Interview | Forscherin über Hygienekonzepte - "Wir wollen, dass weiterhin Kulturveranstaltungen möglich sind"

Das Gebäude der Uckermärkischen Bühnen in Schwedt (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Tests am Eingang, Maske auch am Sitzplatz, nicht alle Stühle besetzen: Es gibt viele Hygienekonzepte, die die Ausbreitung von Corona auf Veranstaltungen verhindern sollen. Wissenschaftler untersuchen nun, welche funktionieren.

Clara Schirren hat Psychologie studiert und arbeitet am Harding-Zentrum für Risiko-Kompetenz der Universität Potsdam. Gemeinsam mit sechs weiteren Forschenden und Studierenden untersucht sie, wie gut verschiedene Hygiene-Konzepte bei Kulturveranstaltungen funktionieren und wie sie bei den Gästen ankommen. Am Samstag haben die Wissenschaftler die ersten Daten erhoben, bei der Premiere des Stückes "Linie 1" an den Uckermärkischen Bühnen in Schwedt.

rbb: Frau Schirren, Sie waren am Wochenende an den Uckermärkischen Bühnen beim Stück "Linie 1". Was haben Sie dort genau untersucht?

Clara Schirren: Wir haben die CO2-Sättigung in der Luft an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten der Vorstellung gemessen, um Aussagen über die Qualität der Lüftung machen zu können.

Wir haben uns außerdem das Verhalten der Menschen angeschaut, zum Beispiel wo und wie der Abstand zu anderen eingehalten wird und wie das Maskentrageverhalten ist. Parallel baten wir die Menschen darum, uns in einem Online-Fragebogen etwas über ihr Erleben der Veranstaltung und der Verhaltensregeln dort mitzuteilen. Und wir haben gefragt, ob die Menschen in den Tagen vor der Veranstaltung einen Corona-Test durchgeführt haben.

In zwei Wochen werden diejenigen, die uns ihre Email-Adresse dagelassen haben, von uns erneut kontaktiert. Dann interessieren uns das Auftreten von COVID-19-Infektionen und Symptomen sowie das Testverhalten der Menschen nach der Veranstaltung. Außerdem fragen wir nach der Einschätzung zu unterschiedlichen Konzepten für Kulturveranstaltungen im Kontext der Pandemie.

Gibt es schon erste Ergebnisse? Gibt es etwa Verhaltensweisen, bei denen mehr CO2 ausgestoßen wird?

Das können wir aus unseren Daten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Das war erst die erste Veranstaltung. Wir werden in den kommenden Wochen voraussichtlich insgesamt zehn begleiten und erst am Ende auswerten. Dabei werden wir uns unterschiedliche Verhaltensregeln und Einlasskonzepte anschauen. Zum Beispiel 3G und 2G; Vollbesetzung mit Maske am Platz und Teilbesetzung ohne Maske; oder eine sogenannte "harte Tür", bei der jeder vor Ort doppelt getestet wird, dafür aber drinnen alle Corona-Beschränkungen fallen gelassen werden.

Viele sagen, eigentlich seien alle geimpft, getestet oder genesen. Wieso sind Ihre Messungen trotzdem wichtig?

Wenn man den entsprechenden Epidemiologen und Virologen glaubt, dann sind wahrscheinlich nicht genügend Menschen geimpft, um im Herbst eine erneute Corona-Welle zu verhindern. Wir möchten dazu beitragen, dass auch wenn die Zahlen steigen weiterhin Kulturveranstaltungen möglich sind.

Wie ist das für Menschen bei Veranstaltungen, wenn sie immer aufpassen müssen? Das wirkt sich doch auf die Psyche aus oder nicht?

Ich denke schon. Wir erfassen zum Beispiel auch, welche Lüftungsanlagen auf welcher Stufe betrieben werden, um dann Aussagen dazu machen zu können, wie man den Besuch für Menschen besonders angenehm gestalten kann.

Sind die Menschen eher geneigt, innen keine Maske zu tragen dafür im Vorfeld Tests durchzuführen. Oder verhält es sich andersherum?

Wann werden Sie die ersten Ergebnisse veröffentlichen?

Unser Zeithorizont hängt auch von den Terminen der Veranstalter ab. Mit steigenden Infektionszahlen und sich ändernden politischen Regelungen werden Veranstaltungen verschoben. Deswegen kann ich nicht sagen, wann wir ausreichend fertig sein werden. Aktuell ist unser letzter Termin im Januar. Aber wir müssen schauen, wie sich das weiter gestaltet.

Frau Schirren, Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit der Forschung.

Das Interview führte Dilan Polat, rbb Studio Frankfurt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.09.2021, 14:10 Uhr.

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