Ehemaliges Heim für betreutes Wohnen - Josephinen-Anlage nach Massenkündigung nun Ferienunterkunft auf AirBnB

Fr 19.08.22 | 18:30 Uhr | Von Efthymis Angeloudis
Unterkunftsangebot in Potsdam (Quelle: airbnb.de)
Bild: airbnb.de

Nach der Massenkündigung der Senioren der Josephinen-Wohnanlage in Potsdam bietet der Betreiber die Wohnungen nun als Ferienunterkünfte über AirBnB an. Von den einst 111 Senioren wohnen nur noch neun im Haus. Von Efthymis Angeloudis

Nach der viel kritisierten Massenkündigung von mehr als 110 Senioren in der Josephinen-Anlage in der Potsdamer Burgstraße sollen leergeräumte Wohnungen in dem ehemaligen Heim für betreutes Wohnen ab September als Ferienunterkünfte über die Plattform AirBnB vermietet werden. Das teilte Marcus Speckenbach, Managing Director der Hamburger MK-Kliniken AG, dem Mutterunternehmen des Betreibers SGG, rbb|24 am Freitag nach einer schriftlichen Anfrage mit.

Der Tagespreis für die 28 Quadratmeter großen, möblierten Appartements mit eigenem Bad und Einbauküche liegt zwischen 22 und 28 Euro einschließlich Mehrwertsteuer. "Für den Tourismus in Potsdam eine Riesenchance, denn nun können auch Leute mit kleinem Geldbeutel die Stadt besuchen", erklärte Speckenbach.

Nur noch neun Wohnungen von Senioren belegt

Im Haus sind nach Angaben von Speckenbach von den einst 111 nur noch neun Wohnungen von Senioren belegt. "Allen Vermutungen nach werden die restlichen Mieter auch noch ausziehen. Damit steht die Nutzung für Studentenappartements", so der Managing Director der MK-Kliniken AG weiter.

Es war der erklärte Plan des Betreibers, in dem Haus künftig möblierte Unterkünfte für Studenten anzubieten. Davon nahm die Firma zwischenzeitlich Abstand und verhandelte mit der Stadt Potsdam über die Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge, darunter vorzugsweise Senioren. Nach langem Hin und Her habe die SGG der Sozialbeauftragten der Stadt Brigitte Meier (SPD) ein schriftliches Vertragsangebot mit allen detaillierten, wesentlichen Punkten als Eckpunktepapier übersandt, so Speckenbach. Eine Antwort habe Speckenbach der MK-Kliniken AG bis heute nicht erhalten.

Noch im Juni sah Meier die Verhandlungen "auf einem guten Weg". Diese würden allerdings mit dem Betreiber unter der Bedingung geführt, dass die Wohnsituation der noch verbliebenen Bewohnerinnen und Bewohner gesichert sei.

Umzug für ehemalige Bewohner belastend

Die 93-jährige Marianne ist eine der einst 111 Bewohner des Josephinenstifts, die ausziehen mussten. Seit Ende Juli lebt sie nun in einer betreuten Wohnanlage in Berlin. "Der Umzug war nicht sehr gut für mich", sagt die Seniorin rbb|24. Sie sei in ihrer neuen Wohnung in Friedrichshain noch gar nicht angekommen.

Dass ihre ehemalige Wohnung nun auf AirBnB angeboten werde, enttäusche sie. "Wir waren da zuhause. Jetzt ist alles so mühsam." In Potsdam sei alles im Haus geregelt gewesen. Man hatte keine Probleme, Dienstleistungen zu bekommen. Hier müsse alles ihr Sohn erledigen. "Gott sei Dank habe ich eine Familie, die sich um mich kümmert", sagt Marianne. "Es gab aber auch Menschen dort, die niemanden hatten."

Härtewidersprüche blieben unbeantwortet

Marcus Speckenbach beteuert gegenüber dem rbb, dass die Mieter "im Gütlichen ausgezogen" seien. Es habe keine Gerichtsklage von ihrer Seite gegeben. Dem widerspricht sowohl Marianne als auch der Potsdamer Mieterverein. "Ich habe Klage erhoben gegen die Kündigung und auf Schadenersatz, weil ich viele Kosten wegen dem Umzug hatte", sagte die 93-Jährige am Freitag.

Auch Holger Catenhusen, Geschäftsführer des Potsdamer Mietervereins, empfahl den Bewohnern, gegen die erfolgten Kündigungen sogenannte Härtewidersprüche einzulegen.

"Da das Versenden der Widerspruchsschreiben in der Hand der Bewohner lag, wäre eine etwaige Antwort des Vermieters sicherlich an die Bewohner adressiert worden – und nicht an uns", sagte er noch am Mittwoch dem rbb. "Uns ist jedoch kein Fall bekannt, in dem der Vermieter auf ein solches Widerspruchsschreiben inhaltlich reagiert hat."

Unterkunftsangebot in Potsdam (Quelle: airbnb.de)

Zweckentfremdung von Wohnraum?

Doch außer dem Ärgernis für die ehemaligen Bewohner stellt sich auch die Frage der Rechtmäßigkeit einer Vermietung von Ferienwohnungen über AirBnB. In Potsdam gilt seit letztem Jahr eine Satzung über das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum. So werden zum Beispiel Ferienwohnungen unter Genehmigungsvorbehalt gestellt – die Verwendung von Wohnraum zu anderen Zwecken soll dadurch im Einzelfall abgewogen werden.

Nach dem Kenntnisstand der Stadt Potsdam habe sich an der Nutzung nichts geändert, sagte eine Sprecherin rbb|24 am Freitag. "Auf Grund der schwierigen Lage zur Unterbringung Geflüchteter befindet sich die Landeshauptstadt Potsdam nach wie vor in Gesprächen mit dem Betreiber."

Hinweis: In einer vorherigen Version dieses Beitrags wurde Marcus Speckenbach als Vorstandvorsitzender der MKK Kliniken AG bezeichnet. Speckenbach ist allerdings Managing Director der MKK Kliniken AG. Wir bitte diesen Fehler zu entschuldigen.

Beitrag von Efthymis Angeloudis

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