Berliner Feuerwehr - "Mit unseren Warn-Mitteilungen wollen wir jeden abholen"

Fr 18.08.23 | 15:53 Uhr | Von Frank Preiss
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Archivbild: Mit Apps wie Katwarn können sich Smartphonenutzer vor verschiedenen Gefahren warnen lassen, aufgenommen am 28.06.2017. (Quelle: dpa-tmn/Lino Mirgeler)
Audio: rbb24 Inforadio | 18.08.2023 | Hendrik Schroeder | Bild: dpa-tmn/Lino Mirgeler

Eine Pushmitteilung hat am Freitagmorgen viele Berliner vor einem Brand im Ortsteil Heinersdorf gewarnt, obwohl sie weit weg wohnen - und obwohl außer viel Rauch nichts gewesen ist. Ein Feuerwehrmann erklärt, warum auch solche Meldungen wichtig sind. Von Frank Preiss

Ein nahendes Unwetter, Starkregen, Gewitter, Geruchsbelästigung durch Großbrände - gefühlt ploppen inzwischen täglich Warnmeldungen von Apps wie Katwarn und Nina auf Smartphones in Berlin und Brandenburg auf. Jüngstes Beispiel: Der Brand auf einem Recyclinghof am Freitag im Pankower Ortsteil Heinersdorf im Nordosten Berlins.

Am frühen Morgen wurde über Katwarn vor Geruchsbelästigung durch Rauch gewarnt, Menschen im Umkreis um den Brandort wurden dazu aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Gleichzeitig wurde in der Meldung betont: Es bestehe keine Gefahr.

Manche mögen sich fragen, warum sie überhaupt diese Mitteilung bekommen haben - zum einen, weil sie zu weit weg vom Brandort wohnen. Und zum anderen, weil doch gar keine Gefahr bestehe. Andere waren dagegen froh, weil sie schnell eine Antwort auf die Frage nach der Ursache für den frühmorgendlichen beißenden Rauchgestank bekamen.

Auch besorgte Anrufe lösten die Mitteilung aus

Für die Feuerwehr steht fest: lieber zu häufig warnen als zu selten. Denn Auslöser für eine solche Gefahrenmeldung müsse nicht immer eine tatsächliche Gefahr für Leib und Leben sein. Vielmehr sei auch die Information an sich nicht zu unterschätzen, sagt Feuerwehrsprecher Thorsten Vollbrecht am Freitag dem rbb: "Wir wurden am frühen Freitagmorgen um 3.30 Uhr zu dem Brand in Heinersdorf gerufen. Dort gab es durch brennende Baurecyclingstoffe eine starke Rauchentwicklung, die dann leider stadteinwärts zog", erklärt er.

Zur Versendung der Mitteilung via Katwarn habe man sich entschlossen, weil dazu zahlreiche Anrufe bei der Feuerwehr eingegangen seien. "Und es gab auch entsprechende Reaktionen im Social-Media-Bereich." Information sei in solchen Momenten immer wichtig, auch weil bei den Leitstellen der Feuerwehr immer wieder Fehlalarmierungen eingingen. "Auch hier versuchen wir vorbeugend, steuernd einzugreifen."

Feuerwehr nutzt "MoWaS"-System

Wie genau eine solche Gefahrenmeldung auf den Weg geschickt wird und wer alles in den Entscheidungsprozess eingebunden ist, erklärt Feuerwehrsprecher Kevin Bartke: "Wir haben die Anwendung "MoWaS" (Modulares Warnsystem, Anmerkung der Redaktion) bei uns im Lagedienst installiert. Mit dieser bundesweit einheitlichen Anwendung können wir deutschlandweit an die Bevölkerung herantreten und im entsprechenden Umfeld über Gefahren informieren."

Das System bietet vorgefertigte Texte an, die Ausführenden können aber immer auch individuelle Warnmeldungen selbst verfassen. Mit diesen bespielt die Berliner Feuerwehr dann die Apps Nina und Katwarn und seit kurzem auch Cell Broadcast. Cell Broadcast-Warnungen benötigen keine App, sondern werden SMS-ähnlich an eingeschaltete Handys versandt, die in Funkzellen eines möglichen Katastrophengebiets eingewählt sind.

Feuerwehrsprecher zur Meldekette: "Das geht alles recht schnell"

Alles Weitere wird nicht etwa von Algorithmen entschieden, sondern ausschließlich von Menschen, ist es Bartke wichtig zu betonen: "Der Einsatzleiter gibt vor Ort eine Empfehlung und macht einen Vorschlag, dieser wird dann mit dem Lagedienst abgesprochen, dann wird gemeinsam entschieden, was und in welcher Form herausgeschickt wird. Danach wird das noch mit der externen Kommunikation und mit der Behördenleitung abgestimmt. Das alles geht recht schnell, und wenn das steht, können wir die Warnung herausgeben."

Manchmal sei es durchaus nicht schlüssig, warum Warnmeldungen herausgeschickt würden, räumt Bartke ein, aber: "Wir wollen vor die Lage kommen", soll heißen: Die Gefahr schon zu erkennen und zu warnen, bevor sie akut für die Bürger werden könnte.

"Wir müssen der Bevölkerung auch mitteilen, dass wir im Bilde und an der Einsatzstelle sind. Wir warnen vor Rauchbelästigung, damit die Bevölkerung Maßnahmen ergreifen kann wie zum Beispiel Fenster und Türen schließen", erklärt er. "Wir wollen jeden abholen. Jeder entscheidet für sich selbst, ob er diese Information aufnehmen will oder nicht. Für uns ist einfach wichtig, vollumfänglich an die Bevölkerung heranzutreten und dass wir da kein Nachsehen haben und keinen auf der Strecke lassen."

Bundesamt betont Vorteile von Warn-Apps

Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz wirbt für die Warn-Apps und betont, wie wichtig eine umfängliche Information sei. "In den jeweils zuständigen Stellen sitzt eigens geschultes Personal, das die eingehenden Informationen bewertet und dementsprechend weitere Maßnahmen ergreift", erklärt Behördensprecher Hennig Hahn dem rbb.

Das Bundesamt stellt allen Bundesländern, Landkreisen und Kommunen Regionen das digitale Warnsystem "MoWaS" zur Verfügung. Über das System werden die Warninformationen an verschiedene Stellen weitergegeben: an den sogenannten Warnmittelmix. Der umfasst Warn-Apps, Sirenen, Stadtinformationstafeln, Fahrgastinformationssysteme, auch Medien als Warnmultiplikatoren.

"Die Nutzer haben viele Möglichkeiten, diese Meldungen für ihren Bedarf einzurichten, das Gebiet bis auf einen Quadratkilometer geografisch einzugrenzen und ganz konkrete Ortschaften zu abonnieren", betont der Bundesamtssprecher weiter. Und: "Ein großer Vorteil ist, dass neben der Warnmeldung auch Handlungsempfehlungen gegeben werden. Und hinzu kommt die Mehrsprachigkeit – die Apps kommunizieren in ganz viel verschiedenen Sprachen."

Sendung: rbb24 Abendschau, 18.08.2023, 19:30 Uhr

Beitrag von Frank Preiss

13 Kommentare

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  1. 13.

    Antwort auf "Björn" vom Samstag, 19.08.2023 | 18:12 Uhr
    "Von der PLZ könnten Sie in Reinickendorf wohnen. Gibt es dort etwa keine Sirenen mehr, auch nicht schon wieder..." Ja, richtig. Ich höre manchmal eine Sirene, die ich Richtung Hermsdorf vermute, mehr nicht.

  2. 12.

    "Als es noch funktionierende Sirenen gab, war Samstags um 12 Uhr Probealarm," Also bei mir gibt es noch eine funktionierende Sirene, und es gibt Probealarm jede Woche und unter der Woche genug Einsätze, wo die Sirene "getestet" wird. Von der PLZ könnten Sie in Reinickendorf wohnen. Gibt es dort etwa keine Sirenen mehr, auch nicht schon wieder (sollte doch mit Hochdruck wieder aufgebaut werden)?

  3. 11.

    Antwort auf "Björn" vom Freitag, 18.08.2023 | 16:07 Uhr
    "Bei zu häufigen Warnungen, werden immer mehr Leute die Warnungen nicht mehr so beachten..." Das sehe ICH nicht so, lieber bin ich informiert und kann erkennen, ob ich betroffen bin. Als es noch funktionierende Sirenen gab, war Samstags um 12 Uhr Probealarm, davon ist auch niemand "abgestumpft" und hat nicht mehr auf die Sirene geachtet.

  4. 10.

    Antwort auf "micha" vom Freitag, 18.08.2023 | 19:12 Uhr
    "Es war kein Feuer zu sehen, der Qualm hätte auch vom angeklappten Fenster einer Wohnung unter mir kommen können. " dann wären Sie doch wohl von den Rauchmeldern im Haus oder der schon anwesenden Feuerwehr gewarnt worden.

  5. 9.

    Es nutzt es wenn man sich das Broadcast nicht noch mal anhören kann sondern nur 1x Live. Der letzte Test war nutzlos.

  6. 8.

    Antwort auf "Florian" vom Samstag, 19.08.2023 | 08:51 Uhr
    "....rufen dermaßen viele Menschen den Notruf, das die Mitarbeitenden am Notruf es nicht schaffen das Pensum zu bewältigen und die tatsächlichen Notrufe zu bearbeiten." Das ist mal ein wichtiger Hinweis, für die, die sich nur gestört fühlen, weil sie vermeintlich nicht betroffen sind, danke!

  7. 7.

    ich verstehe es nicht, warum es immer noch eine lückenhafte Warnung in Berlin gibt? Das Aussenden der Warnung nur über KatWarn kann ich nicht nachvollziehen. Warum wurde nicht zeitgleich über Cell Broadcast gewarnt? Die Sirene auf der Feuerwache Heinersdorf gibt es auch, wurde aber nicht genutzt. Lautsprecher Durchsagen gab es auch keine. Ab 04:00 war der gesamte Ortsteil in Rauch gehüllt. Das Schließen der Fenster war aus meiner Sicht im Ortsteil notwendig.

  8. 6.

    Ich arbeite in der Feuerwehrleitstelle in Berlin. Diese Meldungen sind wichtig! Gerade bei Bränden mit viel Rauch und, oder Brandgeruch rufen dermaßen viele Menschen den Notruf, das die Mitarbeitenden am Notruf es nicht schaffen das Pensum zu bewältigen und die tatsächlichen Notrufe zu bearbeiten. Die Menschen rufen an ohne konkrete Hinweise, hier riecht es, oder am Horizont ist eine Rauchwolke und können keinerlei Angaben zu Ort oder Umfang geben und ein großer Teil ist nur neugierig.

  9. 5.

    „ Am frühen Morgen wurde über Katwarn vor Geruchsbelästigung durch Rauch gewarnt,…“
    Wer das braucht …ok… soll es nutzen.
    Ich für mich kam Jahrzehnte ohne aus und das wird auch in Zukunft so sein…. ist aber für jeden seine persönliche Entscheidung.
    Und die ganz Mutigen oder Verrückten (Ansichtssache) schalten Nachts ihr Handy in den Flugmodus dann kommt auch nichts über Cell Broadcast.

  10. 4.

    Zuviele Warnungen stumpfen ab. Seit der Flutkatastrophe im Ahrtal wird gewarnt gewarnt und nochmals gewarnt. Klar möchte niemand nochmals so viele Schelte einfahren, wie damals. Aber so, wie es jetzt läuft, ist es nicht zielführend. Die Dosis macht das Gift.

  11. 3.

    Ich bin um 04.30 Uhr von dem Brandgestank aufgewacht. Ich wohne mit meinen Kindern in der 5. Etage eines Mehrfamilienhauses in Pankow und es gibt nur einen einzigen Fluchtweg. Es war kein Feuer zu sehen, der Qualm hätte auch vom angeklappten Fenster einer Wohnung unter mir kommen können. Dann kann ich 5 Stockwerke runter und nachgucken, und ich kann die Kinder mit runter nehmen oder im potentiell brennenden Haus alleine schlafend lassen. Leider gab es schon mal einen Brand im Haus. Was ich sagen will: Die Warnung hätte nicht erst 06.30 Uhr kommen müssen. Da war es dann auch schon hell genug um zu sehen, dass nicht das eigene Haus brennt.

  12. 2.

    "Cell Broadcast-Warnungen benötigen keine App, sondern werden SMS-ähnlich an eingeschaltete Handys versandt, die in Funkzellen eines möglichen Katastrophengebiets eingewählt sind." Das ist ein ganz alter Dient und funktioniert sogar mit Mobiltelephonen aus der "Steinzeit". Da hier nur die Apps erwähnt werden, hat es denn diesmal mit Cell Broadcast auch funktioniert?

  13. 1.

    "Für die Feuerwehr steht fest: lieber zu häufig warnen als zu selten." Sehe ich nicht so. Es sollte weder zuwenig, noch zu häufig sein. Bei zu häufigen Warnungen, werden immer mehr Leute die Warnungen nicht mehr so beachten und dann im wirklichen Ernstfall geschädigt.

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