Am Bahnhof Grunewald hängt ein Schild mit der Aufschrift "Gleis 17". (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Bild: dpa/Christophe Gateau

Bahnhof Grunewald - Gedenken an Deportation der Berliner Juden

An den Beginn der nationalsozialistischen Deportationen von Juden aus Berlin vor 79 Jahren ist am Sonntag in Grunewald (Charlottenburg-Wilmersdorf) erinnert worden. Der Vorsitzende der Ständigen Konferenz der NS-Gedenkorte im Berliner Raum, Axel Drecoll, sagte am Mahnmal "Gleis 17" am Bahnhof Berlin-Grunewald, zum würdigen Andenken der Opfer gehöre die kritische Beschäftigung mit der Vergangenheit wie mit der Gegenwart. Dazu zähle auch, sich heute mit aller Entschiedenheit Antisemitismus entgegenzustellen. Corona-bedingt wurde die Gedenkfeier im Internet live übertragen. Vor Ort befanden sich etwa 20 Personen.

Erste sogenannte Ostransporte im Oktober 1941

Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte Osttransport den Berliner Bahnhof Grunewald in Richtung Litzmannstadt, heute Lodz. In dem Zug waren mehr als 1.000 jüdische Kinder, Frauen und Männer. Insgesamt wurden in der NS-Zeit mehr als 50.000 Berliner Juden ermordet. Ab 1942 fuhren Deportationszüge auch vom Anhalter Bahnhof und vom Güterbahnhof Moabit. Ziele waren Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager unter anderem in Minsk, Riga, Warschau, Theresienstadt, Sobibor und Auschwitz.

Seit 2011 wird am Bahnhof Grunewald an die Deportationen erinnert. Die Initiative dazu ging von der Schriftstellerin und Holocaust-Überlebenden Inge Deutschkron aus. Das Denkmal "Gleis 17" wurde von der Deutschen Bahn 1998 als Mahnmal zur Erinnerung an die Rolle der Reichsbahn im Dritten Reich errichtet.

Sendung: Kulturradio, 18. 10. 2020, 15 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Sehr sind Fälle bekannt, in denen die bezeichneten Eigenmächtigkeiten vorkamen mit allen Konsequenzen, die ich beschrieb.

    Genau das macht die Perversion des NS-Systems deutlich. Es lässt sich nämlich nicht allein im Sinne monetärer Größen erklären, sondern mindestens gleichauf mit einer psychologischen Wahnvorstellung.

  2. 3.

    In welchem Zusammenhand steht Ihr Kommentar mit der Deportation der Berliner Juden? - Zur Klarstellung empfehle ich Die Geschichte der „Austauschjuden“ beim Deutschlandfunk. - Niemand hat eigenmächtig den vergasten Menschen die Goldzähe herausgebrochen und wurde dafür an die Wand gestellt, weil Zitat: "der Verwertungsgedanke bei der sogenannten Endlösung der Judenfrage eine große Rolle gespielt habe."

  3. 2.

    Wer mutiger ist das Grauen und die Täterfeigheit wahrzunehmen, liest den ausführlichen Artikel "Deportation von Juden aus Deutschland" bei Wikipedia.

  4. 1.

    Entlang der Daten und der Zahl der Deportierten lässt sich wie kaum woanders sichtbar die Wirkungsmacht der NS-deutschen Bürokratie ablesen. In anderen Staaten mögen Menschen zuerst mit Faustkeilen, später aus blankem Hass heraus mit Maschinengewehren aufeinander losgegangen sein, bis hin zu den übelsten einseitigen Progromen. Hier ist das penibel und bis ins kleinste Glied hinein zuerst in Statistiken erfasst und dann im Sinne eines behauptet gänzlich "normalen" Regelvollzuges vollstreckt worden.

    Ich denke, nur so lässt sich die lang anhaltende Wirkung NS-deutscher Herrschaft erklären.

    Als kriminell wurde angesehen, den Vergasten eigenmächtig die Goldzähne rauszubrechen, wofür dann die eigenen Leute an die Wand gestellt wurden, weil das als Raub des Volkseigentums galt. Als nichtkriminell galt die systematischste Vernichtung, die die Erde bislang gesehen hat.

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