Der Musiker Till Brönner bei einem Konzert
dpa/Felix Hörhager
Audio: Inforadio | 25.11.2019 | Hans Ackermann | Bild: dpa/Felix Hörhager

Konzertkritik | "Better Than Christmas" - Brönner trompetet routiniert zur Weihnachtszeit

Der erste Advent ist erst in gut einer Woche. Star-Trompeter Till Brönner schert das nicht: Er hat seine "Better Than Christmas"-Tour einfach schon mal frühweihnachtlich gestartet. Hans Ackermann war beim Konzert in der Verti Music Hall dabei.

Auf dem Flügelhorn spielt Till Brönner die ersten samtweichen Töne von  "Better Than Christmas". Das gleichnamige  Album ist, wie der Trompeter dem Publikum offen und ehrlich gesteht, schon vor mehr als zehn Jahren aufgenommen worden. Damals hatte Yvonne Catterfeld bei diesem Song noch ihren Auftritt als Jazz-Sängerin.

Auch wenn Till Brönner den Gesang der Schauspielerin über alles lobt, für diesen Abend hat er sich mit Frank McComb dann doch lieber einen Sänger aus einer ganz anderen Liga mitgebracht. Der in Cleveland, Ohio geborene Vollblutmusiker war beim Album damals auch schon dabei, und singt heute unter anderem wieder den von ihm selbst geschriebenen Titel "What are you doing New Year’s Eve".

Weihnachtliche Coolness

Auf diese Weise werden die Themen  "Neujahr" und "Silvester" in diesem Weihnachtskonzert einfach gleich mitverhandelt.  "Auld Lang Syne", ein Lied, bei dem sich die Briten ein Frohes Neues Jahr wünschen, steht gleich am Anfang des Abends und zeigt in der Jazz-Version eine verblüffende harmonische Raffinesse.

Bei so viel feierlicher Klangschönheit müsste im Saal nun eigentlich Herzenswärme entstehen. Doch die Temperatur in der Verti Music Hall bleibt eher niedrig. Aber nicht im Sinne von kühl, eher cool: Es ist diese gewisse Lässigkeit eines Frank Sinatra oder Chet Baker, die auch Till Brönner pflegt. Mit geschmeidigen Soli in Titeln wie "Winter Wonderland" oder in einer atemberaubenden Doppel-Improvisation über "Let it snow", zusammen mit dem exzellenten Saxophonisten des Abends, Mark Wyand.

Bei "Moon River" taut der coole Till auf

Das Konzert ist nicht gerade übertemperiert, dafür aber ziemlich kalkuliert: zwei Mal exakt 45 Minuten Weihnachtsjazz, dazu genau eine Zugabe. Vielleicht ist diese etwas ungemütliche Eile ein wenig dem Veranstaltungsort geschuldet. Oder dem Weg dorthin, in diese unbehauste Gegend an der East Side Gallery. Das Foyer der Halle erinnert mit seinem fehlenden Charme und der Schnellgastronomie an ein Multiplexkino.  Der Saal hat zwar eine gute Akustik, aber wenig eigenen Charakter. Man sitzt bequem, hört im perfekt gemischten Sound alles sehr gut - aber eine intensive Konzertstimmung will sich irgendwie nicht entwickeln.

"Moon River" erzählt Till Brönner dem Publikum dann noch, sei für ihn in jedem Fall auch ein Weihnachtslied. Henry Mancini hat den unsterblich schönen Song für den Film "Frühstück bei Tiffany" komponiert. Audrey Hepburn und George Peppard: diese beiden habe er sich früher immer zur Weihnachtszeit oder zwischen den Jahren im Fernsehen angeschaut. In solchen offenherzigen Momenten kommt an diesem coolen Abend dann doch einige Wärme auf.

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Das kommt zwar ein bisschen spät, aber dennoch: "What Are You Doing New Year's Eve" wurde nicht von Frank McComb geschrieben. Es ist vielmehr bereits 72 Jahre alt und wurde 1947 von Frank Loesser komponiert.

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