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Audio: Antenne Brandenburg | 02.01.2021 | Dorett Kirmse | Quelle: ubs

Uckermärkische Bühnen Schwedt

Ruf vom Theaterdach als Muezzin der Kultur

Mit einer ungewöhnlichen Aktion will André Nicke, der Intendant der Uckermärkischen Bühnen Schwedt, auf die Situation von Kunst und Kultur im Lockdown aufmerksam machen. Täglich rezitiert er auf dem Dach des Hauses ein Gedicht, während drinnen Proben laufen.

Die Corona-Pandemie hat die Kulturstätten in Berlin und Brandenburg schwer getroffen. Seit Monaten sind Theater, Bühnen und Kinos geschlossen. Doch trotz Aufführ-Verbot vor Publikum wird hinter den Kulissen vielerorts geprobt und vorbereitet, so dass es nach dem Ende des Lockdowns sofort wieder losgehen kann. So auch an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt (UBS). Intendant André Nicke steigt seinem Theater deswegen sogar wortwörtlich jeden Tag aufs Dach, um mit einer ungewöhnlichen Aktion Kultur unter die Leute zu bringen.

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Poesie liegt über der Stadt

Jeden Morgen pünktlich um kurz vor 10 Uhr steht Nicke in luftiger Höhe auf dem Theaterdach und rezitiert Poesie. Durch sein Megafon schallt es lautstark über die Stadt: "Ein Gedicht für Schwedt! Ach, was soll der Mensch verlangen? Ist es besser, ruhig bleiben? Klammernd fest sich anzuhangen?"

Es ist bereits die dritte Woche, in der der Intendant die Schwedter mit Werken verschiedener Dichter beglückt. Ausgewählt werden die nach der jeweiligen Tagesstimmung. Und die Worte aus Goethes Beherzigung könnten auch in der Corona-Zeit entstanden sein. Sie sollen vor allem Mut machen, so Nicke. "Ich kann das Meckern nicht mehr hören. Jeder erhebt sich und weiß es besser. Wir überschauen sowieso nur unseren eigenen kleinen Lebensumkreis. Aber es für große Gemeinschaften und ganze Staaten zu organisieren, diese Aufgabe wünsche ich niemandem. Wir brauchen Vertrauen und Zuversicht."

Entstanden sei die Idee nach Vorbild von Kirchenglocken und den Muezzins auf den Minaretten. Vom Dach des Theaters werde nun auch zum Glauben an die Kultur aufgerufen.

Kultur trotz Lockdown

Mehrere Premieren wurden auch an den Uckermärkischen Bühnen auf unbestimmte Zeit verschoben. Trotzdem gibt es Kunst und Kultur zu erleben. Darauf will Nicke mit seiner Aktion aufmerksam machen. "Ich habe gespürt, du musst handeln und dich verständlich machen. Es ist wichtig, welche Botschaften man sendet und wie erzählt man seine eigenen Geschichten. Alle glauben die Theater sind geschlossen. Aber wir arbeiten und proben. Wir dürfen nur keine öffentlichen Veranstaltungen durchführen. Das ist ein großer Unterschied."

Schauspieler Dominik Müller liest am Telefon | Quelle: Udo Krause ubs

Als weitere Idee Kultur in den Alltag zu bringen, bieten die Bühnen ab dem 3. Februar das sogenannte "literarische Telefon" an. Dafür können sich Interessierte über die Theaterkasse anmelden und bekommen dann kostenlos einen Anruf der Schauspieler, die am Telefon eine 20-minütige Lesung veranstalten [www.theater-schwedt.de].

Mitarbeiter helfen in anderen Bereichen aus

Laut Nicke werden bei den alltäglichen Proben die geltenden Abstandsregeln beachtet und alle Ensemble-Mitglieder müssen sich zwei Mal pro Woche einem Corona-Test unterziehen. Aktuell laufen in Schwedt die Proben zum Musical "Linie 1". Geplant ist die Premiere eigentlich für den 9. April. Nicke und sein Ensemble hoffen auf den Termin. Falls die Theater schon vor Ostern wieder öffnen können, wovon Nicke nicht ausgeht, könnte der Spielbetrieb innerhalb von einer Woche wieder hochgefahren werden.

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Allerdings sind auch UBS-Mitarbeiter, wie etwa Bühnenbauer, Ton- und Lichttechniker oder Maskenbildner, derzeit teilweise in Kurzarbeit. Sie sollen an anderer Stelle aushelfen. So wird unter anderem ein Fahrservice zum Impfzentrum in Prenzlau angeboten. Außerdem werden sie in der Stadtverwaltung Schwedt eingesetzt, wie Nicke berichtet.

Die Unterstützung der Mitarbeiter in anderen gesellschaftlichen Bereichen ist auch Teil der Vereinbarung "Brandenburger Weg". Auf diesen hatten sich Kulturministerin Manja Schüle (SPD) und zwölf Brandenburger Kunst- und Kultureinrichtungen am 22. Januar verständigt. In der Vereinbarung ist unter anderem auch festgehalten, dass während des Lockdowns analoge und digitale Konzepte erarbeitet werden sollen. Unterzeichner sind neben André Nicke etwa auch das Staatstheater Cottbus, das Hans-Otto-Theater Potsdam sowie das Brandenburgische Staats- und das Deutsche Filmorchester.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.01.2021, 15:10 Uhr

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