René Serge Mund (Bild: dpa/picture alliance)
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Interview | Intendant Cottbuser Staatstheater - "Wir müssen so wenige Fehlentscheidungen wie möglich treffen"

Wegen der Corona-Krise sind die Theater im Land geschlossen. Besucher dürfen nicht kommen, Künstler können nicht proben. Ein Interview mit dem Intendanten des Staatstheaters Cottbus über die Situation - und wie trotzdem am Theater gearbeitet wird.

Was Sie jetzt wissen müssen

Das Cottbuser Staatstheater befindet sich - wie alle Spielhäuser derzeit - in Zwangspause. Der Intendant des Theaters, René Serge Mund, spricht über die schwierige Situation, fehlende Einnahmen, Arbeiten mit Kontaktverbot und über den Welt-Theatertag, der eigentlich am Freitag stattfinden sollte.

rbb|24: Herr Mund, gehen Sie an diesem Freitag, dem Welttag des Theaters, in die Öffentlichkeit? Findet trotz Corona etwas am Cottbuser Theater statt?

René Serge Mund: Nein, dadurch, dass wir keine Vorstellungen anbieten können, können wir am Tag des Theaters nichts Außergewöhnliches machen. Leider.

Wie gehen Sie denn mit der aktuellen Situation um? Welche Konsequenzen hat das Virus für das Staatstheater?

Es ist eine komplexe, komplizierte Zeit. Alles ist nicht vorhersehbar, wir betreten Neuland. Nicht nur im Theater, die ganze Welt, die Gesellschaft, die Wirtschaft. Wir sind in einer Situation, in der man glücklich sein kann, wenn man wenige Fehlentscheidungen trifft. Es geht nicht darum, jetzt alles bestens zu machen, sondern um die Reduzierung von Fehlentscheidungen. Das versuchen wir gerade. Nichtsdestotrotz, ich gehe davon aus, wir werden diese Krise überwinden.

Es heißt oft, Theater ist wie eine Familie. Zur Zeit können nicht einmal Proben stattfinden. Wie gehen Sie damit um, wie wird das koordiniert?

Wir haben einen Krisenstab und immer wenn wir getagt haben, musste ich am nächsten Tag wieder etwas anders entscheiden, weil die Realität eine andere war. Wir leben von Stunde zu Stunde, was wir jetzt beschließen, kann eine Stunde später wieder hinfällig sein. Wir stehen ständig in Kontakt, auch die Kollegen untereinander, über Telefon, Skype, E-Mails. Das versuche ich aufrecht zu erhalten. Das wird, denke ich, noch einige Wochen anhalten. Ich glaube auch nicht, dass wir ab dem 20. April wieder auftreten oder zusammenkommen dürfen. Ich gehe von einer Verlängerung dieser Phase, in der wir uns befinden, aus. Ich hoffe aber, dass wir noch bis zum Ende dieser Spielzeit zu einer Normalität zurückkommen. Damit meine ich nicht nur das Theater. Dass wir auch mal wieder auf die Straße gehen und uns begrüßen können, ohne diese Abstände, die wir halten sollen. Ich hoffe, dass das noch vor dem Sommer passiert.

Zurzeit gibt es für Ihr Haus keine Einnahmen, Ticketverkäufe können nicht stattfinden. Lässt sich das ausgleichen? Gibt es eine finanzielle Unterstützung?

Das steht noch ein bisschen in den Sternen. Ich habe die Ministerin [gemeint ist Kulturministerin Manja Schüle; Anm. d. Red.], so verstanden, dass die Einnahmen, die wir nicht erzielen können, berücksichtigt werden, sodass wir in unserem Betrieb in einer etwas besseren Situation sind, weil vom Rechtsträger Rücksicht genommen wird. Es liegt ja nicht daran, dass wir eine falsche künstlerische Konzeption haben und die Leute nicht ins Theater kommen.

Viele Unternehmen nutzen zurzeit die Chance und machen Arbeiten oder Reparaturen, die sonst nicht im laufenden Betrieb stattfinden können. Ist das bei Ihnen ähnlich?

Nun ja, eine Chance ist das nicht, aber wir nutzen natürlich auch die Zeit, um in kleinen Gruppen und mit den nötigen Abständen in den Werkstätten und in der Technik zu arbeiten. Ich versuche auch, den Betrieb weiter in Bewegung zu halten, soweit es eben geht. Die Werkstätten arbeiten in dieser modifizierten Form, die Künstler üben zu Hause für die kommenden Inszenierungen.

So ein Virus haben wir alle noch nicht erlebt, aber hatten Sie auf beruflicher Ebene schon einmal eine vergleichbare Situation, in der Sie komplett umdenken mussten? Konnten Sie da an Erfahrungen anknüpfen?

Nein, das ist völliges Neuland. Jeder Schritt ist unvorhersehbar, deswegen meinte ich schon: Wir müssen jetzt versuchen so wenige Fehlentscheidungen wie möglich zu treffen. Es zerrt auch an den Nerven, wenn man kein genaues Datum hat, zu dem alles vorbei ist. Dann könnte man vorausplanen. So haben wir immer Plan A, Plan B, Plan C, für den Fall dass wir morgen anfangen können oder erst übermorgen. Damit müssen wir jetzt einfach leben, weil es keine Lösung gibt. Ich bleibe dennoch optimistisch.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Das Interview führte Josefine Jahn für Antenne Brandenburg.

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.03.2020, 16 Uhr;

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