Nach Radwegestopp - Klimaaktivisten errichten provisorischen Radweg in Berlin-Neukölln

Mi 19.07.23 | 09:39 Uhr
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Archivbild:Ein Aktivist von "Sand im Getriebe" zeigt seine Hände mit der Aufschrift "Autofrei" am 15.09.2019.(Quelle:picture alliance/dpa/F.Rumpenhorst)
Video: rbb24 | 19.07.2023 | Nachrichten | Bild: picture alliance/dpa/F.Rumpenhorst

Klimaaktivisten der Gruppe "Sand im Getriebe" haben in Berlin-Neukölln einen provisorischen Fahrradschutzstreifen errichtet. Dabei bemalten sie in der Nacht auf Mittwoch einen Abschnitt der Sonnenallee mit rot-orangener Kalkfarbe und Fahrradsymbolen, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte.

Den Angaben nach bemerkten vorbeifahrende Personen die Aktivisten auf der Straße und alarmierten die Polizei. Ersten Erkenntnissen zufolge stellten die Mitglieder der Gruppe Warnkegel an einem der Fahrstreifen auf und wandelten ihn mit der Farbe in einen etwa 100 Meter langen Fahrradstreifen um.

Aktivisten: "Es hilft jetzt nur eins: Radwege selber bauen"

Den Angaben zufolge verlief der Fahrradweg von dem S-Bahnhof Köllnische Heide bis zur Kreuzung zwischen Sonnenallee und Krebsgang. Die Einsatzkräfte trafen vor Ort drei Aktivisten mit Warnwesten an und stellten die Personalien fest. Gegen die Aktivisten wurde eine Anzeige wegen Sachbeschädigung aufgenommen. Den Angaben zufolge ermittelt der Polizeiliche Staatsschutz.

Die Aktion ist nach Angaben der Gruppe eine Reaktion auf den "Radwegestopp" der Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU). Die Senatorin hatte kurz nach Beginn ihrer Amtszeit zahlreiche Radwegevorhaben in den Bezirken vorübergehend gestoppt, um die Projekte überprüfen zu lassen. "Es hilft jetzt nur eins: Radwege selber bauen und zeigen wie einfach es geht", so eine Sprecherin von "Sand im Getriebe".

Sendung: rbb24 Inforadio, 19.07.2023, 15:00 Uhr

65 Kommentare

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  1. 65.

    Der aufgemalte Radweg ist doch leider nur ein Ausdruck davon, dass dem neuen Senat nicht die Zeit gegeben wird, sich über die vorhandenen Radwege so weit zu informieren, dass die bisherige Konzeption geprüft und sinnvolles von ideologischem getrennt wird. Berlin braucht mehr Radwege, für die Sicherheit und aufgrund eines steigenden Bedarfs und dies nicht nur in den Innenstadtbezirken. Ich glaube hier würde auch ein Großteil der Berliner mitgehen. Was Berlin nicht braucht ist eine weitere Polarisierung durch die einseitige Förderung eines Verkehrsmittels, sondern durchdachte Verkehrsverbindungen, die ein Nebeneinander von Auto, Fußgängern, Radfahrern, ERollern und dem ÖPNV ermöglicht. Es kann reine Autostraßen geben, wenn in der Parallelstrasse gut ausgebaute Radwege oder eine Fahrradstrasse vorhanden sind.

  2. 64.

    Herr Maik - Sie sind kein Diskussionspartner im SACHverhalt.
    Die mangelnde Radwegeinfrastruktur ist eine Tatsache. Diese TATSACHE unterliegt NICHT meiner Sicht. Und in diesem Sinne auch nicht Ihrer. Es handelt sich um Realität. Sie steht weder Ihnen noch mir frei flottierend zu Verfügung, um zum Beispiel absurde weltanschaulich-parteipolitische Behauptungen aufzustellen "bis 2016" habe Berlin über eine moderne fachlich-sachlich handwerklich angemessene Radwegestruktur verfügt. Oder ideologisch-kulturkämpferisch noch absurder, irgendwas mit Links-Grün habe sogar Wege für den Fußverkehr quasi zurück gebaut. Ich weiss nicht, in welchen Welten, in welchen Milieus Sie sich bewegen, die Ihnen solche Absurditäten mit schlimmen Folgen für eine moderne, zivilisierte (Stadt)Gesellschaft offenbar plausibel machen. Man kann Ihnen hier nur sagen: Sie befinden sich auf keinerlei Grundlage, die Verkehrsinfrastruktur der Stadt auszuhandeln, geschweige denn zu organisieren und zu bauen.

  3. 63.

    Aha Frau Saskia,
    Sie stellen nicht näher beschriebenen "unzivilisierten Schlagabtausch" fest. Wir erfahren nicht von Ihnen, ob die Verweigerung zivilisierter, moderner, fachlich-sachlich handwerklich angemessener Radwegestruktur, Ausdruck der Abwesenheit von Zivilisation ist. Aus deren Verteidigung - also der Abwesenheit einer zivilisierten, modernen, fachlich-sachlich handwerklich angemessenen Radwegestruktur, wiederum genau das stattfindet und offenbar ja auch gezielt stattfinden soll, was Sie dann mit gespieltem Überblick, im Selbstbild der ausgleichenden Moderatorin...beklagen.
    Das allein das regierungspolitische Bestreiten der unbestreitbaren Tatsache, der Abwesenheit zivilisierter, moderner, fachlich-sachlich handwerklich angemessener Radwegestruktur Ausdruck der Gewalt ist, die dann zynisch mit allem Mitteln staatlicher Gewalt jenen aufgepresst wird, die mit Kreidestrichen die zivilisatorische Errungenschaft eines Radweges andeuten, ist Ausdruck welcher Zivilisation?

  4. 62.

    Da Sie Köpenick angebracht haben, mit erneuter getöteter Radfahrerin ( wegen aus Ihrer Sicht mangelhafter Radfahrstruktur ), bringe ich mal den Unfall in Schöneberg zwischen Radfahrer/Fußgänger ein ( wegen aus meiner Sicht mangelhafter Gehwegstruktur )!!! Bis 2016 sind diese Strukturen Berlinweit vorhanden gewesen, wurden aber für Prestigeobjekte der Grünen, vernachlässigt worden!!! Und Bergmannstraße, Friedrichstraße, u.m. könnte man als Normalo auch gehen, wäre aber 10 bis 20 Sekunden später auf Arbeit!!! Welcher Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer, könnten sich das leisten???

  5. 61.

    Die meisten Diskutanten beziehen sich nicht auf den Beitrag. Ihr in weiten Teilen ziemlich unzivilisierter Schlagabtausch ist leider ein genaues Spiegelbild des Kampfes, der täglich auf Berlins Straßen stattfindet. Von
    Respekt, Toleranz u. Miteinander ist das extrem weit entfernt. So löst man jedenfalls keine Probleme.
    Früher war übrigens "Aktivist" positiv besetzt. Heute bezeichnet das Wort nur noch Menschen, die etwas meist etwas Auffälliges, Spektakuläres tun und wird inflationär benutzt.

  6. 60.

    PepeBerlinMittwoch, 19.07.2023 | 21:41 Uhr
    "Glaube so etwas nennt man Anarchie."

    Nein tut "man" nicht. Tun Sie. Tun einige. Ist halt Stammtisch. Grobschlächtig. Abstoßend.

    In Köpenick ist erneut eine Radfahrerin wegen mangelhafter, schlechter, Rad-Infrastruktur an einer Kreuzung getötet worden. 2 Jahre vorher an derselben Stelle eine anderer Radfahrer.
    Das ist menschengemachte, lebensgefährliche Verkehrsinfrastruktur.
    Lauthals verteidigt von Milieu und Politik, der die Sachverhalte vollkommen egal sind.

    Da lobe ich mir die Protestaktion.
    Der Geifer dagegen ist mir egal. Dieses Milieu, solche Politik sonnt sich in der Zustimmung weniger, die dafür aber besonders lautstark dokumentieren: Es gibt Milieus und Haltungen, die völlig zurecht zu übergehen und zu missachten sind.
    Erfüllte man ihre Erwartungen landete man in einem Abgrund, den man weder Gesellschaft noch Gemeinwesen nennen könnte.

  7. 59.

    Wie definieren sie denn Autobahn? Die Frankfurter Allee ist eine meist 2spurige Straße mit Max. Tempo 20 zu jeder Tageszeit. Autobahn ist bei mir anders.

  8. 58.

    Glaube so etwas nennt man Anarchie.

  9. 57.

    Nein. So muss überhaupt nicht "differenziert" werden. Jedenfalls nicht so völlig Sachfremd.

    Da sollte man sich Norwegen zum Vorbild nehmen. Gibt es dort einen Unfallschwerpunkt, gilt nicht die völlig unsachliche, irrationale und sachfremde deutsche Herangehensweise "wer ist schuld, wem der Verkehrsteilnehmer kann man die Schuld zuschreiben - erledigt"
    Sondern Verkehrspolitik und Verwaltung tut was ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist: Sie denkt fachlich-sachlich darüber nach, wie man die Verkehrsführung so gestalten kann, dass es nicht andauernd zu Unfällen kommt. Und setzt das um.

    Offenbar unterliegen viele dem, was man psychologisch Übertragung nennt. Radfahrende, Fussgängerverkehr hat kein Interesse Schuldige zu benennen. Sie verlangen das Recht auf sichere und moderne Verkehrsführung.
    Die Psychologie, die Schuldgefühle von Autofahrern aufgrund der strukturellen Folgen ihres Verkehrsmittels sind in der Sache vollkommen irrelevant. Ganz anderes Thema.

  10. 56.

    Hallo Martina
    6 getötete Radfahrer sind wirklich schlimm, nur muß dabei auch differenziert werden ...
    https://adfc-berlin.de/radverkehr/sicherheit/information-und-analyse/145-unfallorte/1155-getoetete-radfahrende-2023.html
    Schuldfrage:
    1+ 4 Radfahrer selbst
    2 ohne Fremdeinwirkung
    3 Taxifahrer
    5 + 6 LKW-Fahrer

  11. 55.

    KeksMittwoch, 19.07.2023 | 12:47 Uhr
    Antwort auf [Martina] vom 19.07.2023 um 12:32
    "Darf man diese Aktion bzw. Ausführenden als radikal und/oder extrem bezeichnen (auch ohne das vorsetzen von rechts-)? "

    Sie dürfen alles. Das Wesen der Meinung ist, dass sie zur Wahrheit oder Wahrhaftigkeit nicht verpflichtet ist. Ob eine Meinung Bedeutung hat, oder Bedeutung erlangen sollte, hängt von ihrer Redlichkeit, ihrer sachlichen Seriosität ab.
    Eine Meinung ist nicht schon deshalb bedeutend, weil man sie hat.

    Wenn sie also nach dem 6 Toten Radfahrerenden in diesem Jahr im Strassenverkehr Berlins, das Aufmalen eines Radweges mit Kreidefarbe(!!) als "radikal" und "extrem" bezeichnen wollen, bei der zudem "Der Staatsschutz" ermittelt, dann tun Sie das. Sie müssen selbst damit klarkommen, dass das selbstverständlich rechtsreaktionärer Haltung ist. Was ist solche Beutehaltung gegenüber Staat, Recht und Staatsgewalt sonst?

  12. 54.

    Die Frankfurter Allee ist leider schon seit Jahrzehnten eine Autobahn. Wird aber Zeit, dass sich das ändert…

  13. 53.

    Tolle Aktion, wirklich.
    Ich finde bei der Gelegenheit sollte ich heute Nacht gleich losgehen und die Frankfurter Allee zur Autobahn deklarieren. Wenn die staatlichen Stellen das nicht schaffen muss das der Bürger halt selbst machen.
    Wen interessieren schon Regeln und Gesetze oder gar demokratisch gewählte Staatsorgane.

  14. 52.

    Ich gebe Ihnen Recht, … das ist ein Miteinander.

  15. 51.

    Der Radweg in der Weserstraße ist ein typisches Beispiel dafür, wie ein Radweg aus dem letzten Jahrtausend aussieht, bei dessen Planung gegolten hat dass sich die Radfahrer allen anderen Verkehrsteilnehmern unterzuordnen haben. Er ist schmal, und zwar in juristisch grenzwertigem Maß. Er ist so holprig, dass man ihn nur mit einem Mountainbike befahren möchte. Er wird von tapsigen Touristen und Betrunkenen belagert, und ist obendrein im Türbereich parkender Autos platziert, so dass sein Befahren vor allem eine Gefahr darstellt. Und obendrein ist er gerne von Glasscherben übersäht, wer regelmäßig dort fährt hat regelmäßig einen Platten. Das ernsthaft als Alternative zu verkaufen bedeutet im besten Fall, dass man keine Ahnung von den Gegebenheiten hat.

  16. 50.

    Inwiefern verursachen Radfahrer vergleichbare Kosten, egal, ob sie jetzt Radfahrwege, Bürgersteige oder Straßen benutzen ? Die Kosten für Instandsetzung von Straße, Bürgersteig und Radfahrweg sind doch bekannt.
    Und wie kommen Sie darauf, dass Radfahrer (mehr als Autofahrer) in den Urlaub fliegen statt z.B. Bus oder Bahn nutzen (können Sie als Autofahrer übrigens auch)?
    Und wie kommen Sie darauf, dass Autofahrer weniger fliegen, nur weil sie ein Auto haben?
    Und es wird wohl kaum jemand von Berlin nach Rostock fliegen; weder Leute mit Auto noch ohne. Oder welche Entfernungen meinen Sie, die man mit dem Auto für den Urlaub zurücklegt, andere aber fliegen würden?
    Also ich weiß gar nicht, was Sie mit Ihrem Beitrag eigentlich wollen.

  17. 49.

    Gegenfrage wie viel Zehntausende Kilometer legt den eigentlich ein Radfahrer auf Radfahrwegen , Straßen,aber auch Bürgersteigen zurück?inkl.Urlaub,denn den machen wir ja auch mit dem Auto und belasten nicht durch fliegen.

  18. 48.

    Der Vergleich von Auto und Fahrrad zeigt,dass das Fahrrad einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen von 30 Cent pro Kilometer hat. Während Autofahrer 20 Cent Kosten pro Kilometer erzeugen, die derzeit nicht durch Steuern und Abgaben gedeckt sind. Bei etwa 20.000 Personenkilometer pro Jahr und Auto erzeugt jedes einzelne Auto so 4.000 Euro Kosten für die Gesellschaft.

  19. 47.

    Radfahrer entlasten die Kommunen, Autofahrer belasten die Kommunen.

    "Der Radverkehr erhält die geringsten Zuschüsse. Der PKW-Verkehr in einer deutschen Großstadt kostet die öffentliche Hand und die Allgemeinheit etwa das Dreifache wie der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Denn der PKW-Verkehr erfordert zwar durchaus auch – wie der ÖPNV - Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und deren Unterhalt, bringt aber den Kommunen keine unmittelbaren Einnahmen wie der ÖPNV. Das sind aber nur zwei von zahlreichen für Fachleute aufschlussreichen Antworten, die die Autoren der Studie geben."

  20. 46.

    Das hat ja keiner behauptet. Sie müssen auch schon alles lesen. Da steht:
    "Und Verursachen dabei weniger Kosten für ihre Infrastruktur als KFZ-Verkehr."
    Die gesamte Infrastruktur zahlen auch beide. Radfahrer zahlen mit ihren Steuern (die prinzipiell nicht zweckgebunden sind, auch nicht die KFZ-Steuer) sowohl die Auto-Infrastruktur als auch die Radfahrer-Infrastruktur. Autofahrer zahlen auch beides. Autofahrer verursachen aber (neben anderen Begleiterscheinungen; Stichwörter Umwelt, Gesundheit etc) auch deutlich mehr Kosten in ihrer Infrastruktur. Und zahlen u.a. deswegen eine eigene Steuer (und der Schwerlastverkehr als signifikanter Mitverursacher eine zusätzliche Maut). Die aber alle nicht für die Kostenverursachung der Auto-Infrastruktur ausreichen und am Ende der Rechnung von Radfahrern mitfinanziert werden. Also wenn man jetzt die Welt in Radfahrer und Autofahrer einteilen will...:-)

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