Nach 13 Jahren Planung - Bau des Besucherzentrums am Bundestag nimmt Fahrt auf

Fr 08.03.24 | 11:23 Uhr | Von Julian von Bülow
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Archivbild:Der Reichstag in Berlin, Sitz des deutschen Bundestages, mit seiner spektakulären Glaskuppel als Baustelle am 23.02.2024.(Quelle:picture alliance/Eibner-Presssefoto/Augst)
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2011 begannen die Planungen für ein neues Besucherzentrum am Bundestag. Nun starten die ersten Baumaßnahmen. Die Besucher erwartet auch ein Graben sowie Zäune vor dem Parlament - dauerhaft. Von Julian von Bülow

Die vorbereitenden Bauarbeiten für das Besucherzentrum vor dem Bundestag haben begonnen. Das teilte Wolfgang Kubicki (FDP) auf rbb|24-Anfrage mit.

Das neue Besucher- und Informationszentrum soll für 192,5 Millionen Euro bis 2030 im Tiergarten an der Scheidemann-Straße entstehen. Besucher sollen künftig von dort aus durch einen Tunnel vor den Eingang des Reichstages geführt werden. Der Sicherheitsbereich vor dem Parlamentsgebäude soll durch einen Zaun sowie einen zehn Meter breiten Graben abgeschirmt werden.

Jährlich kommen laut Bundestagsverwaltung etwa 2,5 Millionen Menschen, um das Parlament zu besuchen. Bisher müssen sie alle durch die Sicherheitsschleuse in den Containern vor dem Reichstagsgebäude.

Grafik: Künftige Bauarbeiten rund um den Reichstag. (Quelle: rbb24/Google Earth)
So soll das Gelände um den Bundestag bis 2030 umgestaltet werden | Bild: rbb24/Google Earth

Mit der neuen Infrastruktur soll die Sicherheit des Bundestages erhöht werden. Denn bisher ist der Eingang am Platz der Republik nur mit grauen Stahlgittern abgeschirmt. Dass das in gewissen Lagen unzureichend sein kann, zeigten im August 2020 rechtsradikale Demonstranten, welche die Treppen des Bundestag mit Reichsfahnen stürmten und fast in das Parlament eindrangen.

Der neue Zaun und der Graben bilden künftig den sogenannten Sicherheitsperimeter, der für Besucher nur durch den unterirdischen Tunnel erreichbar sein wird - nach Sicherheitskontrolle im Besucherzentrum. Dort soll es nach den Plänen des Bundestages auch ein Bistro, einen Laden sowie Seminarräume für Treffen von Abgeordneten und Besuchergruppen geben. Zudem soll es dort Vorträge, Rollenspiele und Filme geben, die auf den Besuch einer Bundestagsdebatte vorbereiten. An einem Außenschalter sollen sich Besucher für einen Besuch der Reichstagskuppel anmelden können.

Der Sicherheitsgraben soll sich über die gesamte Länge des Platzes der Republik erstrecken - zehn Meter breit und 2,50 Meter tief. Eine Mauer hätte laut Bundestag die Sicht versperrt. Daher habe man eine Mischung aus einem 2,50 Meter hohen Zaun und dem etwas ungewöhnlich betitelten "Aha"-Graben aus dem Gartenbau ausgewählt. So heißt es vom Bundestag: "Seinen historischen Namen hat dieser Graben-Typus, weil er aus der Ferne nicht erkennbar ist, erst beim Herantreten sichtbar wird und den Besucher verblüfft 'Aha!' ausrufen lassen soll." Aha.

Im ersten Schritt der eigentlichen Baumaßnahmen wird eine neue unterirdische Kältezentrale für den Bundestag gebaut. Die war sowieso geplant, daher wurden die Bauarbeiten dazu sowie des Besucherzentrums zusammengelegt. Das wird dann im zweiten Schritt zusammen mit dem Tunnel errichtet. Graben und Zäune folgen gegen Ende der Baumaßnahmen, teilte das Büro von Wolfgang Kubicki (FDP) weiter mit. Die Kosten stiegen von den ursprünglich geplanten 150 Millionen Euro auf mittlerweile 192,5 Millionen Euro. Es könnte aber noch teurer werden: "Kosten für Projektrisiken und Baupreissteigerungen sind darin nicht enthalten", schreibt die Bauherrin, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima).

Die Projektrisiken sind laut Bima Termineinhaltung und Lage. Denn das Bauumfeld sei schwierig, da die U5 und die Fernbahn dort verlaufen. Derzeit bohre die Deutsche Bahn wegen des Baus der künftigen S-Bahn-Linie S21 und die die Berliner Wasserbetriebe müssten noch einen Wasserkanal umlegen. Zudem finden um die Baustellen herum regelmäßig Großveranstaltungen statt, schreibt die Bima. Gibt es bei diesen Arbeiten Verzögerungen, wirkt sich das möglicherweise auf das anvisierte Ziel aus, 2030 das Besucherzentrum eröffnen zu können.

Der Entwurf der Markus Schietsch Architekten GmbH mit Lorenz Engster Landschaftsarchitektur & Städtebau GmbH für ein Besucherzentrum des Deutschen Bundestages in Berlin (Quelle: Presse / Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung).Der Entwurf der Markus Schietsch Architekten GmbH mit Lorenz Engster Landschaftsarchitektur & Städtebau GmbH für das Besucherzentrum des Deutschen Bundestages |

Der Bau des Besucherzentrums ist ein Marathon-Projekt. 2011 beschloss der Ältestenrat des Bundestages, den Bau eines Besucher- und Informationszentrums zu prüfen, 2012 gaben der Bund und das Land Berlin dann eine Machbarkeitsstudie für ein unterirdisches Besucherzentrum in Auftrag. 2014 begann man mit der Ankündigung, einen Architekturwettbewerb für ein oberirdisches Zentrum auszuschreiben. 187 Beiträge gingen ein. Anfang 2017 setze sich der Entwurf der Züricher Arbeitsgemeinschaft Markus Schietsch Architekten gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten Lorenz Eugster durch.

Im Juli 2018 beschloss der Ältestenrat des Bundestages den Zaun- und Grabenbau. Nun geht es also 2024 mit den Bauvorbereitungen los. Und wenn alles nach Plan läuft, steht 2030 dann der Gewinner-Entwurf neben dem Reichstagsgebäude.

Beitrag von Julian von Bülow

18 Kommentare

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  1. 18.

    Besucher in diesem Haus war ich letztmalig Anfang der 90er Jahre. Als historischen Ort, Erinnerungs- und Gedenkstätte. Angesehen habe ich es mir als Kunstobjekt danach. Eine Nutzung in der ursprünglichen Bedeutung ist (unabhängig von Namen) auch vollkommen angebracht. Doch als Sicherheitsbereich für “Volksvertreter” die sich mit allen Mitteln vor ihrem “Volk“ schützen müssen ist mir jeder ausgegebene Pfennig zu viel. Die Kosten für eine Ummauerung des gesamten Areals nach hist. Art wären ok!

  2. 17.

    Für diese Summe baut man kein Besucherzentrum. Es ähnelt bunkerartiger Bauten in einem großen Ausmaß. Ich glaube dieses Geld in andere so dringende Projekte wäre sicher besser und für die breite Bevölkerung sinnvoller.

  3. 16.

    Hm der Graben ist vorne aber nicht rechts und links… wurden früher Burgen auch so gebaut ?

  4. 15.

    Ich lese nur "Zaun, Tunnel und Graben". Ja, wurde denn die Zugbrücke vergessen? Wozu ist die Bundespolizei und die Bundestagspolizei denn vor Ort? Dachte die bewachen eigentlich die Zinnen und Tore der Burg. Irgendwie etwas überzogen.

  5. 14.

    2011 begann die Planung, und was schreiben wir heute und wann soll es fertig sein. Ich dachte ich hab mich verlesen. Die Baukosten sind um ein undenkbar vielfaches gestiegen seit dieser Planung. Laß es ein Witz sein kann ich nur sagen. Dieses Geld in den Wohnungsbau oder für Modernisierung von Schulen daß endlich für die Grundbedürfnisse unserer Menschen und Bürger etwas getan wird aber schnellstmöglich und ohne Debatten, Parlamente, Diskussionen und Hinhaltaktiken.

  6. 13.

    Noch schader ist es, dass es inzwischen "Bürger" in unserem Land gibt, die als praktizierende Leerdenker dazu bereit sind, unsere Voksvertretung buchstäblich mit Füßen zu treten und jedes demokratische Maß für Protest verloren haben. Diese Leute bauen quasi diesen Graben.

  7. 12.

    Na, super.Da bleibt einem nur die Sprache und Spuckeweg,wegen, Bau Kosten,Bau Dauer,ein gigantisches Kassenhäuschen und das noch unterirdisch Das ist wirklich unterirdisch.

  8. 11.

    Schade, bald haben wir wieder Bonner Verhältnisse.
    Ist unsere Gesellschaft nicht reif für einen respektvollen Umgang miteinander in Freiheit? Anfang der 90er hatte ich noch Hoffnung, als man noch völlig unbehelligt vor Ministerien parken konnte und die Stadt ein Gefühl von Freiheit, Aufbruch , bessere Zukunft ausstrahlte.

  9. 10.

    Na da kann man mal sehen, was die für einen Sch... haben. Zaun und Graben ist typisch. Das einzige, was die können sinnlos Geld für Unnütziges zum Fenster rausschmeißen und heimlich ihre Diäten erhöhen.

  10. 9.

    Übrigens: das Äußere dieses Gebäudes erinnert fatal an die James-Simon-Galerie von David Chipperfield auf der Museumsinsel.
    Es wird doch hoffentlich nicht auch so kostenintensiv werden...?!

  11. 8.

    "eine neue unterirdische Kältezentrale"
    wir haben Klima und hier soll trotzdem eine energieaufwendige neue unterirdische Kältezentrale eingebaut werden.
    Ich halte ich für nicht besonders vorbildlich, liebe Bundesregierung....

  12. 7.

    Schade, dass sich die Politik hinter Zäunen und einem Graben verschanzt, ich finde das nicht nur symbolisch äußerst fragwürdig.

  13. 6.

    Laut Bild im Artikel wird das Besucherzentrum etwa halb so groß in der Grundfläche widas Reichstagsgebäude, ist das tatsächlich so?
    Das besucherzentrum wird im Verhältnis zu den Bäumen sehr hoch, meine ich. Auf dem Bild scheint es aber keine zwei Stockwerke zu haben, sondern oben "frei" zu sein. Ist das so?
    Interessant wäre zu wissen, wie sich die Baukosten aufteilen, was kostet wieviel?
    Wo könnte man es einsehen?
    Und für welchen Zeitraum ist dieser Betrag geplant, sind also Kostensteigerungen gemittelt einbezogen?

  14. 5.

    Die einzige Vokabel, die diesem Vorhaben entspricht und sich im Beitrag wiederfindet lautet: unterirdisch.

  15. 4.

    "Das neue Besucher- und Informationszentrum soll für 192,5 Millionen Euro bis 2030 im Tiergarten an der Scheidemann-Straße entstehen."
    Also dann, wenn es denn tatsächlich 2030 fertig sein sollte, 350 Millionen.
    Langsam fragt man sich, was dieser Sch... soll!

  16. 3.

    Na toll, dafür ist genug Geld da und wie wir aus Erfahrung wissen wird es noch "einiges mehr" kosten. Während Renter weniger Geld haben, Schulen unsaniert bleiben, kein sozialer Wohnungsbau möglich ist. Aber gut dass ein Zaun drum kommt, damit keine "Obdachlosen dort alles verschandeln". Schämt euch, während das Volk zusieht wie wieder das Geld zum Fenster rausgeschmissen wird.

  17. 2.

    Nach 13 Jahren Trödelei noch davon zu sprechen, dass ein Projekt "Fahrt aufnimmt", ist doch wohl eher unpassend.

    Die sollen das Gebäude fertigstellen, möglichst geräuschlos eröffnen und hoffen, dass nicht zu viele fragen, warum das so lange gedauert hat.

  18. 1.

    Das ist ja gaaaanz wichtig!
    Wie wäre es mal wieder mit funktionierendem Nahverkehr, damit man mit Schulklassen überhaupt wieder Ausflüge machen kann?

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