Landesberatungsstelle Vollzeitpflege Berlin.

Überprüfungsprozesse derzeit nur eingeschränkt möglich

Wie viele Kinder nun zusätzlich vermittelt werden können, lasse sich aber noch nicht abschätzen. "Vom ersten Kontakt mit einem Bewerber bis zur Vermittlung eines Kindes dauert es im Schnitt neun Monate", so Heinßen. Und durch Corona verlängern sich die Wartezeiten noch: "Überprüfungsprozesse von Pflegeelternbewerbern können derzeit nicht in vollem Umfang durchgeführt werden und werden überwiegend verschoben", erklärt Iris Brennberger, Sprecherin der Senatsverwaltung für Familie. Doch auch unter den erschwerten Bedingungen komme es weiterhin zu Vermittlungen - derzeit in erster Linie in akuten Fällen, bei denen es um Kinderschutz geht.

Die personellen Kapazitäten in der Pflegekinderhilfe seien insgesamt aber stabil. "Die Fachkräfte arbeiten abwechselnd unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes im Büro oder im Homeoffice", so Brennberger. Kontakte zu Kindern würden weitgehend telefonisch und oder per Video organisiert.

Hunderte Pflegekinder, Tausende Heimkinder

In den bestehenden Pflegefamilien verlaufe das Leben meist erstaunlich gut. "Durch die Schulschließungen fällt ein ganz großer Stressfaktor weg", so Heinßens Erfahrung. Auch Iris Brennberger bestätigt das Bild: "Die Rückmeldungen aus den Pflegefamilien zum Umgang mit den Kontakteinschränkungen sind größtenteils positiv. Sie versuchen zusammen mit den Kindern den Alltag möglichst entspannt zu gestalten und werden dabei von den Fachkräften auch mit regelmäßigen Mails unterstützt".

Ende 2019 lebten laut Senatsverwaltung fast 2.300 Kinder in knapp 1.900 Pflegefamilien. Mehr als 6.200 Kinder und Jugendliche wohnten in Heimen, Wohngruppen und anderen Einrichtungen.

Als Pflegeeltern können sich verheiratete und unverheiratete Paare, gleichgeschlechtliche Paare - Paare mit oder ohne leibliche Kinder, Singles, alleinstehende und alleinerziehende Mütter und Väter oder Patchwork-Familien bewerben.

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