Lichtenberg und Zehlendorf - Lehrkräftepreis 2022 geht zweimal nach Berlin

Mo 08.05.23 | 08:01 Uhr
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Symbolbild: Lehrer und Schüler im Klassenzimmer (Bild: imago images/A. Bernhard)
imago images/A. Bernhard
Video: rbb|24 | 08.05.2023 | A. Tiemeyer & J. Kersten | Bild: imago images/A. Bernhard

Jedes Jahr werden die besten Pädagogen Deutschlands von einer Jury ausgezeichnet - unter den diesjährigen Preisträgern sind auch zwei aus Berlin. Sie stemmen sich mit Idealismus und frischen Ideen gegen den hier besonders akuten Lehrermangel.

Unter den zehn besten Lehrkräften Deutschlands sind auch zwei aus Berlin: In der Kategorie "Ausgezeichnete Lehrkräfte" erhalten am Montag in Berlin Tatjana Inkin (Johann-Gottfried-Herder Gymnasium in Lichtenberg) sowie Sebastian Telschow (Werner-von-Siemens-Gymnasium in Zehlendorf) den Deutschen Lehrkräftepreis. Lehrkräfte aus Brandenburg haben an dem Wettbewerb nicht teilgenommen - warum, ist nicht bekannt.

Tatjana Inkin unterrichtet Deutsch und Geschichte und ist kommissarische stellvertretende Schulleiterin des Herder-Gymnasiums [jg-herder.de]. Die Jury des Lehrkräftepreises begründete die Auszeichnung für Inkin mit ihren gerechten Bewertungen, neuen Ideen und Konzepten im Unterricht - und mit ihrer Leidenschaft für den Beruf.

Telschow schwärmt von seinem "Traumberuf"

Sebastian Telschow lehrt Geschichte, Politik/PW und Biologie am Werner-von-Siemens-Gymnasium in Zehlendorf. Außerdem ist er dort Fachbereichsleiter Gesellschaftswissenschaften und Mitglied der erweiterten Schulleitung. Ihm verhalfen seine neuen interaktiven Unterrichtsmethoden zum Titel, zudem sei er eine Vertrauensperson und ein Vorbild, heißt es in der Jurybegründung. Sebastian Telschow nutzte beispielsweise im Geschichtsunterricht mit Neunt- und Zehntklässlern die App "Fliehen vor dem Holocaust". Die Schülerinnen und Schüler konnten sich auf ausgeteilten Tablets Interviews mit Zeitzeugen ansehen und interaktiv Fragen beantworten [moz.de].

Ich würde das auch weiterhin tun, selbst wenn ich Millionär wäre.

Sebastian Telschow, Lehrer in Zehlendorf

Telschow selbst zeigte sich im rbb-Interview überrascht und hoch erfreut über die Auszeichnung: "Für mich ist das unfassbar, weil das ja eigentlich der Lehrer-Oscar ist", sagte Telschow. Er versuche, selbst langweiligen Unterrichtsstoffen einen Dreh zu geben, mit dem er die Lebenswelten seiner Schülerinnen und Schüler erreichen könne. "Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht gerne in die Schule komme, Lehrer sein ist mein absoluter Traumberuf. Ich würde das auch weiterhin tun, selbst wenn ich Millionär wäre. Ich bin Lehrer mit Haut und Haaren."

Die Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) gratulierte den beiden: "Beide sind herausragende Lehrkräfte, die mit ihrer Leidenschaft für den Beruf, ihrem Engagement und ihren innovativen Unterrichtsmethoden eine tolle Lernatmosphäre für ihre Schülerinnen und Schüler schaffen", ließ sie sich in einer Mitteilung zitieren.

Jury aus Wissenschaft und Politik entscheidet

Der "Deutsche Lehrkräftepreis - Unterricht innovativ" wird in drei Kategorien vergeben: Für "Ausgezeichnete Lehrkräfte" schlagen Schülerinnen und Schüler ihre Lehrerinnen und Lehrer vor. Bei "Unterricht innovativ" bewerben sich Lehrkräfte-Teams mit ihren Projekten und für "Vorbildliche Schulleitung" können Kollegien ihre Schulleitungen nominieren. Die Preisträger dieser beiden Kategorien werden erst direkt auf der Preisverleihung bekannt gegeben.

Die Bewerbungen für den Lehrkräftepreis werden zunächst von Bildungsexperten begutachtet. Letztlich entscheidet eine Jury, die aus Wissenschaftlern und Politikern besteht, darunter David-S. Di Fuccia (Universität Kassel): Astrid-Sabine Busse (ehemalige Bildungssenatorin) und Kathrin Fussangel (Universität Wuppertal).

Sendung: rbb|24, 08.05.2023, 16:00 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Genau so siehts aus!
    Auch wenn es immer keiner glauben möchte: Grundschullehrer:in (zum Beispiel in manchen Ecken Lichtenbergs) ist ein echter Knochenjob!
    Man brennt täglich wie eine Kerze an beiden Enden!

  2. 9.

    Hier wir Ihr Anliegen auch gebührend gewürdigt:
    https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/harz/auszeichnung-lehrkraeftepreis-freie-grundschule-wernigerode-100.html

  3. 7.

    An Blüte UND kritischer Begleiter:
    Wenn ich mich nicht irre, erhalten Lehrer und Lehrerinnen aller Schulformen zumindest in BB inzwischen dieselbe Gehaltsstufe. Ich kenne als Gymnasiallehrer in zwei korrekturintensiven Fächern auch den Zeitaufwand, ja, er ist hoch. Aber mein Respekt gilt vor allem den Lehrkräften an den (oft unterbesetzten) Ober- u. Grundschulen, die bei oft deutlich schwierigerer Schülerschaft die Arbeit stemmen. Ich weiß nicht, ob von denen keine(r) nominiert wurde...

  4. 6.

    Ein schlechter Zeitpunkt für das Thema :-(
    Ausbildungsniveau, Ausbildungsdauer, Ausbildungsvoraussetzungen? Aufwand der Vor-u. Nachbereitung? Gymnasiallehrer kommen auf eine 60 Stunden Woche... Studie dazu gefällig?

  5. 5.

    An Gymnasien scheint man für die Teilnahme an solchen Wettbewerben Zeit zu haben.

    Erinnert mich an die Dreigroschenoper:

    Denn die einen sind im Dunkeln
    Und die andern sind im Licht.
    Und man siehet die im Lichte
    Die im Dunkeln sieht man nicht.

  6. 4.

    Wieder zwei Gymnasiallehrer - trotzdem "Herzlichen Glückwunsch!".
    Die entscheidende, herausfordernde und schwierige Arbeit wird allerdings an den Grundschulen geleistet. Aber die bekommen die wenigste Knete pro Schüler, die Lehrer haben/ hatten die meisten Stunden und erhalten/erhielten das wenigste Gehalt...

  7. 3.

    Dann sollte man die ausgezeichneten Lehrer ihre Lehrinhalte aufzeichnen lassen und in Form eines Webinars auch anderen Schülern zur Stofferlernung zur Verfügung stellen. Die Vertiefung kann ja dann in Präsenz vor Ort in der Schule erfolgen. Jedes Kind hat mittlerweile Laptop und Smartphone und die Eltern ja einen Internetanschluss allein schon wegen ihres Smart-TVs. Also mindestens 80%-90% der Zielgruppe würde man dadurch mit qualitativ guten Inhalten kostengünstig sogar bundesweit erreichen können. Liebe Schulen fangt endlich an die moderne Technik zu nutzen. Wir sind technische sowieso schon weit genug hinten an...

  8. 2.

    Wann wurden aus "Lehrern" eigentlich "Lehrkräfte"?

  9. 1.

    Glückwunsch. Es gibt sie doch. Die wirkliche „Crème de la Crème“ der deutschen Bildungslandschaft. Wenn man denen jetzt noch zuhört, denen an der „Front“, dann weiß man etwas über Arbeitsbedingungen. Frau Ernst hatte sich weder dort Rat geholt noch sich bedankt beim Abschied noch hat sie die Crème de la Crème erkannt. Sie selber hat den Begriff gewählt....

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