Die Brachflächen an der Heidestraße werden alle bebaut - nur schnelles Internet liegt noch nicht an. (Bild: imago/Kleist-Heinrich)
Audio: Inforadio | 12.02.2018 | Jenny Barke | Bild: imago stock&people

Breitbandausbau in Berlin - Mit Low-Speed ins Internet: Ein Büro in Mitte dreht Däumchen

Bis 2025 soll in Deutschland überall schnelles Internet bis zu 50 Mbit/s anliegen - das sieht der Koalitionsvertrag von Union und SPD vor. Aktuell hat allein in Brandenburg ein Drittel der Haushalte noch kein DSL. Doch selbst in Berlin gibt es "weiße Flecken". Von Jenny Barke

Im Norden des Berliner Hauptbahnhofes beginnt eine unbelebte Gegend. Hier, neben der vierspurigen Heidestraße, liegt im Herzen der Stadt das Architekturbüro "Centralstudio". Es ist in einem Gewerbehof versteckt: Ein heller, großzügig geschnittener Co-Workingspace in einem roten Backsteingebäude. Gute Verkehrsanbindung und moderne Arbeitsräume - optimale Bedingungen, dachte sich Landschaftsarchitekt Malte Stellmann, als er mit seinen Kollegen vor fünf Jahren in die Fabriketage einzog. Doch die Sache hatte einen Haken.

Keiner hatte angenommen, dass das Gebäude nicht über Breitband verfügenkönnte. "Wir hatten von Anfang an das Problem, dass wir kein DSL bekommen haben", sagt Malte Stellmann. "Es fand sich auch kein Betreiber, der es anschließen wollte."  

Däumchen drehen beim Hochladen

Seit fünf Jahren sind die Mitarbeiter deshalb dazu gezwungen, sich über LTE, dem mobilen Internet, zu verbinden. Dank der zentralen Lage in Berlin sei das LTE zwar viel verlässlicher als in den ländlichen Regionen in Brandenburg. Dennoch ist es manchmal eine Herausforderung für die kreativen Architekten und Designer, die oft Fotos und Entwürfe mit großem Datenvolumen verschicken müssen. Malte Stellmann dreht manchmal Däumchen beim Hochladen seiner Entwürfe: "Ich verschicke viele größere Grafiken gern mal mit 100 MB, das lade ich dann auf Server hoch, Mails packen das schon nicht mehr und je nachdem wie die Verbindung ist, dauert das manchmal schon echt lange."

Musik hören nicht über das Netz

Es komme deshalb auch auf gegenseitige Rücksichtnahme an. Mitarbeiter, die während der Arbeit Musik über das Netz streamen, seien nicht so gern gesehen, sagt der 40-Jährige schmunzelnd.

Wirtschaftliche Verluste hätten die Mitarbeiter durch das Arbeiten mit LTE aber nicht. Nur das Internet selbst sei eben teurer. Statt Monatsabo für eine Breitbandleitung limitierte Datenpakete für das mobile Internet. Doch die Gegend sei die langen fünf Jahre für die Netzbetreiber unattraktiv geblieben, so der Landschaftsarchitekt. 

Baustellen geben Grund zur Hoffnung

"Also am Anfang, als wir hier her gezogen sind, gab es hier ein zwei Architekturbüros und eine Tankstelle, rechts und links Brachflächen, da würde ich auch erstmal kein Kabel verlegen." 

Inzwischen hat die Gegend hat viel Potential. Große Plakate von Immobilienfirmen verkünden die Entstehung von modernen Bürokomplexen, Hotels und Eigentumswohnungen, überall wird gebaggert und gebaut. Vorn, auf der Heidestraße liegt schon DSL an. Doch die Verbindung zum Hinterhof fehlt nach wie vor.

Lange kann es also nicht mehr dauern: In wenigen Wochen soll das schnelle Internet endlich kommen. Stellmann und seine Kollegen bleiben erstaunlich geduldig, sie sind es schon gewohnt. Viel ändern wird sich dann mit dem Breitbandanschluss nicht. Nur schneller wird es gehen: "Es wird insgesamt weniger Seufzer im Büro geben, dass das Netz gerade wieder so langsam ist. Hoffe ich!" 

Sendung: Inforadio

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

4 Kommentare

  1. 4.

    Dass Zeit Geld wäre, scheint nicht nur auf die Geschäftsdurchtriebenen, sondern auf sehr viele andere übergesprungen zu sein. Ich persönlich weiß nun nicht, was an einer geringeren Geschwindigkeit per se falsch sein soll. Ich finde das wirklich nebensächlich.

  2. 3.

    Ja, es ist ein Armutszeugnis. Aber jeder vernunftbegabte überprüft doch vorher mit welcher Internetanbindung man rechnen kann. Also vor dem Umzug bzw. Vertragsabschluß.

  3. 2.

    Überhaupt prüft man das vorher, jede Baustelle muss auch an Wasser und Strom angeschlossen werden. Sich hinterher wundern ist seltsam!
    Lothar?

  4. 1.

    Komischer Beitrag. Hat das Büro den geprüft ob alternativ ein Anschluss über das TV-Netz möglich ist? Für Gewerbekunden sind Glasfaser Anschlüsse möglich (z.b Versatel).

Das könnte Sie auch interessieren