Symbolbild: Rinder stehen auf einem Ökohof. Die großen deutschen Handelskonzerne verständigen sich auf ein einheitliche Kennzeichnung der Haltungsbedingungen von Schlachttieren. (Quelle: dpa/M. Gambarini)
Audio: Antenne Brandenburg | 08.07.2020 | Bild: dpa/M. Gambarini

Anzeigen nach Tiertransporten - "Viehtransporte außerhalb der EU halte ich für kritisch"

Bis nach Usbekistan sollen lebende Rinder transportiert worden sein, ohne richtig versorgt zu werden - Tierschützer haben daher auch Brandenburger Veterinäramter angezeigt. Bauerverbandschef Wendorff sieht bei solchen Transporten auch die Tierhalter in der Pflicht.

Nachdem Tierschützer drei Brandenburger Veterinärämter wegen Tiertransporten in Nicht-EU-Staaten angezeigt haben, kritisiert auch Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbands, Viehtransporte in Länder außerhalb der EU. Zur Begründung sagte er am Mittwoch gegenüber dem rbb, dass hier nicht das europäische Recht gelten würde und "sich Partner beteiligen, auf die man keinen Einfluss mehr hat".

"Hier sind alle in der Verantwortung"

Einerseits seien Viehtransporte für die Zucht und auch für den Absatz relevant, sagte Wendorff. "Auf der anderen Seite müssen die Bedingungen, unter denen die Tiere transportiert werden - insbesondere durch Transportunternehmen -, den hygienischen und tierschutzrechtlichen Anforderungen genügen." Hier trügen nicht nur die Behörden, sondern auch Tierhalter und Züchter in Brandenburg Verantwortung, dass die "hohen Standards" eingehalten würden, sagte Wendorff. "Es ist aber auch schwierig, wenn ein Tierhalter auf Brandenburger Seite alle Regeln einhält, die dann bis zum Empfängerland nachzuvollziehen und nachzukontrollieren. Hier sind alle in der Verantwortung, die mitwirken - und dazu gehören natürlich auch die Landwirte."

Zu den Vorwürfen der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" sagte Wendorff: "Ich kann bisher nicht einschätzen, ob hier der eine oder andere Landkreis nachlässig gehandelt hat. Aus der Vergangenheit ist das eigentlich nicht zu beurteilen." Die Messlatte liege sehr hoch. "Und die Akteure am Markt wissen das auch und handeln eigentlich entsprechend."

Archivbild: Henrik Wendorff, Praesident des Landesbauernverbandes Brandenburg, betrachtet die Aehren eines Gerstenfeldes in Brandenburg. (Quelle: imago images/J. Schmitz)Präsident des Bauernverbandes Brandenburg, Henrik Wendorff

Probleme bei Tönnies weiterhin spürbar

Nach der anhaltenden Schließung von Deutschlands größtem Schlachthof Tönnies in Nordrhein-Westfalen, hätten viele Brandenburger Viehhalter weiterhin Probleme, ihre Tiere schlachten zu lassen, sagte Wendorff "Die Situation für die Tierhalter ist nach wie vor angespannt." Daher suchten einige Landwirte nach alternativen Schlachtmöglichkeiten.

Suche nach Alternativen

Durch die Umlenkung auf die Schlachthöfe in Perleberg (Prignitz) und Weißenfels (Sachsen-Anhalt) sei es mittlerweile gelungen, einen "Anstau von schlachtreifen Tieren" in Brandenburger Betrieben zu vermeiden, so Wendorff weiter. Sicher würden bei Geflügel auch vermehrt Schlachtereien in Polen angefahren, sagte Wendorff. "Ich halte auf Dauer die grenzübergreifenden Absatzwege für schwer realisierbar, weil auch die dortigen Kapazitäten begrenzt sind."

Die zwei Anfang Juli bestätigten Corona-Fälle in einem Geflügelbetrieb in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) würden derweil nicht zu Produktionsproblemen in der Region führen. Der Betrieb laufe unter Beobachtung des zuständigen Veterinäramtes weiter.

Da die Haltungsdauer bei Geflügel mit lediglich sieben bis acht Wochen geringer ist, könne laut Wendorff dort kurzfristig und flexibel regiert werden. Ein anwachsender Tierbestand sei deshalb nicht absehbar.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.07.2020, 13:30 Uhr

Berichtigung: In einer früheren Version des Artikels hatten wir behauptet, der Landesbauernverband spreche sich gegen Viehtransporte in Nicht-EU-Länder aus. Dies ist nicht korrekt. Tatsächlich kritisiert der Vorsitzende die Transporte zwar, ist aber gegen deren Verbot.

Beitrag von Tony Schönberg

10 Kommentare

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  1. 10.

    Es ist skandalös wie rücksichtslos mit diese armen Tiere umgegangen wird. Die Tiere sind diese Machenschaften ausgeliefert und müssen unendliches Leid ertragen. Es ist doch bekannt wie die Tiere dort behandelt werden. Die Massentierhaltung hier in Europa ist schon schlimm genug. Wann endlich hört das alles auf? Es ist unerträglich zu wissen was mit diese armen Geschöpfe geschieht. Liebe Leute hört endlich auf billiges Fleisch von gequälten Tieren zu essen, damit schadet ihr euch selber. Ohne Fleisch lebt es sich besser, glauben Sie mir. Der Verbraucher hat die Macht. Die Wahrheit ist leider so, Grill für 1500 € und billiges Fleisch drauf.
    Um auf das Thema zurück zukommen, natürlich müssen diese Transporte verboten werden, und das so schnell wie möglich.

  2. 9.

    Und eben darum dürfen sie keine lebenden Tiere von uns geliefert bekommen.-

  3. 8.

    Zitat: "Da der Wohlstand nicht mehr in Deutschland ist, wird mehr exportiert."

    Wie bitte? Weil sich die Deutschen IMn immer weniger Fleisch leisten können, muss es notgedrungen exportiert werden? Das kann nicht Ihr ernst sein, Roy.

  4. 7.

    Kann mich nur anschließen.
    Aber auch innerhalb der EU ist es nicht viel besser.
    Da sollten die Grünen sich mal endlich drum kümmern.
    Dann wäre ihr Name eventuell ein bißchen gerechtfertigt.

  5. 6.

    Ich stimme Ihnen,in allem was Sie schreiben voll zu.
    Das ist Tierquälerei und die Tiere haben ein Seele und die spüren ganz genau ,was der Mensch mit ihnen vor hat.
    Die sich da mit dem Leid und Qual der Tiere noch die Taschen mit Euros vollstopfen .die haben kein Herz ,die haben ein Stein in der Brust,
    Ich esse seit zwei jahren kein Fleisch und Wurst mehr.
    Kein Politiker hat nun endlich mal den Mumm in den Knochen und haut mal auf den Tisch um endlich den Tieren ein artgerechtes Leben zu geben und die Tiertransporte zu stoppen.
    Jeder sieht nur sich selber und sein Profit .Es ist zum k.........

  6. 5.

    Da der Wohlstand nicht mehr in Deutschland ist, wird mehr exportiert. Die Chinesen haben nicht nur Hunger, sondern auch das Geld. In Entwicklungsländern ist es völlig normal, dass Verstöße begangen werden (können).

  7. 4.

    Lieber Peter, da sind Sie schlecht informiert. Es geht keineswegs darum, ob das Schlachten irgendwo anders billiger ist. Es geht darum, dass man Tiere von hier ins Ausland transportiert, dort schlachten lässt und mit vielen Steuersubventionen wieder ins Inland einführt. Ein Betrugssystem, das unser Staat geschaffen hat. Und damit sehr viel Tierleid verursacht. Es wird Zeit, dass die Steuergesetze zu diesem Thema endlich geändert werden.
    Ich persönlich ziehe daraus den Schluss noch weniger Fleisch als bisher zu essen. Lieber ein teures Schnitzel im Monat als dieser Discounter-Dreck, der mich mitverantwortlich für das Leiden der Tiere macht.

  8. 3.

    Lebewesen dürfen generell nicht über so lange Strecken in diesen Massen transportiert werden...! Ein Hoch auf das Billig-Billig-Fleisch aus Deutschland...! Es ist so widerlich, wie Profit alles andere in uns überdeckt, Moral und Mitgefühl über Bord...!
    Und wenn was nicht passt wird das Vetärinäramt ein bisschen bestochen, damit alle Augen mal wegsehen...
    Längst ist bewiesen das Tiere wie wir fühlen, Schmerz und Angst...und dennoch vollziehen wir in Massen diese unvorstellbaren Grausamkeiten in “Haltung”, Transport und Tötung. :(

  9. 2.

    Ganz Ihrer Meinung, Peter. Aber solange Fleischprodukte in der Hauptsache billig sein müssen um überhaupt erstmal in die Sortimente der Märkte aufgenommen zu werden, weil die Kunden ja angebl. nur danach verlangen, wird sich schwerlich etwas ändern. Ein allgemeines gesellschaftliches Umdenken bzgl. des Wertes eines Tierlebens ist von Nöten.

  10. 1.

    Länderübergreifende Tiertransporte müssen endlich verboten werden! Es kann doch nicht angehen, dass Tiere diesem Leid ausgesetzt werden, nur weil es irgendwo anders billiger ist, schlachten zu lassen!!

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