Passagiere verließen Zug auf freier Strecke - Widersprüchliche Angaben über liegengebliebenen Regionalexpress

Di 20.06.23 | 15:01 Uhr
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Archivbild: Menschen werden aus einem Zug evakuiert. Auf freier Strecke ist in Berlin in der Wuhlheide am Sonntagabend ein Regionalexpress wegen einer Fahrzeugstörung liegen geblieben. (Quelle: dpa/J. Boutin)
Video: rbb|24 | 19.06.2023 | Nachrichten | Bild: dpa/J. Boutin

Nach einem Fahrzeugschaden im RE2 saßen am Sonntag Hunderte Passagiere auf freier Strecke fest und verließen irgendwann den Zug. Die Deutsche Bahn spricht von einem Stillstand von 30 Minuten. Doch Fahrgäste widersprechen.

Nachdem ein defekter Regionalexpress am Sonntag in Berlin-Köpenick liegengeblieben ist, widersprechen Fahrgäste den Angaben der Deutschen Bahn. Diese hatte am Montag mitgeteilt, dass der Zug circa 30 Minuten gestanden hätte.

Einschlägigen Augenzeugenberichten zufolge soll der Regionalexpress jedoch ungefähr zwei Stunde gestanden haben, bis die Passagiere über die Gleise in eine Böschung evakuiert worden sind.

Auf erneute Nachfrage von rbb|24 sagte ein Bahnsprecher dann am Dienstag, "der Zug hätte nach einer halben Stunde weiterfahren können, wenn die Türen nicht geöffnet worden wären". Später teilte die Bahn schriftlich erneut mit, der Zug habe rund 30 Minuten gestanden.

Ein Fahrgast hatte dem rbb geschildert, dass Bedienstete der Bundeswehr, die sich in dem RE2 befanden, die Türen des Zugs geöffnet hätten, um für frische Luft zu sorgen. Ein User berichtete außerdem, dass es eine Durchsage gegeben hätte, dass die Türen geöffnet werden, jedoch niemand den Zug verlassen solle.

Lief die Klimaanlage?

Auch zur Funktion der Klimaanlage gibt es widersprüchliche Angaben. Nach rbb-Informationen stand der Zug einige Zeit mit ausgeschaltetem Motor und entsprechend auch ausgeschalteter Klimaanlage auf dem Gleis

Die Bahn teilte am Montag mit, dass die Klimaalage nur "etwa zehn Minuten nicht in Betrieb" gewesen sei. In dieser Zeit sei die Lok "resetet" worden, um die Fahrtüchtigkeit des Zuges wiederherzustellen.

Ein User berichtete rbb|24 jedoch am Dienstag, dass das Abteil, in dem er saß, schon zu Beginn warm gewesen sei und dass der Zug ohne laufende Klimaanlage zum Stehen gekommen sei.

Warnung vor eigenmächtigem Ausstieg

Der Zug der Linie RE2 war nach Angaben von Bundespolizei und Feuerwehr am Sonntag aufgrund eines technischen Defekts auf freier Strecke zum Halten gekommen. Nach Angaben der Bahn vom Montag befanden sich rund 300 Menschen an Bord des stehenden Zuges.

Laut Feuerwehr waren die Passagiere nach einer gewissen Zeit in Unruhe geraten und hätten den Zug durch die notentriegelten Türen verlassen - auf die freie Strecke und in den Wald hinein, so ein Feuerwehrsprecher. Die benachbarten Gleise mussten gesperrt werden, zahlreiche Züge und S-Bahnen konnten nicht mehr weiterfahren.

"Wir raten ganz klar davon ab, die Türen eigenständig zu öffnen", sagte ein Sprecher der Feuerwehr gegenüber rbb|24. Passagiere liefen gleich in mehrfacher Hinsicht Gefahr: durch Stromschläge, schnell fahrende Züge, die durch ihre Geschwindigkeit eine Sogwirkung hätten oder sie könnten im freien Gleisbett, durch Bahnschwellen, Gleise, Steine oder Kabel, stolpern.

Die Bahn mahnt

Auch die Bahn mahnte von eigenständigem Handeln in solchen Situationen abzusehen. "So schwer es auch fallen mag, sind alle Reisenden angehalten im Zug zu bleiben und auf Anweisungen unserer Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer zu warten und niemals eigenmächtig auszusteigen", sagte eine Sprecherin. "Bahnanlagen dürfen nur autorisierte Personen betreten. Für alle anderen Menschen ist das nicht nur gefährlich, sondern kann auch eine hohe Geldbuße von bis zu 5.000 Euro nach sich ziehen." Bei einer konkreten Gefährdung des Eisenbahnbetriebs handele es sich sogar um eine Straftat.

Feuerwehr: keine Verletzten, kein Kollaps

Die Berliner Feuerwehr bestätigte Augenzeugenberichte, nach denen Personen wegen der Hitze im Zug kollabiert seien nicht. "Keine Person wurden als verletzt eingestuft", sagte ein Sprecher der Feuerwehr rbb|24. Die Passagiere wären aufgeregt gewesen, von einem Kollaps habe man aber nichts mitbekommen.

Einsatzkräfte der Feuerwehr brachten die Fahrgäste schließlich zum S-Bahnhof Wuhlheide. Um sicherzugehen, dass sich keine Fahrgäste im Wald verirrt haben, wurden Drohnen mit Wärmebildkameras eingesetzt. Es hatten sich laut Berliner Feuerwehr jedoch keine Personen im Wald verirrt. Der defekte Zug wurde abgeschleppt.

Der Bahnverkehr war durch den liegengebliebenen Zug im Südosten der Stadt gestört, die Strecke von und nach Cottbus massiv beeinflusst. Am Montagmorgen hat sich der Verkehr wieder normalisiert.

Sendung: rbb24, 19.06.2023, 21:45 Uhr

50 Kommentare

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  1. 50.

    Danke für diesen tollen begriff!
    Wieder was gelernt...
    Ich bin dafür, die „ ereignisorientierte instandhaltung“ auch im kfz- Verkehr einzuführen! Da könnten mio. von autofahrern regelmässige tüv- gebühren sparen! Das wäre doch betriebswirtschaftlich sicher auch sehr sinnvoll….

  2. 49.

    Durch bessere Wartung der Züge könnte man solche Störungen minimieren.

  3. 48.

    Ohne Sinn und Verstand ist zu pauschal. Soweit im Gänsemarsch gelaufen wird und der Anführende Sachkenntnis hat, ist dagegen nichts einzuwenden, wer sich nicht zur faktischen "Geisel" eines zu kurzfristig agierenden betriebswirtschaftlichen Managements machen will.

  4. 47.

    Ich spreche vom grundsätzlichen Wandel in den Instandhaltungsgrundsätzen, sogar nicht nur, aber eben auch bei der DB.

    Jahrzehntelang herrschte eine durchgängige und solide vorsorgende Instandhaltung, wirkliche Bahner prüften alles auf Herz & Nieren. Dann kamen Betriebswirtschaftler darauf, dass das ja zu teuer und obendrein ja eigentlich sinnlos sei. Dann wurde die so bezeichnete "ereignisorientierte Instandhaltung" eingeführt - ein mittlerweile ebenso eingeführter, wie vernebelnder Begriff. EREIGNISorientiert heißt nichts anderes, als dass das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen sein muss, damit es hinterher spektakulär gerettet werden kann - das wäre dann das Ereignis, während vorher ja noch nichts zu sehen sei.

    Nur der sicherheitsrelevante Bereich ist nach dem seinerzeitigen Achsbruch bei der Berliner S-Bahn und der Außerdienststellung von drei Viertel der Fahrzeugflotte davon ausgenommen: Bremsen und Fahrwerk werden solide überprüft.

  5. 46.

    Nun ja, können Sie belegen, daß dieser Zug inkl.Lok nicht ordnungsgemäß gewartet wurde?
    Was ja nicht heißt, daß die DB und andere EVU da erhebliches Verbesserungspotential haben.
    Diese Form der Eigeninitiative(Türen uff)haben wir schon zu DR-Zeiten gemacht. Nur ist da keiner auf den Gedanken gekommen, auszusteigen. Und genau das ist das Problem. Aussteigen auf freier Strecke ohne Sinn & Verstand. Ähnlich wie einfach von A nach B auf den Kabelkanal zu laufen. Scheint gerade bei Touris neuer Sport zu sein. Auswirkungen ähnlich. Nämlich umgehender Stillstand.

  6. 45.

    Um ca. 18 Uhr ist der Zug zum Stehen gekommen. Um 18:30 haben sie die Türe geöffnet und es war 19:15 als wir endlich rausgekommen sind.

    Als die Türen geöffnet wurden, war es merklich erträglicher im Wagon. Auf dem Weg zum Ende des Zuges sind einige Wagons extrem heiß gewesen. Ich habe sehr viel Zweifel dass die Klimaanlage (gut genug) funktioniert hat und ich bin dankbar, dass die Bundeswehrsoldaten eingegriffen haben.

  7. 44.

    Gibt es eigentlich hier ein Artikel, den sie nicht mit ihren Belanglosigkeiten vollschreiben? Schon schwierig den Behriff "Not" zu verstehen.

  8. 43.

    Nun, den RE7 hat das ganze doch gar nicht tangiert. Der fährt sowieso aktuell von KW aus zum BER und kommt gar nicht in die Nähe des Ortes, an dem der RE2 liegen blieb.

  9. 42.

    Wenn die Deutsche Bahn AG und ihre Töchter mit dem Unplanmäßigen, was durch vernachlässigte Instandhaltung faktisch herbeigeführt worden ist, nicht zurechtkommen, dann ist schlicht Eigeninitiative geboten. Wenn dazu noch Umsicht kommt, wie es hier den Anschein hat, weil ja niemand verletzt wurde: um so sinnvoller.

    Bei einem S-Bahn-Zug nahe Hackeschen Markt war ich einmal vor mehr als einem Jahrzehnt mit dabei. Nach 20 Minuten Stillstand in der Hitze des Zuges war denn besagte Eigeninitiative - angestoßen durch jemand anderen - gefragt und wurde auch erfolgreich praktiziert. Jederzeit würde ich es wieder so machen.

  10. 41.

    Hallo? Haben sie den text gelesen? Es gibt widersprüchliche angaben bzgl. haltezeit (30 min oder 2 std) und ausfallzeit der Klimaanlage (10 min oder schon vorher ausgefallen)..
    Wem glauben wir nun? Der Bahn oder den passagieren, die im zug waren? Sie wahrscheinlich der bahn. Oje.

  11. 40.

    Kommentar #25 liest sich etwas anders. Also halten wir fest: keiner von uns beiden war dabei und die Überschrift des Artikels sagt schon alles ;)

  12. 39.

    @Andi. Ja,ich kenne die Warnungen. Ich bin über 20 Jahre in Berlin Taxe gefahren und habe Monate meines Lebens anTaxi-Halten in der prallen Sonne gestanden. Ich weiß wovon ich rede. Aber wenn ein Regio liegenbleibt, ist es nicht mehr zumutbar? Meine Güte, 30 Minuten halt und 10 Minuten ohne Klimaanlage. Dafür werden dieTüren geöffnet, die Strecke voll gesperrt und es hätte Tote geben können!

  13. 38.

    Kennst du die schönen bunten Bilder, wie sich der Innenraum eines PKWs aufheizt wenn es draußen 20°, 25°, 30° etc warm ist und die Sonne richtig schön scheint? Nur weil es in diesem Fall kein Pkw sondern ein Zug war und vielleicht auch kein Kind bzw Hund mit Absicht sitzen gelassen wurde, macht es die steigende Hitze in dem Zug nicht minder heiß.

  14. 37.

    Wenn ich den Schalter öffne dreht sich der Motor nicht mehr. Er ist ausgeschalten. Das sollte auch bei einer E-Lok so sein.
    Ansonsten sind die Leute die über diese Temperaturen meckern nicht zukunftsfähig.
    Die Informationspolitik der Bahn ist auf jeden Fall ausbaufähig. Die Leute würden zum Teil anders reagieren, hätten sie ausreichend Informationen.
    Bis Rettung bei Ausfällen oder Unfällen naht dauert es nun einmal. Bis dahin ist die oberste Bürgerpflicht Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen. Wenn sich jemand vor den Zug wirft kann man auch nicht so schnell den Zug verlassen. Erst einmal muss alles gesichert werden bevor noch mehr geschieht.
    Da die Bahn kaputt gespart wurde wird sich auch so schnell an der Situation nichts ändern.
    Ich saß schon zweimal in der Bahn als sich jemand vor dieser warf. Das dauert mindestens eine Stunde und hier wird gemeckert wenn es mal ein wenig wärmer ist.

  15. 36.

    "Widersprüchliche Angaben", das kann ich bestätigen. Ich selbst befand mich in einem RE 7 von Senftenberg nach Königs Wusterhausen, der wegen des o.g. Vorfalls in Groß Köris endete. Alle 160 Personen mussten den Zug verlassen und dann dort von ca. 19:45 bis mindestens 22:30 Uhr ohne eine Information ausharren. Die Ansage des Zugbegleiters lautete "liegengebliebener Zug" daher können wir nicht weiterfahren. Weiteren Infos oder Lösungen hatte er nicht. Am Bahnhof Groß Köris gab es weder eine Ansage, noch eine Anzeige. Vorbeifahrende andere RE´s hielten nicht an. In der DB-App wurde auf Zugausfälle wegen "Signalstörung" hingewiesen.

  16. 35.

    @Toberg. Da muss ich ja mal richtig gelegen haben bei so einem sinnfreien Kommentar. Ist bei Ihnen 30 Grad schon eine Gefahrenlage, die man nach 10 Min. alternatives beenden muss? Auch wenn dabei der gesamte Bahnverkehr gestoppt wird. Sie finden es richtig, dass Fahrgäste verbotenerweise die Türen öffnen? Sorry, aber da fehlt mir jedes Verständnis! Sie pochen doch sonst immer so auf Law und Order.

  17. 34.

    Wo soll der Notfallmanager im Brandfall herkommen,der ohne Brand nicht da ist?Das Aussteigen zur Böschung ist verboten,aber nicht lebensgefährlich,zumal später ja sogar von der Feuerwehr so verfahren wurde.Den Bagnbedienstezen vor Ort ist sicher am wenigsten vorzuwerfen,wenngleich sie sich erfahrungsgemäß schon gerne im Havariefall in ihr Dienstabteil zurückziehen.Die wirklich Schuldigen sitzen am Potsdamer Platz oder im Verkehrsministerium,die greift aber keiner,auch nicht die Länder als Bestel

  18. 33.

    Wenn nach 15 bis 30 Minuten! eine Durchsage kam, kam die Aufforderung dazu sicherlich von oben, um sich abzusichern. Ansonsten lautet die Devise aussitzen-

  19. 32.

    Die Bahn zeigt hier wieder einmal, dass sie selber immer noch nicht weiß, was los war

    Beispiele aus dem Artikel:
    "Nur für die Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit des Zuges musste die Lok ein Reset machen. Die Klimaanlage war daher etwa zehn Minuten nicht in Betrieb." - Der defekte Zug wurde abgeschleppt. ???? Wie jetzt wenn ein Reset reichte warum dann abgeschleppt?

    Aus dem Kommentar (ich gehe jetzt mal davon aus er war wirklich dabei:

    "Ca. 17:40-17:55 kam die Durchsage das die Türen geöffnet werden mit der Bitte das niemand den Zug verlassen soll aus Sicherheitsgründen." -
    Warum öffnen, wenn die Klimaanlage funktioniert.

  20. 31.

    "Wohl gemerkt: Niemand war laut den Berichten da außer diesen Bundeswehrleuten!"

    Wohlgemerkt: Es waren um die 300 Personen im Zug. Als "niemand" würde ich das ja nun nicht bezeichnen. Bundeswehrleute haben bei der Bahn genauso wenig Befugnisse wie alle anderen Fahrgäste und ihre "Kompetenzen" daher auch ganz eindeutig überschritten. Schließlich befinden wir uns ja nicht im Krieg.

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