Vorzeitige Haftentlassung - Bereits mehr als 160 Straftäter erhielten in Berlin Weihnachtsamnestie

Fr 11.11.22 | 08:49 Uhr
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Archivbild: Haupteingang, Tor 1 der JVA Tegel, Seidelstraße, in Berlin Reinickendorf. (Quelle: dpa/Schoening)
Audio: rbb24 Inforadio | 11.11.2022 | Bild: dpa/Schoening

Rund sechs Wochen vor Heiligabend sind in Berlin bereits mehr als 160 Straftäter dank der sogenannten Weihnachtsamnestie vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Das teilte die Senatsjustizverwaltung auf Anfrage mit. Sie spricht von einem Sammelgnadenerweis.

Neben dem Verhalten der Häftlinge war ausschlaggebend, dass sie ohnehin zwischen Ende Oktober und Anfang Januar 2023 freigekommen wären. Die meisten Gefangenen haben zuvor in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee eingesessen. Dort erfüllten laut Justizbehörde 71 Männer die Bedingungen für die frühzeitige Entlassung, in der JVA Heidering waren es 34.

 

Mit der vorzeitigen Entlassung ermögliche das Land geeigneten Gefangenen eine vorzeitige Wiedereingliederung in die Gesellschaft, erklärte Justizsenatorin Lena Kreck (Linke). "In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass in der Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel die Suche nach Wohnungen und Arbeitsplätzen besonders schwierig ist, deshalb beginnt das Land Berlin mit der Gewährung der Gnadenerweise bereits Ende Oktober."

Nach Angaben eines Justizsprechers saß ein Großteil der vorzeitig entlassenen Straftäter wegen Diebstahls (57 Fälle) oder Körperverletzung (20 Fälle) im Gefängnis. In 18 Fällen ging es um Erschleichen von Leistungen, meist handelt es sich dabei um Schwarzfahren.

2021 profitierten in Berlin mehr als 120 Häftlinge von der Regelung

Im vergangenen Jahr profitierten in Berlin laut Justizbehörde mehr als 120 Häftlinge von der Entscheidung, im Jahr 2020 waren es 141. Bei den Zahlen für das aktuelle Jahr seien noch Veränderungen möglich. Die seien vermutlich aber geringfügig, so der Sprecher.

Auch in den meisten anderen Bundesländern werden Häftlinge dank der sogenannten Weihnachtsgnade frühzeitig entlassen. Lediglich Bayern begnadigt prinzipiell nie zum Jahresende. Im vergangenen Jahr durften nach damaligen Zahlen bis Mitte Dezember bundesweit rund 800 Straftäter das Gefängnis vorzeitig entlassen. In Berlin gilt seit 2017 der Zeitraum für die frühzeitige Entlassung bereits ab Oktober.

Sendung: Fritz, 11.11.2022, 7 Uhr

9 Kommentare

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  1. 9.

    Blubber blubber blubber!

    In Plötzensee sitzen Leute ein die geringfügige Straftaten oder kurze Strafen absitzen. Häufig unbezahlte Geldstrafen.

    Körperverletzung iat meist Schlägerei im Suff.

    Soviel zum angeblich kritischen Beobachter.

  2. 8.

    Ja is denn heut scho Weihnachten?

  3. 7.

    Am besten schon im Mai Straftäter entlassen, die Gewalttaten verübt haben, denn da beginnt auf dem Arbeitsmarkt die Sommerkonjunktur und im Biergarten die Freiluftsaison!
    Bei Linken und Grünen ist die täterzentrierte Rechtsauffassung besonders ausgeprägt ([Irr]Glaube an das Gute im Menschen?). Um Opfer wird sich nur gekümmert, wenn sie einer bestimmten Gruppe angehören, die eine politische Lobby in der Gesellschaft hat. Die hatten die Opfer vom Breitscheidplatz nicht - mit den bekannten Folgen!

  4. 6.

    Es ist Wunschdenken. Verbunden mit dem Willen, freie Haftplätze zu schaffen. Das gelingt allerdings nur kurzzeitig. Spätestens im Frühjahr sind die alle wieder belegt.

  5. 5.

    Einem nicht geringen Anteil derer bedeutet Weihnachten aus religiösen Gründen nicht einmal etwas.

  6. 4.

    Unsinn. Hier geht's schlicht und ergreifend um Kosten. Die entsprechenden Strafgefangenen wären ohnehin in den nächsten Wochen entlassen worden.

  7. 3.

    Hier werden Straftäter noch belohnt um Weihnachten zu feiern. Was ist hier los????

  8. 2.

    Hat die Justizsenatorin eigentlich auch eine Untersuchung, dass die Wiedereingliederung in die Gesellschaft auch wirklich funktioniert. Oder ist es nur Wunschdenken?

  9. 1.

    Wann gibt es eine Amnestie für die Opfer?

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