Wildschwein
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Interview | Landesbauernverband Brandenburg - "Das Problem bei der Schweinepest-Ausbreitung ist der Mensch"

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich in Polen Richtung Deutschland aus. Tino Erstling vom Landesbauernverband erklärt, warum Zäune gegen die Seuche helfen könnten, Aufklärung und Vorsicht aber besser wären.

rbb: Herr Erstling, in Polen rückt die Afrikanische Schweinepest - kurz ASP - immer näher an die deutsche Grenze heran. Wie sehen Sie die Präventivmaßnahmen von Landes- und Kreisbehörden?

Weil die ASP näher an Deutschland heranrückt, müssen wir erhöhte Vorsichtsmaßnahmen treffen. Die Bauern intensivieren ihre Sicherheitsmaßnahmen und das Land beginnt jetzt damit, einen Schutzzaun zu ziehen. Dabei kommen Elektro- und Duftzäune zum Einsatz. Das ist eine Möglichkeit, die Einschleppung der ASP zu verhindern. Aber ein hundertprozentiger Schutz kann das natürlich nicht sein.  

Wie sehen die Sicherheitsmaßnahmen der Bauern aus?

Die Betriebe wollen erreichen, dass infiziertes Schwarzwild nicht auf die Höfe gelangt. Das heißt, Futter muss Schwarzwild-sicher gelagert werden. Die Umzäunung der Höfe muss Schwarzwild-sicher sein. Die Zäune müssen regelmäßig kontrolliert werden. Dann muss sichergestellt werden, dass Menschen, die mit Schwarzwild in Kontakt gekommen, keinen Zugang zum Hausschweine-Bestand haben. Das sind alles Dinge, um das Risiko zu minimieren.

Stanislaw Mysliewiec, Chef des Bauernverbandes in der polnischen Region Lebuser Land - nahe der deutschen Grenze -, sagt, diese Zäune seien ziemlich sinnlos. Er wünscht sich stattdessen verstärkte Bejagung. Können Sie dieser Ansicht folgen?

In Tschechien hat man sehr positive Erfahrungen gemacht mit dieser Art von Zäunen. Von daher hoffen wir, dass die auch bei uns ihre Wirkung entfalten können. Aber in Polen hat man natürlich damit recht, dass die verstärkte Bejagung des Schwarzwildes unabdingbar ist, um die ASP einzugrenzen.

Was ist aus Ihrer Sicht sonst noch nötig?

Wichtig wäre aus unserer Sicht eine Informationskampagne der Landesregierung, die die Bürger nochmal dezidiert darauf hinweist, dass die Einfuhr von frischem Schweinefleisch beziehungsweise Wurstwaren aus Polen im Moment hochproblematisch ist. Wenn davon Reste weggeworfen werden und das Schwarzwild da rankommt, dann kann das schon ausreichen, um die ASP nach Deutschland einzuschleppen. Das muss unbedingt verhindert werden. Das große Problem bei der Ausbreitung der ASP ist tatsächlich der Mensch.

Der ASP-Virus hält sich über sehr viele Monate im Fleisch und wir müssen alle Vorkehrungen treffen, damit der Virus bei uns nicht eingeschleppt wird. Es gibt auch Hausschlachtungen und so weiter. Es geht einfach darum, das Risiko zu minimieren.

Was würde die Einschleppung der Schweinepest nach Brandenburg wirtschaftlich bedeuten?

In dem Moment, in dem die ASP nach Deutschland eingeschleppt wird, gibt es einen Exportstopp für Schweinefleisch aus ganz Deutschland. Wenn Sie etwa einen Schweinebetrieb in einer Schutzzone haben, unterliegen Sie einem Verbringungsverbot, sobald die ASP in dieser Schutzzone auftritt. Das heißt, Sie bekommen Ihre Schweine nicht mehr verkauft. Das bedeutet hohe Einbußen und ist eine Katastrophe für die Schweinehalter. Auch deshalb ist es so wichtig, dass wir möglichst verhindern, dass die ASP nach Brandenburg eingeschleppt wird. Gehen Sie davon aus, dass allen schweinehaltenden Betrieben der Ernst der Lage bewusst ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Fred Pilarski, Studio Frankfurt (Oder)

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.12.2019, 16:40 Uhr.

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