Symbolbild: Musiker tragen ihre Instrumente über die Warschauer Brücke in Berlin. (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
Audio: Inforadio | 20.06.2020 | Lennart Garbes | Bild: dpa/Gregor Fischer

"Nonstop-Musik"-Wochenende - Musizieren gegen die Krise

Mit dem Aktionsbündnis "Nonstop-Musik" soll am Samstag und Sonntag bundesweit Musik gemacht und gehört werden. Ziel ist es, auf die Bedeutung der Musikbranche und deren existenzbedrohte Lage in der Corona-Krise hinzuweisen. Von Lennart Garbes

Am Anfang sah alles nach einer Absage aus. Wegen der Corona-Pandemie stand der Aktionstag der Musikinstrumentenbranche "Deutschland macht Musik - Spiel mit" eigentlich schon vor dem Aus. Dabei sollte der Tag der Instrumentenbranche 2020 in Kooperation mit dem Deutschen Musikrat und der Fête de la Musique eigentlich noch ausgiebiger gefeiert werden.

Musikalisches Wochenende mit Abstand

Laut Mitinitiator Daniel Knöll, Geschäftsführer der Society Of Music Merchants e.V., war bis zum Schluss offen, "machen wir das Ganze oder machen wir es nicht? Weil uns natürlich die Gesundheit der Gesellschaft am wichtigsten ist." Am Ende überwog der Wunsch ein lautes Zeichen zu senden. "Wir möchten, dass es das mit Abstand musikalischste Wochenende des Jahres wird."

Gemeinsam will die Musikbranche am Wochenende 48 Stunden lang und bundesweit auf ihre Bedeutung für das öffentliche Leben und die deutsche Kulturlandschaft hinweisen - vornehmlich digital, wo es möglich ist aber auch live. Am Samstag steht dabei vor allem das Lernen im Fokus. Musikläden präsentieren ihr Instrumentenangebot. Außerdem geben Musiklehrer und Musikschulen digitalen Unterricht. Ein Angebot von vielen: der Berliner Chorverband bietet das Online-Seminar "Singen nach Noten" an.

Prominente Paten

Zusätzlich begleitet werden die Aktionstage von musikalischen Paten, wie dem Sänger und Kinderlieder-Autor Rolf Zuckowski. Für den Schöpfer der Weihnachtsbäckerei kommt das Nonstop-Musikwochenende genau zur richtigen Zeit: "Man ist vielleicht über die letzten Wochen ganz gut über die Runden gekommen mit dem Streaming, aber ich glaube, wenn die lebendige Musik aus dem Leben verschwindet, ist das eine Verarmung."

Seit Mitte März sendet der Hamburger Liedermacher Musikvideos von seinem Dachboden und auch zum Nonstop-Musikwochenende wird Zuckowski ein Video beisteuern. Noch glaubt er an das Durchhaltevermögen der Musiker*innen. Langfristig könne aber nur das Stehen auf der Bühne und das Publikum helfen, damit man wieder in die Vollen gehen kann, so Zuckowski.

Der zweite Teil des Nonstop-Musikwochenendes soll hier - unter Einhaltung aller Corona-Regeln - ein kleiner Hoffnungsschimmer sein. Neben der Aufforderung selbst Musik zu machen und diese per Stream zu teilen, soll die Fête de la Musique am Sonntag einen abwechslungsreichen Mix aus Live- und Digitalangeboten bieten, nicht nur in Berlin, sondern in vielen deutschen Städten.

Fensterkonzert als Abschluss

Wahrscheinlich auch aufgrund der besonderen Situation in diesem Jahr ist es leider gar nicht so einfach genau herauszufinden wer, wann und wie am Nonstop-Musikwochenende teilnimmt. Zwei Termine gibt es aber doch, die absolut feststehen und dazu auch noch sehr leicht zu erreichen sind.

Das verbindende Element des Wochenendes sollen am Sonntag zwei Fensterkonzerte sein. Um 17 Uhr wird die "Ode an die Freude" gespielt und um 23 Uhr "Der Mond ist aufgegangen". Mitinitiator Knöll setzt auf größtmögliche Beteiligung: "Jeder kann und soll mitmachen und wer kein Musikinstrument hat, soll sich einen Topf und Löffel nehmen und damit den Takt schlagen." Denn genau das mache Musik aus, die Freude und die Möglichkeit überall mit einzustimmen.

Sendung: Inforadio, 20.06.2020, 07:55 Uhr

Beitrag von Lennart Garbes

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