Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin - Bundesverwaltungsgericht stoppt Bau von Starkstrom-Leitung

Stromleitungen und Windräder stehen vor einem unruhigen Himmel in Brandenburg. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa/Jens Kalaene

Seit 15 Jahren laufen die Planungen für eine Starkstromleitung, die Windenergie von der Ostsee gen Berlin bringen soll. Nun hat ein Gericht den Bau durch die Schorfheide vorerst gestoppt - und Vogelschützern Recht gegeben.

Der Bau der 380 kV-Freileitung durch das Biosphären-Reservat Schorfheide Chorin ist gerichtlich vorerst gestoppt. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, wie sowohl die Bürgerinitiative "Biosphäre unter Strom - keine Freileitung durchs Reservat!" als auch der Träger des Baus, "50Hertz" [www.50hertz.com], am Donnerstag bestätigten.

Naturschützer hatten vor einem Jahr Klage eingereicht und jetzt damit einen Etappensieg errungen. Die Planungen für die Stromleitung hatten bereits vor 15 Jahren begonnen.

BI: Vogelschutz in Gefahr

Konkret geht es um die Starkstrom-Freileitung zwischen Bertikow (Uckermark) und Neuenhagen (Märkisch-Oderland). Auf 115 Kilometern Länge dürfen jetzt 217 Mastanlagen zwischen dem Umspannwerk Bertikow und der Ortschaft Golzow bei Eberswalde (Barnim) vorerst nicht errichtet werden.

Der Baustopp ist aber nur vorläufig, da das Hauptverfahren noch ansteht. Dieses ist für das zweite Quartal 2022 terminiert. In den Abschnitten südlich der Ortschaft Golzow können laut 50Hertz die Arbeiten zur Errichtung von neuen Masten aber fortsetzt werden.

Naturschützer sehen Vogelschutzgebiet in Gefahr

Den Baustopp haben eine Bürgerinitiative aus dem Biosphärenreservat Schorfheide und der Naturschutzbund Brandenburg erwirkt. Sie argumentieren mit einem Vogelschutzgebiet, welches durch die Freileitung zerschnitten und gestört würde. Ihre Forderung lautet, dass die Stromleitung unterirdisch verlegt werden soll. Die Baustopp-Entscheidung des Gerichtes kommt aber nach Recherchen des rbb zu spät, denn mittlerweile sind schon große Waldflächen für die Leitung gerodet worden.

Der Übertragungsnetzbetreiber "50Hertz" kritisierte in einer Mitteilung auf der Unternehmens-eigenen Internetseite [www.50hertz.com] das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. In konkreten Einzelfällen würde der Natur- und Artenschutz über den Klimaschutz gestellt.

So heißt es: "Die jetzige Entscheidung macht nach Ansicht von 50Hertz deutlich, dass der politische Wille, die Klimaschutzziele schneller zu erreichen als bisher, nicht im Einklang steht mit der Realität bei Planungs- und Genehmigungsprozessen."

Die Starkstromleitung soll unter anderem Windenergie aus dem Nord-Osten Deutschlands nach Neuenhagen bei Berlin führen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 01.07.2021, 12:30 Uhr

36 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 36.

    Der richtige Begriff ist Hochspannungsleitung und nicht Starkstromleitung. Kann jeder bei Wikipedia nachlesen.

  2. 35.

    Woher kommt eigentlich diese klare Aussage, dass Erdkabel besser wären als Oberleitungen? Wenn ich lese, dass bei dieser Leitung dann gekühlte Erdkabel in extra Schächten gebaut werden müssen, frage ich mich schon, was weniger Eingriff in das Ökosystem bedeutet. So ein Erdkabel samt Schacht fällt ja auch nicht vom Himmel. Dafür werden auch Transportwege in die Natur gezimmert und Erboden versiegelt. Die verbrauchten Ressourcen noch dazu. Oder gilt in der Natur etwa auch „aus den Augen aus dem Sinn?“ So langsam sollten wir mal lernen, dass es DIE perfekte Lösung nicht geben wird. Solche Klagen sind für mich immer sehr fadenscheinig. Eigentlich stört die Leute doch der Anblick. Da müssen dann irgendwelche Vögel her halten als Argumentation.
    Wieviele Bewohner im Erdreich sterben eigentlich durch die Verlegung des Erdkabels?
    Wenn ihr so argumentiert hilft nur zurück in die Steinzeit.

  3. 34.

    Überall wehrt man sich gegen den Bau von Starkstromleitungen, obwohl nach dem Austieg aus der fossilen Energiegewinnung, diese in hohen Maße neu gebaut werden müssen. Wie es aussieht, werden die meisten unterirdisch velegt werden müssen. Ja, es ist umweltfreundlicher, aber auch sehr teuer. Fazit: " Dann wird der Strom erst richtig teuer".
    Von wegen, auf der einer Seite CO 2 Bepreisung, und auf der anderen Seite eine Ersparnis bei den Stromkosten.

  4. 33.

    Machbar ist das im Kabel schon, aber eben mit entsprechendem Aufwand.
    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2021/03/berlin-strom-kabeldiagonale-tunnel-city-west-marzahn.html
    Außerhalb der Stadt sicher einfacher aber trotzdem nicht ohne.
    HVDC oder HGÜ als Überlandleitung ist in D noch nicht so richtig etabliert, gibt nur ein paar Projekte in Westdeutschland. Und wie Sie schon schrieben nicht so einfach ins Netz zu integrieren.
    An der geplanten Uckermarktrasse hängt in Vierraden auch eine der beiden 380kV Brücken nach Polen also fürs europäische Verbundnetz ziemlich bedeutsam.

  5. 32.

    Das Hauptverfahren steht 20222 an!!! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Jeden Monat rennen irgend welche Umweltschützer, Grüne und Dieselablehner durch unsere Städte und protestieren mal gegen dieses Mal gegen jenes, und wir, die Industrienation, die gern anderen Ländern vorschreiben möchte was sie tun sollen, diejenigen die den CO 2 Ausstoß alleine senken wollen, bekommen den Bau einer Freileitung nicht in den Griff. Es ist einfach traurig wie man mit der angeblichen Demokratie einen Staat lahmlegen kann.

  6. 31.

    380 KV ist schon ne Hausnummer und sehr groß. Ob das nun der Vogelkiller mit den heutigen Schutzmaßnahmen ist (Greifvögel brüten sogar in Vogelkästen in den Masten), sei dahingestellt.
    Unterirdisch 380 KV Wechselstromleitung ist fast illusorisch. Bei der Spannung werden selbst die Plastikmoleküle der Isolierung erhitzt durch das ständige hin- und her der Wechselspannung. Muss dann aufwendig gekühlt werden mit Öl. Gleichspannung wäre das Zauberwort, da lassen sich locker 500 KV Kabel unter sie Erde legen. Aber die lässt sich nicht so einfach zu einem Netz zusammenfassen. Ist eher was für große Punkt zu Punkt Verbindungen. Schwierige Entscheidung.

  7. 30.

    Früher waren es Autobahn- und Startbahntrassen, jetzt Bahntrassen und Stromtrassen. Warum auch nicht.

  8. 29.

    Nicht nur das. Dann kommen die Käfer-,Exen-,Schmetterling-,......Zähler/Schützer.
    Aber alle schreien nach erneuerbarer Energie???????

  9. 27.

    Unter der Erde geht auch nicht. Da werden die unter Naturschutz stehenden Maulwürfe gestört. Wetten? Ironie aus.

  10. 26.

    Umweltschützer gegen den Transport von grünen Strom für eine Großstadt welche Ökogrün sein will. Da beißen sich Grüne gegenseitig in ihre grünen Nasen. Irrenhaus Deutschland. Alternativen haben sie keine. Hauptsache gegen alles sein. Stromtrassen müssen sein, aber nicht hier oder dort oder da. Es wird Zeit den ganzen sogenannten gemeinnützigen Umweltverbänden den öffentlichen Geldhahn zuzudrehen. Und verlorene Gerichtsprozesse und verfahren in Rechnung stellen.

  11. 25.

    es geht nur um Studien für Sinnhaftigkeit Machbarkeit Planung Bau und dann ums Klagen dann nocheinmal von vorne. Geld abschöpfen wo es nur geht. Die Sinnhaftigkeit von umgewidmeten Feldern Wiesen und Wäldern mit künstlichen Habitaten die DA lebende verdrängen, wird nicht hinterfragt.

  12. 24.

    Wenn Sie aufmerksam die Nachrichten lesen werden Sie sehen, das auch gegen jedes einzelne Windrad geklagt wird, nicht nur gegen Stromtrassen.

  13. 23.

    Damit ist klar, im Norden können keine weiteren Windräder mehr gebaut werden, da der Strom nicht abtransportiert werden kann. Damit haben die Umweltschützer der Windenergieindustrie einen Tiefschlag versetzt. Die Auswirkungen sind gravierender als die tausend Meter Abstandsregelung die heute in NRW beschlossen wurde und die von den Grünen so heftig angegriffen wird. Ich erwarte das gegen das Urteil von den Umweltverbänden vorgegangen wird, da es den Ausbau der erneuerbaren Energien massiv behindert.
    Was interessieren dabei die Vögel, durch Windräder werden diese tausendfach geschreddert, viel mehr als bei den Bauarbeiten ür eine Stromtrasse. Hier sind Vögle plötzlich interessant, bei Windrädern sind sie zu vernachlässigen. Verstehe einer die Umweltpolitik. Ich bin dazu zu blöd !!!

  14. 22.

    Es ist leider nicht der Anblick, der die Vögel stört. Die Rodung der Schneise verringert deren Lebensraum und Oberlandkabel sind prima Vogelkiller.

  15. 21.

    Geld interessiert mich in der Tat weniger als die Zukunft des Lebens auf diesem Planeten. Ich bin nicht gegen die Trasse, doch sollten wir im Blick behalten, dass Natur- und Klimaschutz nur gemeinsam funktionieren.

  16. 20.

    Naja, den Klimaschutz brauchen wir, um Leben (Natur, Arten) zu schützen. Zerstören wir durch mangelnden Artenschutz primär schon die Natur, macht für mich Klimaschutz keinen Sinn mehr. Es sei denn, man zieht es vor, den Planeten als letzte Spezies, von Maschinen am Leben erhalten, zu bevölkern.

  17. 19.

    Es sind die Menschen. Also wir. Ohne uns würde es der Natur besser gehen. Feigenblätter gibt es nur für Ignoranten...

  18. 18.

    Über der Erdkabeltrasse verläuft auch eine Schneise ohne Bewirtschaftung. Zudem alle paar Meter ein Wartungshäuschen.

  19. 17.

    Warum nicht unterirdisch, wie in Bayern, die jetzt, wo es dadurch sehr viel teurer würde, auch endlich gern für die Bundesvergemeinschaftung von Stromnetzkosten gestimmt haben? Und das, nachdem im Osten bisher auf Ostländerkosten und damit nur auf dem Rücken der dortigen Bewohner schon die Landschaft mit immer mehr Überlandleitungen vollgepflastert wurde.
    Ich verstehe nicht, warum die neue Regelung dann jetzt nicht auch dem Osten zugute kommen sollte,

Nächster Artikel