Flugplatz Schwarzheide/Schipkau - Was zur möglichen Porsche-Ansiedlung bekannt ist - und was nicht

Mi 06.09.23 | 14:27 Uhr | Von F. Ludwig, D. Schneider und A. Opitz
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Archivbild: Luftaufnahme vom Flugplatz Schwarzheide-Schipkau im Hintergrund die BASF Schwarzheide. (Quelle: Lausitz Luftsport- und Techniktage)
Audio: rbb24 Inforadio | 06.09.2023 | Dirk Schneider | Bild: Lausitz Luftsprot- und Techniktage

Der Autobauer Porsche plant offenbar den Bau einer Batteriefabrik in der Lausitz. Vieles ist allerdings noch unklar, offizielle Bestätigungen für die Pläne gibt es noch nicht - aber jede Menge Indizien. Von F. Ludwig, D. Schneider und A. Opitz

Die Lausitz ist aktuell nicht arm an Erfolgsmeldungen aus der Wirtschaft: Das Bahnwerk Cottbus ist im Bau, die BASF in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) produziert moderne Batteriekomponenten und Guben will mit Bifi nicht nur Fleisch-Snacks produzieren, sondern durch Lithiumhydroxid von Rock Tech einen der wichtigsten Batteriegrundstoffe liefern. Institute siedeln sich im Lausitz Science Park an, eine geplante Universitätsmedizin in Cottbus wartet auf eine letzte Bestätigung vom Wissenschaftrat.

Nun soll das nächste Leuchtturmprojekt für die Lausitz in den Startlöchern stehen, zumindest hat das die Deutsche Presse-Agentur (DPA) am Dienstag berichtet, eine Woche zuvor meldete die "Lausitzer Rundschau" ähnliches. Kein geringerer als der Autobauer Porsche soll Pläne haben, auf dem Flugplatz Schwarzheide/Schipkau eine Batteriefabrik zu errichten. Bestätigen will die Meldung bislang niemand - doch es spricht einiges für den Standort.

Keine Bestätigungen vom Land oder von Porsche

Aus dem Brandenburger Wirtschaftsministerium heißt es, man wolle sich nicht zu möglichen Ansiedlungen äußern. Solche Gespräche müssten vertraulich bleiben. Ähnlich äußerte sich die Brandenburger Wirtschaftsförderung.

Auch Porsche selbst ist zurückhaltend. Der Autohersteller baut aktuell eine Batteriefabrik in Baden-Württemberg. Perspektivisch soll ein zweiter Standort hinzukommen, es werde aber noch geprüft wo. Bis zum Jahresende soll laut Porsche eine Entscheidung fallen, nach rbb-Informationen sogar noch im Oktober.

Dass nun der Flugplatz Schwarzheide/Schipkau im Gespräch ist wird nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert. Und es gibt Hinweise, dass eine Großinvestition dort kurz bevorsteht.

Flugplatz wird als Gewerbegebiet vorbereitet

Der Flugplatz soll ohnehin zu einem grünen Gewerbegebiet umgestaltet werden. Das plant die Gemeinde seit längerem. Zahlreiche Solar- und Windparks in der Region machen das möglich.

"Die Großansiedlungsfläche ist seit mehreren Jahren in der Landesplanung mit berücksichtigt, als eine der wenigen Industrieflächen, die eine Ansiedlung ermöglichen würden", sagt Marcel Petermann. Er ist Manager des Regionalcenters Oberspreewald-Lausitz der Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK). Man könne den Flugplatz durchaus als "Filetstück" bezeichnen, bei den wenigen großen und zusammenhängenden in Brandenburg verfügbaren Flächen. Der direkte Autobahnanschluss sei ein weiterer Pluspunkt. "Die Parameter drum herum stimmen", so Petermann.

Neuer Planungsverband gegründet

Die Gemeinde Schipkau bemüht sich um Ansiedlungen, "jedoch können wir zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigen noch dementieren, dass sich Porsche in Schipkau ansiedeln wird", heißt es auf rbb-Nachfrage. Noch in diesem Jahr sollen aber Entscheidungen über mögliche Ansiedlungen auf dem Flugplatz getroffen werden, heißt es. In Vorbereitung dieser ist bereits der Planungsverband "Industriegebiet Schipkau-Schwarzheide" gegründet worden.

Das Gelände ist etwa 120 Hektar groß und würde einer möglichen Batteriefabrik ausreichend Platz bieten. Entwickelt wird die Fläche vom Dresdener Planungsbüro Gicon. Gegenüber dem rbb wollte sich Gicon am Mittwoch nicht äußern. Zu möglichen Ansiedlungen, die sich für den Flugplatz bewerben, äußerte sich Gicon-Chef Jochen Großmann allerdings in der "Lausitzer Rundschau" [Bezahlinhalt]. Firmennamen nennt Großmann nicht. Zu den Bewerbern gehören aber beispielsweise ein Rechenzentrum, Solarrecycling und Zulieferer der chemischen Industrie und: eine Batteriefabrik.

Kündigung für Fliegerclub

Aktuell wird der Flugplatz vom Aeroclub Schwarzheide/Schipkau genutzt, einem Fliegerverein. Der hat nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Klaus Wonneberger noch einen Pachtvertrag bis 2030. Am Dienstag sei dem Verein nun aber mitgeteilt worden, dass der Flugbetrieb zum 31. Dezember eingestellt werden muss.

Für den Verein ist das eine Hiobsbotschaft. Eine Ersatzfläche, obwohl laut Wonneberger zugesagt, gibt es noch nicht. Die 75 Mitglieder wissen demnach noch nicht, wo sie zukünftig ihr Hobby ausüben können. Es sei einer der wenigen Vereine überhaupt, in dem Segelflug, Motorflug, Ultraleichtfliegen und Modellflug möglich sei, so Wonneberger. Gegenüber dem rbb erklärte er am Mittwoch, er sei außer sich, weil für den Verein noch nichts geklärt sei.

Der Vorgang lässt sich aber auch so erklären, dass die Gemeinden Schipkau und Schwarzheide auf ihrer geplanten Industriefläche Tatsachen schaffen wollen. Selbst, wenn Porsche nur lose interessiert ist an dem Standort, könnten die Gemeinden ein Interesse daran haben, mit einem "fertigen" Industriegebiet ins Rennen um die Ansiedlung zu gehen.

BASF als Standortfaktor

Ein weiterer großer Punkt, der für die Ansiedlung von Porsche in der Lausitz spricht, ist die Nähe zu einem weiteren Industrieriesen der Region: in Schwarzheide, einen Steinwurf vom Flugplatz entfernt, betreibt der Chemiekonzern BASF ein Werk mit mehr als 2.100 Mitarbeitern.

Das Thema Batterien ist mittlerweile in Brandenburg nicht mehr ohne die BASF zu denken. Der Konzern hat in Schwarzheide die erste Kathodenproduktion Europas aufgebaut. Passend dazu produziert das französische Unternehmen Air Liquide am Standort Schwarzheide Grundstoffe für diese Fabrik. Beide Produktionen können, sofern es die Nachfrage erlaubt, vergrößert werden. Und die Batteriefabrik von Porsche könnte die Nachfrage deutlich erhöhen. Hinzu kommt, dass BASF bereits seit zwei Jahren mit Porsche zusammen arbeitet und am Standort bereits eine Anlage zum Batterierecycling plant. Dass die geplanten und im Bau befindlichen Batterie-Projekte in der Lausitz ebenfalls für eine Ansiedlung der Porsche-Batteriefabrik sprechen, sieht auch die IHK Cottbus so.

Es bleibt also spannend für Schipkau und Schwarzheide. Offizielle Bestätigungen gibt es für eine mögliche Porsche-Ansiedlung nicht. Doch die Indizien sprechen durchaus dafür. Klarheit wird es wohl erst im Oktober geben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 06.09.2023, 14:10 Uhr

Beitrag von F. Ludwig, D. Schneider und A. Opitz

28 Kommentare

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  1. 28.

    Es reicht wirklich. Die suchen doch einen Nachfolger für Herrn Bähler, bewerben Sie sich bitte als Fachkraft. So können Sie zeigen, was Sie drauf haben und die Probleme vor Ort sach- und fachgerecht lösen. Es gibt - soweit ich weiß - keine Altersbegrenzung.

  2. 27.

    Ist ein Flugplatz fast direkt neben der BASF-Chemiefabrik überhaupt noch zeitgemäß?

  3. 26.

    Jetzt reichst aber. Soll sich jeder selbst eine Meinung bilden der das hier liest.

  4. 25.

    Immerhin haben Sie erkannt, dass der WSE ungenehmigt zu viel gefördert hatte. Der hatte auch die höheren Fördermengen beantragt. Woher wissen Sie, dass der WSE dabei eine Fehler gemacht hat?

  5. 24.

    Dass Sie auch Tesla für den falschen Ort halten, ist hier lange bekannt, Wenn der Antrag auf zusätzliche Wasserrechte aber noch nicht genehmigt, darf der WSE die auch nicht ausschöpfen. Interessanterweise werfen Sie dabei ja dem WSE vor, dass er Wasserrechte beantragt habe, was es Ihrer Meinung nach gar nicht gäbe. Doch woher wissen Sie das? Haben Sie dafür Belege?

  6. 23.

    Funfact am Rande: Das Industriegebiet Freienbrink-Nord ist von der Gemeinde Grünheide aus Industriegebiet überplant worden.

  7. 22.

    Noch so ein Beispiel, wie Sie „verdrehen“ und Herrn Bähler in seiner Funktion beschädigen wollen:
    Vor 2020 wurde der Verband wegen zu viel Fördermengen abgestraft. Nach der Industrieansiedlung an falschem Ort sind die Fördermengen da. Das zeigt eines, Fördermengen gibt es nicht nach Wasservorkommen. Fördermengen gibt es dann, wenn unverantwortliche Standortfehler korrigiert werden müssen. Erfolglos. Das Wasser reicht nicht an jeden Standort. Ist doch einfach. Für Porsche wird es hier reichen. Wenn die Hausaufgaben richtig gemacht werden. Anders als in Grünheide hoffentlich.

  8. 21.

    Zum Wasserbedarf in Schwarzheide einfach Umweltbericht BASF Schwarzheide googeln.

    Problematisch sind die Schadstoffrachten der Abwässer, wenn die schwarze Elster im Sommer mal wieder austrocknet.

    https://www.chemietechnik.de/sicherheit-umwelt/bund-beklagt-undurchsichtigen-wasserverbrauch-von-chemieparks-316.html

  9. 20.

    Sie schreiben so, dass absichtlich verdreht wird. Fast jede Aussage die Ihnen nicht passt. Wie gut und besser hätte sich die Entwicklung vollziehen können mit richtigen Entscheidungen statt BER Standortfehlentscheidung u.a.
    Der Standort hier gehört nicht dazu. Andere, die die Landesregierung zu verantworten haben aber schon.

  10. 19.

    Die Landesregierung schafft die Rahmenbedingungen. Auch wenn Sie den BER-Standort für eine Fehlentscheidung halten, trägt der doch ebenso zum wirtschaftlichen Aufschwung des Landes bei wie andere Ansiedlungen. Haben Sie zufällig eine Rangliste zu Hand, bei der Ihre Behauptung zu den letzten Plätzen auch bei den Gehältern und Pensionen im öffentlichen Dienst belegt.

    Hier auch ein Bild zu den Börsenstrompreisen. Da wollten Sie ja neulich nicht glauben, dass die in diesem Jahr in Deutschland tiefer liegen als bei den Franzosen und hatten mich der Lüge bezichtigt.
    https://www.energy-charts.info/charts/price_average_map/chart.htm?l=de&c=DE&interval=year&color_scale=monoscale&choose_color_scale=monoscale

  11. 18.

    Sie sprechen eine Lohnentwicklung an, die die Landesregierung nicht verantwortet. Aber sie nutzt diese um selber schlechter die Ostleute zu bezahlen. Siehe auch Pensionen. Daran erkennt man die Moral?

  12. 17.

    Sie beschreiben eine Entwicklung. Das ist keine Platzierung. Das ist der Unterschied, den Sie verschleiern zu versuchen.

  13. 16.

    Irgendwie wirkt es schon unverschämt, wie Sie die Ost/West-(Ein-)Teilung 34 Jahre nach einer echten (!) Wende festzuschreiben scheinen. Wissen Sie wie lange die Grenze geschlossen war? Ganze 28 Jahre wirkten wie eine Ewigkeit. 34 Jahre danach ist auch eine Ewigkeit, die man so und so genutzt hat.

  14. 15.

    Lieber Aeroclub als weitere Versiegelung und Zerstörung von Natur für unsinnige Dosenbatterien. Würden die Umweltverbände und Träumer sich durchsetzen, könnten wir mit den Stromleitungen im Winter die Straßen eisfrei halten, wenn sich dieser Irrsinn durchsetzt, wie angedacht. Das schafft kein STromnetz, was alles so geplant und gehypt ist. Stopp dem E-Autowahn, Stopp dem Verbrennerwahn, Stopp dem Straßenneubauwahn.

  15. 14.

    Bähler hatte in der Tat so seine Problem gehabt, die vom WSE beantragte zusätzliche Wassermenge auch zu fördern. Die Genehmigung dafür liegt seit Anfang 2020 vor.

  16. 13.

    Und wie sieht es mit der Wasserversorgung für ein Porschewerk aus? Bei Tesla gibt es da ja so einige Probleme...

  17. 12.
    Antwort auf [Wossi ] vom 06.09.2023 um 22:27

    Sie phantasieren wie so oft faktenbefreit herum. Brandenburg steht im Gehaltsranking mittlerweile auf Platz zwei der Neuen Länder nach Sachsen. Dazu tragen auch die erfolgreichen Industrieansiedlungen und die Förderung des Mittelstandes bei, die das Land zu einem der Spitzenreiter bei Wachstum des BIP machen. In keinem anderen Bundesland ist das seit 1991 so stark gewachsen. Beim BIP pro Kopf liegt von den Neuen Ländern ebenfalls nur Sachsen vor Brandenburg. Aufgrund des vergleichsweise guten Abschneidens des brandenburgischen Arbeitsmarktes hat sich der Abstand zwischen der brandenburgischen und der bundesweiten Arbeitslosenquote erheblich verringert. Im Jahr 2022 betrug der Abstand nur noch 0,3 Prozentpunkte. , trotz einer starken Zuwanderung durch Geflüchtete aus der Ukraine. 2013 waren es noch 3,0 Prozentpunkte. Hier liefert sich Bbg. ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Sachsen. Die Zahl der Erwerbstätigen hat fast wieder die Zahl von 1991 erreicht.

  18. 11.

    Das wäre perfekt mit den Tagebauen. Nur, ich fürchte, es geht nicht, das ist doch alles umgewühlt und lose. Ein Bauwerk braucht ein Fundament und es heißt ja festen Boden unter den Füßen. Dann muss man auch noch hinkommen, aber Straße wird auch befestigt. Vielleicht hilft ein Investor aus Dubai? :-)

  19. 10.

    Da hätten die Menschen in Schipkau und Schwarzheide aber gar nichts von. Wenn man mit dem Zug nach Berlin möchte, fährt man über Senftenberg direkt nach Berlin. Über Cottbus zu fahren wäre es ein ganz schön weiter Umweg. Der zweigleisige Ausbau zwischen Lübbenau und Cottbus ist sicherlich dringend notwendig, nur in diesem Zusammenhang irrelevant.

  20. 9.

    Komisch, Tesla wird boykottiert und Porsche gefeiert

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