Turbine Spielerin Sarah Zadrazil jubelt. Bild: imago-images/foto2press
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DFB-Hygienekonzept verabschiedet - Frauenfußball-Bundesliga hofft auf Wiederbeginn

Nachdem die Fußball-Bundesliga der Männer einen fixen Starttermin für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs hat, hoffen auch die Frauenfußballerinnen auf eine Fortsetzung der Saison. Der DFB hat am Freitag sein Hygienekonzept verabschiedet. 

Die Männer haben vorgelegt, jetzt will auch der Frauenfußball die nächsten Schritte zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs nehmen. Dafür hat der Deutsche Fußball Bund (DFB) am Freitagnachmittag das Hygienekonzept für die Bundesliga der Frauen, sowie die 3. Liga der Männer veröffentlicht. Es orientiert sich am genehmigten Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Der Frauenfußball-Bundesliga fehlen noch sechs Spieltage um die Saison regulär abzuschließen. Beim Tabellenfünften Turbine Potsdam bereitet man sich unter den gegebenen Umständen auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs vor, trainiert wird bislang nur in Kleingruppen. 

Bisher noch kein Mannschaftstraining

"Nachdem das Grüne Licht für den Männerfußball kam, spricht auf nichts dagegen, dass wir im Sinne der Gleichberechtigung auch den Frauenfußball mit ins Spiel bringen", sagte Siegfried Dietrich, der Vorsitzende des DFB-Ausschusses Frauen Bundesliga, dem ARD Mittagsmagazin. Ziel sei es, wie bei den Männern, die Saison zu einem sportlich fairen Ende zu führen und den Verpflichtungen gegenüber Sponsoren gerecht zu werden. 

Noch sind die Vereine der Frauenfußball Bundesliga aber ein Sück weit von den Bedingungen der Männer entfernt. Während Hertha BSC und Union Berlin am Freitag zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder gemeinsam ein normales Mannschaftstraining abhalten konnten, wird bei Turbine Potsdam noch in Kleingruppen trainiert. Auch die Kabine ist für die Spielerinnen gerade tabu.

Auch im Frauenfußball würden Corona-Tests anstehen

"Wir halten Abstand, eineinhalb oder zwei Meter und versuchen Kontakte zu vermeiden. Wir ziehen uns zu Hause um, fahren dann so zum Training, sind maximal zehn, fünfzehn Minuten vor Trainingsbeginn da und fahren direkt danach nach Hause", beschreibt Turbine-Verteidigerin Johanna Elsig ihren Trainingsablauf. Kontakt zwischen den einzelnen Gruppen gibt es so nicht.

Das Konzept der Frauenfußball Bundesliga für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs orientiert sich stark an dem der DFL. So soll auch hier die Saison selbstverständlich mit Geisterspielen beendet werden. Es dürfte bei den Frauen sogar noch etwas leerer werden in und ums Stadion am Spieltag: Während die DFL mit knapp über 300 Personen plant, ist im Konzept für die Frauenfußball-Bundesliga von 214 bzw. 128 Personen zu lesen. Identisch zu dem DFL-Konzept ist der Rhythmus der Corona-Tests. Auch bei den Frauen sollen ab mindestens eine Woche vor einem möglichen Ligastart zwei Mal in der Woche Tests durchgeführt werden. 

Entscheidung Ende Mai - Sponsoreneinnahmen sind wichtig

Daran, inwiefern ein so strenges Quarantäne-Konzept wie bei der DFL auch im Frauenfußball umsetzbar sei, hatte Turbine Potsdams Trainer Matthias Rudolph zuletzt noch Zweifel geäußert. Anfang der Woche gab er gegenüber dem rbb zu bedenken: "In der Frauenfußball-Bundesliga sind nicht nur reine Profimannschaften. Es gibt bei uns zum Beispiel auch Schülerinnen, die zur Schule gehen." Überhaupt: So forsch wie die Vereine der DFL in den vergangenen Wochen formuliert man im Frauenfußball nicht den Drang nach einer Fortsetzung der Saison. Der DFB will erst bei einem außerordentlichen Bundestag am 25. Mai darüber entscheiden. Matthias Rudolph stellt aber für Turbine klar: "Grundsätzlich wollen wir spielen."

Auch aus finanzieller Hinsicht wäre das wichtig. Wie bei vielen anderen Sportarten geht es darum, Sponsorenverträge zu erfüllen und damit das nötige Geld in die Vereinskassen zu spülen. Nur wenige Vereine in der Liga sind finanziell so stark aufgestellt, wie die Topteams Wolfsburg und Bayern München, bei denen die großen Klubs aus dem Männerfußball dahinter stehen. Auch im Frauenfußball gilt: Gesichert wäre die Existenz vieler Vereine nur, wenn die Liga ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen darf.

Nur noch sechs Spieltage

Damit die dann notwendigen und teuren Hygienemaßnahmen überall umgesetzt werden können, hat die DFL bereits ein millionenschweres Hilfspaket für den Frauenfußball bereit gestellt. Damit könnten unter anderem die teuren Corona-Tests bezahlt werden. Erstmal braucht der Frauenfußball aber einen konkreten Zeitplan. 

Ein bisschen mehr Geduld und einen späteren Einstieg in den Spielbetrieb als die Männer können sich die Frauen erlauben: In der Bundesliga sind nur noch sechs Spieltage zu absolvieren. Diese könnte man mit Spielansetzungen unter der Woche in wenigen Wochen absolvieren. 

 

Sendung:  ARD Mittagsmagazin, 08.05.2020, 13.45 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Richtig! Wenn interessiert schon Frauenfußball.

  2. 1.

    Hier ist ein wunderbares Beispiel unser allen sozialen Kompetenz zu bewundern. Zeitgleich wird heftig über die Fortsetzung der ersten Liga im Männerfußball debattiert, während dasselbe Thema im Frauenfußball keine Sau interessiert. Sind die Frauen etwa nicht privilegiert, wenn sie wieder spielen dürfen? Ach, wartet! Frauen haben ja keine Millionenverträge. Deswegen regt sich hier keiner auf. Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte das alle wieder ihrem Beruf nachgehen können, egal womit man sein Geld verdient. Aber mal im ernst, bei der ersten Liga der Männer regen sich alle auf, weil die Spieler Millionen verdienen. Es geht nur um Neid, sonst gar nichts! Hätten sich alle Neider in ihrer Jugend mal den Hintern aufgerissen, könnten sie selber Kicker sein und Millionen scheffeln. Ich persönlich wollte mal Rockstar werden. Scheiterte an meiner Faulheit. Egal, ich bin glücklich. Und ich freu mich auf die Bundesligen der Privilegierten, ganz ohne neidisch zu sein.

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