«Decolonize» ist auf das mit Farbe beschmierte Bismarck-Nationaldenkmal in Berlin gesprüht. (Quelle: dpa/Sven Braun)
Bild: dpa/Sven Braun

Umstrittene Geschichtszeugnisse - Parzinger fordert Debatten, statt Denkmäler nur zu schleifen

In der Diskussion um den Bestand von Denkmälern etwa mit rassistischem oder kolonialistischem Hintergrund fordert der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, Dialog statt Abriss.

"Ich verstehe, dass man zu gewissen Zeiten bestimmte Denkmäler nicht mehr sehen will", sagte Parzinger der dpa in Berlin. Das gelte etwa für die Denkmalstürze von Saddam Hussein im Irak oder von Lenin in Deutschland und Osteuropa. "Aber es sollte einen gesellschaftlichen Dialog darüber geben, wenn bestimmte Denkmäler von der Gemeinschaft mehrheitlich nicht mehr gewünscht sind. Einzelne Gruppen sollten sich nicht selbst das Recht nehmen, Denkmäler einfach zu zerstören."

Für den Umgang mit den Denkmälern braucht es Debatten

In Berlin und Brandenburg waren in den Monaten nach der Wende 1989 viele Denkmale geschliffen worden, etwa das Lenindenkmal am heutigen Platz der Vereinten Nationen, allerdings sind auch sehr viele noch immer erhalten, etwa das Thälmanndenkmal an der Greifswalder Straße in Berlin - ähnlich in Brandenburg, wo zwar der Panzer in Kleinmachnow vom Sockel geholt wurde, das Pieck-Denkmal in Guben aber erhalten blieb. In den vergangenen Jahren nun wurden vor allem Bedenken laut gegen Politiker und Persönlichkeiten aus den Zeiten der Kolonialgeschichte Deutschlands.

Parzinger sagte weiter, die Debatten über die umstrittenen Denkmäler seien wichtig, da sie einer Gesellschaft bestimmte Etappen ihrer komplizierten und schwierigen Geschichte bewusst machten.

Hermann Parzinger, Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Hermann Parzinger, Präsident Stiftung Preußischer KulturbesitzBild: dpa/Fabian Sommer

Parzinger ist Archäologe und Prähistoriker und hat seine Forschungen zur Zerstörung
von Kulturerbe in "Verdammt und vernichtet - Kulturzerstörungen vom Alten Orient bis zur Gegenwart" zusammengefasst. Darin zeigt er auf, wie Kulturzerstörungen die Geschichte von Auseinandersetzung begleiten.

Sendung: rbbKultur, 10.04.2021, 16 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Nee, Geschichtsopa ich glaub, da sind Sie auf dem Holzweg. UDSSR - Union der sozialistischen Sowjetrepubliken gibts wirklich nicht mehr, die ehemaligen Mitgliedsstaaten sind Geschichte. Und das kann man einem Kind sehr wohl erklären , wenn man etwas nachdenkt. Es ist schlimm, in der Vergangenheit hängen zu bleiben.5

  2. 4.

    Was da läuft mit Umbenennung von Straßennamen erinnert mich ganz schlimm an die chinesische Kulturrevolution. Alles auslöschen, was in der Vergangenheit dargestellt, geschrieben, gedacht wure und nicht den aktuellen Wünschen einer Gruppe entspricht, das ist verhängnisvoll. Mit schönen Grüßen an die rbb Journalisten: Sie machen das auch, indem Sie meistens, wenn es um die UdSSR geht, Russland sagen. Wie sollen unsere Enkel das 20. Jahrhundert verstehen, wenn sie nicht wissen, dass es da 70 Jahre lang einen Staat namens Sowjetunion gab. Bei allem, was den II. Weltkrieg betritt, war es die Sowjetunion und deren Armee.

  3. 3.

    Einerseits wollen einige alles was an unsere Vergangenheit abschaffen. Was sehr gefährlich sein kann denn es wird schlimm wenn ein Volk keine Vergangenheit hat. Wir hatten das schon einmal in unserer Geschichte wo es Kunst und Bücherverbrennung gab. Wollen wir uns wieder auf dieses Niveau begeben. Ein Volk muss sich mit seiner Geschichte aus einander setzen auch wenn es dunkle Flecken gibt. Es ist immer leicht aus einer bequemen Ecke auf andere zurichten.
    Ein Volk kann aber auch aus seiner Vergangenheit lernen, das sollte unser Ziel sein.
    Das erste wäre Respekt für jeden Menschen.

  4. 2.

    Spätestens vom Bildersturm der Reformation über die Plünderung der französischen Königsgräber und die Vernichtung von Schlössern und Kirchen bis zur ideologisch begründeten Entsorgung ganzer Altstädte und anderer Stadtviertel zieht sich durch die Kunst- und Kulturgeschichte eine Spur der Verwüstung durch radikale Eiferer: Was nicht zum verblendeten Weltbild passt, muss weg. Da wird nicht diskutiert, da wird nicht differenziert, da kann das Geschichtszeugnis nicht ergänzt oder kontrastiert werden und auch von Überwundenem zeugen und mahnen - Auslöschung ist angesagt. Man darf schon dankbar sein, wenn die Schreihälse nicht gleich mit Sprengstoff zu Werke gehen und jeden, der ihnen zu widersprechen wagt, niedermachen. Allerdings geht die Gewalt gegen Sachen in der Regel einher mit der Gewalt gegen Menschen.

  5. 1.

    Denkmäler werden vielleicht bei der Herstellung geschliffen - später werden sie dann geschleift. Und daran hat m.W. auch die neue Rechtschreibung nichts geändert.

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