Interview | Insektensommer 2022 - Der Hummel auf den Hintern schauen

Sa 06.08.22 | 12:24 Uhr
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Archivbild: Eine Hummel beim Blütenbesuch. (Quelle: dpa/F. Hecker)
dpa/F. Hecker
Audio: rbb24 Inforadio | 05.08.2022 | Interview mit Daniela Franzisi (Nabu) | Bild: dpa/F. Hecker

Eine Stunde lang Sechsbeiner beobachten und notieren: Der Naturschutzbund ruft wieder zum Insektenzählen auf. Diesmal steht die Hummel im Fokus. Warum die so spannend ist und wie es um andere Arten steht, erklärt Projektleiterin Daniela Franzisi.

rbb: Frau Franzisi, welche Insekten interessieren Sie in diesem Jahr besonders?

Daniela Franzisi: In diesem Jahr haben wir den Fokus auf die Hummeln gesetzt und drei ausgewählt, die noch sehr häufig vorkommen: die Ackerhummel, die Erdhummel und die Steinhummel. Unser Aufhänger dazu ist, wie man Hummeln am Hintern erkennen kann. So kann man herausfinden, wie unterschiedlich diese Insekten aussehen, wenn sie in einer Blüte stecken. Grundsätzlich gilt es aber, dass man alles, was man im Garten, auf dem Balkon oder im Park entdeckt, an den Nabu zu melden.

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Menschen nehmen sich tatsächlich die Zeit, der Hummel auf den Hintern zu gucken?

Richtig. Wir sagen, dass man sich eine Stunde oder auch bis zu einer Stunde Zeit nehmen sollte. Es kommt auch ein bisschen darauf an, an welchem Ort man gerade ist, ob auch wirklich viel los ist. Aber es kann eben sehr, sehr spannend sein. Jetzt auch gerade in der Ferienzeit kann man mal in Ruhe gucken, was es in der direkten Umgebung so zu entdecken gibt.

Warum ist die Hummel in diesem Jahr im Fokus?

Sie ist ein sehr wichtiges Insekt. Sie ist auch ein Bestäuber, wie wir es klassisch von einer Honigbiene kennen. Der Vorteil der Hummeln ist zum Beispiel, dass sie die Blumen auch bestäuben, wenn es ein bisschen windiger oder noch nicht ganz so warm ist. Und sie sind auch schon sehr früh unterwegs. Das sind einfach spannende Insekten.

Warum ist diese Insektenzählung wichtig?

Der Nabu hat den Insektensommer 2018 ins Leben gerufen. Und wir freuen uns, dass die Leute jedes Jahr fleißig mitzählen. Wir möchten zum einen natürlich darauf aufmerksam machen, was es draußen noch gibt. Wir möchten auch Artenkenntnis schaffen, bei einer Aktion, die auch Spaß machen soll. Aber es gibt auch den ernsten Hintergrund: Wir wissen, dass es den Insekten nicht gut geht und wir möchten gemeinsam in Deutschland Daten sammeln, um gewisse Trends für diese Tiere ermitteln zu können.

Was sind Ihre bisherigen Erkenntnisse? Welche Sechsbeiner sterben aus? Welche sind auf dem Vormarsch?

Es gibt unterschiedliche Studien. Zum einen ist in Deutschland insgesamt der Tagfalter sehr bedroht. Da haben wir noch mal einen anderen Bezug, weil das Tiere sind, die wir gut sehen. Schmetterlinge sollte vielleicht auch die nächste Generation sehen können, wenn sie draußen ist. Und es sind auf jeden Fall auch die Wildbienen, zu denen auch die Hummeln gehören, denen es sehr schlecht geht.

Insgesamt ist es aber so, dass wir bei so einer Zählung unter anderem auch beobachten, welche Tiere sich hier ansiedeln.

Gibt es in diesem Jahr weniger Mücken oder ist das nur ein persönliches Gefühl?

Man kann das immer erst nach einer Zählung einschätzen. Aber es ist zumindest zu vermuten, weil es jetzt trocken war, dass die Generationen von Stechmücken nicht so viele gute Plätze hatten, um sich wieder entwickeln zu können. Deswegen werden wir auf jeden Fall schauen, ob es weniger gibt. Wobei wir das als Nabu auch etwas bedauern, weil wir halt das große Ganze sehen. Stechmücken sind für uns Menschen ein leidiges Thema. Aber für Fledermäuse oder andere Tiere sind sie sehr wichtig.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Daniela Franzisi führte Sabine Dahl, rbb24 Inforadio.

Der Text ist eine redaktionell bearbeitete und gekürzte Fassung. Das komplette Interview können Sie oben im Audio-Player nachhören.

Sendung: rbb24 Inforadio, 05.08.2022, 15:25 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Das wäre nichts für mich.
    Da habe ich viel zu viele Hummeln im Hintern.

  2. 4.

    „ Wir sagen, dass man sich eine Stunde oder auch bis zu einer Stunde Zeit nehmen sollte.“ Hat sie das wirklich so merkwürdig gesagt?

  3. 3.

    Hey Tadaa, das Ganze läuft vom 5. bis 14. August, die Zählhilfen und die Hummelhintern kannst du hier runterladen. Viel Spaß und gutes Zählen!
    https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/insektensommer/index.html

  4. 2.

    Les' die Überschrift laut vor. Meine Wespe sieht mich an und "Ein Ton und du kochst".

  5. 1.

    Informativ wäre noch gleich zu erfahren, wie diese Hummeln sich farblich genau unterscheiden. Und wann genau ist denn eigentlich soweit? =D

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