Hochwasserschutz in Brandenburg - Landesumweltamt scannt Deiche per Flugzeug mit Lasertechnik

Die Deiche von Oder, Neiße und Spree werden zum Hochwasserschutz mit dem Flugzeug gescannt
Audio: Antenne Brandenburg | 18.06.2021 | Michael Lietz | Bild: rbb

Früher mussten Deichläufer die Hochwasser-Schutzanlagen zu Fuß abgehen, heute kommt moderne Technik zum Einsatz: ein Flugzeug mit hochauflösenden Kameras, welche die Deiche auf Schwachstellen scannen. Michael Lietz ist mitgeflogen.

Auf dem Flugplatz Schönhagen zwischen Ludwigsfelde und Luckenwalde (Landkreis Teltow-Fläming) laufen die letzten Vorbereitungen für einen Überflug. Dort liegt Heimathafen der Firma BSF Swissphoto. Die große Chesna vom Typ C 208 wurde im Inneren komplett umgebaut. Vor dem Start kontrollieren Pilot Thomas Wahle und Operator Uwe Lange die mehrere Millionen Euro teure Foto- und Lasertechnik. "Das Gerät macht seine Selbst-Kalibrierung", sagt Lange. "Und in 15 Sekunden wird sie fertig sein. Wir schalten das Kamerasystem ein und sind dann bereit für den Flug, machen einen Vorflugcheck und richten das Projekt ein."

Luftaufnahmen seit DDR-Zeiten

Die Firma fliegt derzeit im Auftrag des Landesumweltamtes entlang der Brandenburger Deiche an Oder, Lausitzer Neiße und Spree. Erstmals lässt das Amt Deiche aus der Luft vermessen. Schwachstellen wurden bisher aufwendig durch Deich-Begehungen ausfindig gemacht. Vermessen wird jetzt von dem Team auch die Heimatregion von Pilot Thomas Wahle im Spreewald, von Lübbenau bis Spremberg. Tausende Male hat er die Gegend schon von oben gesehen. "Dadurch, dass wir ganz Europa fliegen, haben wir ständig andere Regionen, die wir sehen. Wenn wir wieder in die Heimat kommen und dort die Region abfliegen, ist es immer wieder neu."

Uwe Lange und die Kamera zum Scannen der DeicheOperator Uwe Lange mit der Foto- und Lasertechnik

Luftfotografie gab es schon zu DDR-Zeiten. Die Abteilung Fernerkundung, Industrie- und Forschungsflug und war ein Teil der Interflug, der staatlichen Fluggesellschaft der DDR. Hauptaufgabe war dort das Vermessen der Braunkohletagebaue. Auch Uwe Lange war damals schon dabei und hatte 1988 seinen ersten Flug. Damals habe er sogenannte Abraumhalden, also Aufschüttungen mit Material aus den Tagebauten, fotografiert. "Da konnte man zu einem gewissen Tag, zu einem Stichpunkt, auf den Kubikmeter genau den Abraum berechnen, und daraus den Fortschritt für die nächsten oder der letzten Tage herausrechnen."

Scharf bis auf den Maulwurfshügel

Zum Vermessen der Deiche heute muss der Pilot das Flugzeug exakt 800 Meter über dem Erdboden im zuvor berechneten Korridor steuern, schnurgerade bei 300 Stundenkilometer. Dann öffnet sich eine Klappe an der Unterseite des Fliegers und die Datenerfassung beginnt.

"Bei Lasersystemen fliegen wir mit einer maximalen Abweichung von 20 Metern", sagt Operator Uwe Lange. "Bei Kamerasystemen können wir theoretisch 50 Meter Abweichung von der Soll-Linie fliegen."

Flussläufe werden mit modernen Kameras gescanntFluss-Überflug mit 300 Stundenkilometern

Insgesamt 1.110 Kilometer Deiche gibt es in Brandenburg. In diesem Jahr wird etwa die Hälfte davon vermessen. Die Computer brauchen mehrere Wochen, um die Daten auszuwerten. Der Sinn dahinter ist, dass das Landesumweltamt Informationen über den Zustand der Deiche sammelt - etwa wo Deiche zu niedrig oder kaputt sind. Sogar Maulwurfshügel sind auf den hochauflösenden Aufnahmen zu entdecken.

Stephan Landtwing von BSF Swissphoto Schönefeld wertet die Daten mit aus und sagt: "Man sieht den Zustand der Deich-Verteidigungswege. Man ist in der Lage, Schäden am Deich zu identifizieren und die Bewirtschaftung der Deiche - das Mähen - zu planen." Durch die Daten über die Höhe der Deiche könnten dann Überflutungs-Modelle und Hochwasser-Simulationen entwerfen.

Daten der Deich-ScansDaten zeigen Höhenunterschiede und Schwachstellen

In den kommenden Wochen wird die Crew dann in Nordeuropa unterwegs sein. Im kommenden Jahr sind sie mit ihrer Chesna aller Voraussicht nach wieder über den Deichen Brandenburgs zu sehen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.06.2021, 15:40 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Interessanter Bericht. Luftfotografie gab es jedoch auch schon vor DDR-Zeiten.

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